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Gaucho-Tänze und Orient-Jazz

Akkordeonale Gaucho-Tänze und Orient-Jazz

Das weltweit einzige tourende Akkordeonfestival stellte am Donnerstagabend im KFZ unter Beweis, dass mit diesem Instrument viel mehr als Volksmusik möglich ist, ohne diesen Bereich zu verleugnen.

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Der Niederländer Servais Haanen (stehend) spielte nicht nur Akkordeon, sondern führte auch charmant und amüsant durch das Programm und sang ein Lied von Johnny Hallyday: „Que je t’aime“.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Die 180 Zuhörer im KFZ zeigten sich sehr aufgeschlossen und feierte die äußerst unterschiedlichen Darbietungen der fünf Akkordeonkünstler und ihrer beiden Begleitmusiker aus sieben Ländern begeistert. Darunter auch Kenner wie Kurt Latzko, selbst Akkordeonlehrer und Leiter mehrerer Chöre im Landkreis, der vieles sehr fremdartig fand, aber gerade dadurch interessant und hörenswert. Besonders bewunderte er die ungeheure Fingerfertigkeit und Virtuosität des Serben Jordan Djevic, der Elemente der Balkanfolklore mit Einflüssen aus klassischer wie moderner Musik, Jazz und populären Liedern zu einer ganz eigenen, sehr spannenden Art des Musizierens, die die Hörer in ihren Bann zog.

Angekündigt hatte Servais Haanen diesen brillanten Spieler mit den Worten: „Jordan spielt Akkordeon, weil jeder fünfte Serbe kein Akkordeon spielt.“ Auf diese charmant-witzige Weise, oft mit Untertreibungen, führte der Niederländer, der auch die Ensemble-Stücke arrangierte, durch das Programm.

Anfangs sehr fremd, dann aber plötzlich durch Elemente des westlichen Jazz immer vertrauter klingend, erschienen die Kompositionen des Iraners Gulam Kerimzade. Er überraschte das Publikum auch durch die plötzlich eingefügte Melodie von „Freude schöner Götterfunken“. Seiner Aufforderung zum Mitsingen folgten die Besucher willig, und auch seine nach Bebop-Manier vorgesungenen Silbenfolgen imitierte es solange, bis sie zu schnell und kompliziert wurden.

Viel gewohnter für deutsche Ohren waren die Stücke, die Raquel Gigot in der Musettetradition ihrer belgischen Heimat, aber konzertant aufgewertet, präsentierte.

Als Temperamentbündel, wie man es klischeehaft von einer Brasilianerin erwartet, entpuppte sich Adriana de Los Santos. „Gaucho-Feuer aus der Pampa“ hieß es in der Konzertankündigung über sie. Haanen behauptete bei seiner Vorstellung, sie habe vor der Akkordeonale nie ein Konzert gegeben, sondern immer nur vor Kühen und scherenden Männern gespielt. Bei ihren Auftritten hielt es sie nicht auf dem Stuhl, und auch Johanna Stein tänzelte beim gemeinsam gespielten „Milonga para as Missoes“ fröhlich an ihrem Cello mit. Das Publikum war entzückt.

Servais Haanen erinnerte mit „Um Fadinho“ an seine Zeit in Portugal. Es ist ein nicht ganz so schwermütiger Fado, den Johanna Stein am Cello und der Portugiese Rafael Fraga auf der Fado-Gitarre begleiteten.

Die Solo-Stücke der Akkordeonspieler brachten deren Stil am authentischsten zur Geltung, während die Ensembledarbietungen eher liedhaft und einfacher strukturiert waren. Aber auch sie waren auf ihre Weise spannend, weil doch jeder Musiker seine eigene Note einzubringen verstand und sich so die unterschiedlichen Charaktere und Temperamente und die in ihrer Bauart ungleichen Instrumente zur Weltmusik im besten Sinne verbanden. Insbesondere bei den beiden Zugaben, wobei alle Akkordeonspieler mit „A Baca Baca“ und schließlich alle Musiker „Asa Branca“, dem laut Haanen „drittbekanntesten brasilianischen Lied“, den Abend beschlossen.

Ein Hinweis für Freunde des Handzuginstruments: Das vierte Akkordeon Festival Marburg findet vom 12. bis 14. September 2014 statt. Es bietet nicht nur Konzerte, sondern auch Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Anmeldungen sind unter www. musikschule-marburg.de möglich.

von Manfred Schubert

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