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„Gefährlichste Website der Welt“

Neu im Kino: Inside Wikileaks „Gefährlichste Website der Welt“

Wie weit darf man gehen im Namen der Wahrheit? Wie können wir die Mächtigen der Welt kontrollieren im 21. Jahrhundert? Mit seinem Thriller über die Plattform Wikileaks formuliert Bill Condon wichtige Fragen.

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Julian Assange (Benedict Cumberbatch) erhält Unterstützung von dem „Architekten“ (Moritz Bleibtreu), der isländischen Abgeordneten Birgitta Jónsdóttir (Carice van Houten) und Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl).Foto: Constantin Film

Marburg. Es ist ein starker Herbst für Daniel Brühl. Vor wenigen Wochen erst ging er als Niki Lauda in Ron Howards Kinofilm „Rush“ an den Start. Nun darf der gebürtige Spanier in einer weiteren internationalen Produktion agieren, diesmal unter der Regie von Bill Condon, der Filme gemacht hat wie „Dreamgirls“. Brühl („Good Bye, Lenin!“) gibt den Hacker Daniel Domscheit-Berg, auf dessen Buch „Inside Wikileaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt“ ein Gutteil des Drehbuchs basiert. Regisseur Condon erzählt die Geschichte um die so berühmte wie umstrittene Enthüllungsplattform und dessen charismatischen Kopf Julian Assange. Dieser wird gespielt vom Briten Benedict Cumberbatch. In weiteren Rollen zu sehen sind etwa Laura Linney, Anthony Mackie und deutsche Darsteller wie Moritz Bleibtreu.

Bei einem Hacker-Kongress treffen die beiden Protagonisten im Film erstmals aufeinander: Julian Assange, ein aus Australien stammender Journalist und Ex-Hacker, und Daniel Domscheit-Berg, ein deutscher Informatiker. Zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber ein gemeinsames Ziel antreibt: über eine Plattform im Netz Geheimdokumente öffentlich machen, um damit sogenannte Whistleblower zu unterstützen, die moralisch zweifelhaftes Verhalten in der eigenen Firma oder eigenen Regierung anonym anprangern wollen. Schnell macht Wikileaks mit Enthüllungen auf sich aufmerksam. Immer mehr aber entzweien sich Assange und Domscheit-Berg, als dieser erkennt, zu welch radikalen Schritten der weißhaarige Wikileaks-Vordenker im Namen der Wahrheit bereit ist.

Bei Wikileaks traf diese Darstellung auf heftigen Widerspruch. Der echte Julian Assange prangerte wiederholt an, er werde mit dem Film zum Bösewicht gemacht. Hinzu kommt, dass Assange sich mittlerweile mit eben jenen Menschen überworfen hat, deren Bücher die Grundlage für das Drehbuch bildeten. „Der Film wird die wahre Version der Ereignisse ersticken“, gab sich Assange überzeugt. Er weigerte sich, Hauptdarsteller Cumberbatch zu dessen Vorbereitung zu treffen.

Daniel Brühl gibt souverän den nüchtern-bodenständigen Gegenpart. Und in gewisser Weise auch das moralische Gewissen des Politthrillers. Sein Daniel Domscheit-Berg – Brühl traf den Informatiker anlässlich der Dreharbeiten – ist sympathischer angelegt als Cumberbatchs Assange. Dafür vermag Brühls Figur weniger zu fesseln als Assanges enigmatisches Wesen. In jedem Fall aber empfiehlt sich Brühl nach seinem Auftritt in „Rush“ auch mit dieser Rolle für weitere internationale Produktionen.

Bill Condon, der auch für Filme wie „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht“ verantwortlich zeichnet, legt mit „Inside Wikileaks“ eine dynamische, von schnellen Schnitten und vielen Ortswechseln dominierte, teils etwas hektische Inszenierung vor. Von Berlin über Belgien und Island bis nach Kenia reichen die Drehorte; es dauert etwas, bis der Film seinen Rhythmus findet und ein wenig zur Ruhe kommt.

Sowohl das Skript, als auch Condons Regie sind klug genug, sich eines klaren, allzu einfachen Urteils über Wikileaks und auch über Assange zu enthalten. Stattdessen wirft der Film Fragen auf, die unseren Umgang mit Freiheit und Transparenz, unser Verständnis von Gerechtigkeit und Demokratie im digitalen Zeitalter betreffen. Antworten muss ein jeder Kinobesucher selbst finden.

Meinungen aus der Sneak-Preview

Nach der Sneak-Preview am Dienstag waren die Meinungen der Zuschauer gemischt. „Meinungsfreiheit für alle. Dieser Film wird einen noch lange nach dem Kino bewegen“, wertete Rolf Geßner aus Ebsdorfergrund. Für viele Zuschauer wie Dominik Hüther aus Marburg zog sich der Film zu sehr in die Länge. „Langatmig, aber gut“, lautete sein Urteil. „Schwere Kost. Zieht sich in die Länge und ist für Nichtcomputerfachmänner schwer zu verstehen“, schrieb Stefanie Nahrgang aus Schröck auf ihre Bewertungskarte. Je zwei Freikarten gehen an: Philipp Born, Katrin Reichel, Sandro Fischer, Dominik Hüther (alle Marburg) und Matthias Dalwig (Lahntal). Die Karten werden zugeschickt.

Der Film läuft im Filmkunsttheater Kammer.

von Matthias von Viereck

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