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„Es muss nicht immer korrespondieren“

Galerie Schmalfuß „Es muss nicht immer korrespondieren“

Ein Bildhauer, den es von New York zurück nach Schwaben zog, und ein Berliner Maler mit „Schweine-Atelier“ auf dem Land: Die Galerie Schmalfuß zeigt zwei ­besondere Meister ihres Fachs.

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Zwei Besucher der Doppelausstellung in der Galerie Schmalfuß betrachten die Skulptur „Abigall“ von Simon Mühlhäußer.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Anfangs habe er gedacht, abstrakte Arbeiten wären ihm als Gegenstücke in der gemeinsamen Ausstellung lieber gewesen, gesteht Roland Deleau. Aber dann hat er festgestellt, welch interessante Spannung durch die Skulpturen von Peter Simon Mühlhäußer erzeugt wird. Fazit: „Es muss nicht immer korrespondieren“. Deleaus Bilder – großformatig und farbintensiv – dominieren die Wände, Mühlhäußers Skulpturen – menschlich, allzu menschlich – den Raum.

Deleau zählt zu den Stammkünstlern der Galerie Schmalfuß in Marburg und hat 2002 zum ersten Mal hier ausgestellt. Die Bilder, die in der aktuellen Ausstellung zu sehen sind, stammen aus den Jahren 2014 bis 2017. Landschaften sind ebenso dabei wie Gemälde mit historischen Bezügen und Porträts von Leonard Cohen oder Mick Jagger. Deleau arbeitet dabei mit Acryl auf Leinwand, aber auch auf Baumwolle oder Nessel. Der ehemalige Meisterschüler von Baselitz und Lüpertz lebt in Berlin, hat aber auch ein „Schweine-Atelier“, eine ehemalige Stallung in Mecklenburg-Vorpommern.

Skulpturen von beeindruckender Intensität

Seine Bilder haben eine besondere Tiefe und erzählen immer eine Geschichte, so Galerist Michael Schmalfuß. Er stellte Roland Deleau die Frage, was ein Bild, ein Motiv für ihn denn „bildwürdig“ mache? „Ihr macht das“, lautete die Antwort. Ursprünglich habe er wenig gegenständlich gemalt, erzählt der Künstler. Was sich daraus entwickelt hat, ist für Michael Schmalfuß ein „unglaublich spannendes Oeuvre“.

Mit Peter Simon Mühlhäußer ist ein Künstler zu Gast in Marburg, der laut Schmalfuß eine Perfektion an den Tag und in seine Werke legt, die man einem viel älteren Künstler zutraue. In der Tat sind die Skulpturen des 34-Jährigen von beeindruckender Intensität. „Das ist unglaublich, was für eine Präsenz die haben“, sagte eine Besucherin der Vernissage. „Zola“ schaut kauernd auf einem Schaukelstuhl zu den Besuchern auf, „Elana“ überblickt die Ausstellung von einer Art Hochstuhl aus und fungiert für Peter Simon Mühlhäußer als eine Art Beschützerin.

Einflüsse aus der Heimat

Wenn Mühlhäußer von einer­ Kommunikation mit seinen ­Figuren während des Entstehungsprozesses spricht, dann kann man das vollkommen nachvollziehen. Auch mit dem Betrachter scheinen sie in Kontakt zu treten. Sie seien nicht nach konkreten Vorbildern gefertigt, sondern es kommen in einer Figur viele „Strömungen“ zusammen, die auf sein Hirn einwirken und sich dann formen, wie er es ausdrückt. Mühlhäußer hat zunächst das Handwerk eines Bildhauers gelernt und während einige seiner Figuren ganz klassisch aus Bronze gefertigt sind, arbeitet er bei anderen mit modernem PU-Schaum.

„Abigall“, die farbige Frau, die Einflüsse aus seiner Zeit in New York spiegelt, steht auf einem Block aus Kohle, der wiederum eine Reminiszenz an seine Heimat ist. Mühlhäußer hat in New York studiert, wurde dort direkt vom Schüler zum Dozenten – und kehrte dann mit „Umweg“ über Berlin mit seiner Frau in seine schwäbische Heimat zurück. Sie wollten eine Familie gründen und das nicht in Amerika, sagen die beiden.

Mühlhäußers Skulpturen und Deleaus Bilder ergeben eine spannungsgeladene Ausstellung, die das Prädikat „sehenswert“ mehr als verdient.

  • Die Ausstellung in der Galerie Schmalfuß, Steinweg 33, ist bis zum 11. November zu sehen, geöffnet Donnerstag und Freitag von 10.30 bis 13 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr.

von Nadja Schwarzwäller

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