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Gegen Drecksäcke hilft nur ein Todfeind

Gerd Knebel im KFZ Gegen Drecksäcke hilft nur ein Todfeind

Hessisch, urkomisch, atemberaubend schnell und öfter mal unter die Gürtellinie. Aber schließlich ging es Gerd Knebel ja um die „Drecksäck“ dieser Welt. Und da ist man ja auch ganz gern innerlich ein kleiner Drecksack.

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Gerd Knebel präsentierte im ausverkauften KFZ sein Soloprogramm „Wörld of Drecksäck“ und griff dabei auch zur Gitarre.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Meist fahren ja die Marburger Richtung Frankfurt, aber wenn die Auftritte Gerd Knebels rund um die Mainmetropole ausverkauft sind, dann fährt man auch mal von dort ins Mittelhessische, wie eine Besuchergruppe im mit rund 200 Gästen ausverkauften Kulturladen KFZ deutlich machte.

Die eine Hälfte des Comedy-Duos „Badesalz“ hatte mit seinem Programm „Wörld of Drecksäck“ auch im Alleingang keine Probleme, das vom Teenager- bis ins Rentenalter besetzte Publikum über zwei Stunden lang bei bester Laune zu halten. Da gab es kaum Zeit, Luft zu holen zwischen den Gags, Pointen, Gesten und Grimassen, mit denen sich Knebel im Hessi-James-Tempo (das ist der von Badesalz erfundene hessische Cowboy, der seine Gegner tot schwätzt) über all die großen und kleinen Drecksäcke hermachte - von Diktatoren über Banker, Broker, Ärzte, Anwälte bis zu Callcenter-Mitarbeiterinnen und nervenden Freundinnen der eigenen Frau.

Selbstmordattentätern legte Knebel dringend einen Sprachkurs ans Herz. „Man will ja, dass die Leute mitbekommen, warum man sie in die Luft sprengt, sonst geht schnell was schief“, erläuterte Knebel an dem Beispiel eines Terroristen, dem es an der richtigen Aussprache mangelte. Zuerst will er seine Opfer in die Halle schicken, dann in die Höhle, und nachdem er, von einem Passanten korrigiert, dreimal „Hölle“ ruft, bekommt er ein Freundschaftsbändchen der Wolfgang-Petry-Tour umgebunden.

Eigentlich müsse ja in Deutschland niemand zum Verbrecher werden, denn nur hier gebe es ein „Drecksack-Warnsystem“. Autofahrer, die gerne mit 170 durchs Wohngebiet führen, würden durch lustige Radiomoderatoren informiert, wo gerade Blitzer stünden, so dass sie genau an dieser Stelle für zwei Sekunden langsamer werden könnten. Diese Einrichtung könnte man auch benutzen, um Leute in anderen Bereichen zu warnen, meint Knebel. Etwa eine Art „Brüderle-Alarm“ für Männer, die kurz davor stehen, im Auto ihre Sekretärin sexuell zu belästigen.

Wichtige Tipps zum Schutz vor Drecksäcken hatte Knebel für seine Zuhörer ebenfalls parat. Nicht starke Freunde, sondern einen Todfeind müsse man sich zulegen. Wenn nachts die Tür aufgebrochen werde, könne man ohne einen Todfeind nur bibbern. Habe man aber einen Todfeind, könne man locker unters Bett greifen, die Pumpgun rausholen und durch die Tür schießen. Treffe man dabei nicht seinen Todfeind, sondern einen Hausklingler, dann handle es sich eben um „irrtümliche Notwehr“. Man habe ja nicht wissen können, dass die Zeugen Jehovas nur den Wachturm an die Tür kleben wollten.

Nach zwei Stunden fast ununterbrochenen Redeflusses durch die Welt der Fieslinge ließen die Zuhörer Knebel nicht ohne Zugabe von der Bühne. Der ehemalige „Flatsch“-Sänger griff sich seine Gitarre, teilte das Publikum in zwei Männerchöre und einen Frauenchor auf. Viel Text musste man nicht lernen, „Bumm bumm bumm bumm - bomm“ und „aaahhh“. Allerdings mussten alle noch „headbangen“ - und hatten einen Heidenspaß dabei.

Mittwoch Abend gastiert ab 20 Uhr "Der Tod" beim Kabarettherbst im KFZ

von Manfred Schubert

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