Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Regen

Navigation:
Gedenken an den Ersten Weltkrieg

Kurhessische Kantoreis Gedenken an den Ersten Weltkrieg

Am Samstag, 28. Juni, lädt die Kurhessische Kantorei ein zu einer Gedenkveranstaltung zum Ersten Weltkrieg. Die multimediale Präsentation mit Rezitationen, Gesang und Bildern beginnt um 19 Uhr in der Pfarrkirche.

Voriger Artikel
Fotofilm wird zum Daumenkino
Nächster Artikel
Comedy-Musical wie aus einem Guss

Mitglieder der Kurhessischen Kantorei setzen sich in Bewegung: Der Chor lädt ein zu einer Gedenkveranstaltung 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges. Foto: Steffen Höntsch

Quelle: Steffen Hoentsch

Marburg. Es ist ein sehr ungewöhnliches Projekt, an das sich die Kurhessische Kantorei heranwagt. Unter dem Titel „Keinen Krieg mehr!“ hat der große Marburger Chor unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum eine Gedenkveranstaltung an den 1. Weltkrieg geplant. Mit Musik, mit Texten, mit Bildern und mit Dokumenten soll an die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ erinnert werden, wie Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) im Programmheft betont. Vaupel hat die Schirmherrschaft übernommen.

Erinnert wird an den Krieg am 28. Juni, dem 100. Jahrestag des Attentats auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo. Einen Monat später erklärte das Kaiserreich Österreich-Ungarn dem Königreich Serbien den Krieg - die Großmächte schlitterten in den Weltkrieg, in dem bis 1918 zehn Millionen Soldaten und sieben Millionen Zivilisten starben und 20 Millionen Soldaten verwundet wurden.

„Ich wollte etwas zum 1. Weltkrieg machen“, sagt Chorleiter Uwe Maibaum. „Nur was? Ich bin kein Historiker und wir wollten in unserer Gedenkveranstaltung nicht die Kriegsschuld klären.“

Im Chor bildete sich - wie zu jedem großen Konzert - eine Arbeitsgruppe, die Ideen erarbeitete: Doris Dedner, Ernestine Ebert-Menard, Rainer Zuch, der Geschichtslehrer Michael Heiny und Maibaum erarbeiteten eine „Veranstaltungs-Skulptur“, eine Montage, in der „verschiedenste Eindrücke aufeinanderprallen sollen“, wie es im Programm heißt.

„Keinen Krieg mehr!“ soll eine Gedenkveranstaltung mit starkem Marburg-Bezug werden. Die Gruppe ist bei ihren Recherchen auf Predigten von Christian Eisenberg gestoßen, der von 1910 bis 1924 Pfarrer an der Universitätskirche war und in glühenden Predigten für den Krieg warb. Nicht nur Politiker und die Herrscher haben damals versagt, „auch die Kirche“, sagt Maibaum.

Gefunden hat das Team auch eine Rede von Dr. Cornelius Hölk, von 1917 bis 1932 Direktor des altehrwürdigen Gymnasium Philippinum. Der warb am 16. Juli 1919 bereits für den nächsten Krieg. Feldpostbriefe und Texte von Peter Englund runden den sprachlichen Teil ab, rezitiert werden sie von den Marburger Schauspielern Christine Reinhardt und Thomas Streibig.

Den Krieg ächten

An Musik hat Landeskirchenmusikdirektor Maibaum Werke aus vielen der am 1. Weltkrieg beteiligten Nationen ausgewählt - unter anderem von Max Reger, Hans Eisler, Rudolf Mauersperger oder Alexandre Gretchaninov. Zum Teil wurden sie unter dem Eindruck des Weltenbrandes komponiert, zum Teil weisen sie darüber hinaus - denn die Gedenkveranstaltung „Keinen Krieg mehr!“ geht bewusst über den 1. Weltkrieg hinaus und erinnert auch an die Gräuel und Toten des 2. Weltkriegs. Die Veranstaltung der Kantorei ruft dazu auf, den Krieg zu ächten „als größtes menschliches Unglück“.

Der Eintritt in das Konzert der Kurhessischen Kantorei ist frei. Die Veranstalter hoffen auf großzügige Spenden, mit denen Friedensarbeit unterstützt werden wird. Das Geschehen im Innern der Lutherischen Pfarrkirche beginnt am 28. Juni um 19 Uhr. Zuvor sind auf dem Lutherischen Kirchhof bereits erste Klänge und Eindrücke zu erhalten - es lohnt sich also frühzeitig zu erscheinen.

Mitwirkende sind: Stefan Hülsermann (Klarinette), Ji-Youn Song (Klavier), Ka Young Lee (Orgel), Burkhard zur Nieden (Liturgie), Christine Reinhardt, Thomas Streibig (Rezitationen), Tobias Theel (Technik). Elsa Mohrmann (Köchin), Konfirmanden der Pfarrkirche, die Kurhessische Kantorei. Die Leitung hat Uwe Maibaum.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr