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Gänsehaut auch ohne Geister und Zombies

OP-Buchtipp: Stephen King: „Finderlohn“ Gänsehaut auch ohne Geister und Zombies

Kann eine Geschichte so in ihren Bann ziehen, dass Leser dafür töten würden? Im Thriller „Finderlohn“ erzählt Stephen King von der Macht der Worte – auf sehr blutige Weise.

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Der US-Bestsellerautor Stephen King setzt mit seinem neuen Thriller wieder auf eine Katz-und-Maus-Jagd.

Quelle: Maja Hitij, Heyne-Verlag

„Aufwachen, Sie Genie.“ John Rothstein wird mitten in der Nacht unsanft von drei Männern in bunten Sturmhauben geweckt. Der berühmte Schriftsteller lebt allein und zurückgezogen, er ist den Räubern ausgeliefert.

Um das Geld in seinem Tresor macht er sich wenig Sorgen. Wesentlich wert­voller sind seine Notizbücher, die dort schlummern. Doch Rothstein muss es nicht lange kümmern. Der Mann mit der gelben Maske schießt ihm in den Kopf, bevor er mit den unersetzlichen Schriftstücken flieht.

Im neuen Thriller „Finderlohn“ von Stephen King (67) geht es um die gewaltige Macht von Geschichten. Es geht um Leser, die so fanatisch sind, dass sie für Bücher töten – und sterben – würden. Wie Morris Bellamy, der Mann mit der gelben Sturmhaube. Er verehrt die berühmte Roman-Trilogie von John Rothstein. Er liebt die Geschichten über seinen Helden Jimmy Gold, identifiziert sich mit der Figur. Nur gefällt ihm das Ende der Trilogie überhaupt nicht. Und sein Lieblingsautor Rothstein hat seit Jahrzehnten nichts mehr veröffentlicht.

Qualvolle Jahrzehnte hinter Gittern

Bellamy will sich damit nicht zufrieden geben. Bei einem Raubüberfall stiehlt er die Notizbücher und erschießt den Autor in einem Anfall aus Wut. Seine beiden Komplizen bringt er gleich mit um, um Spuren zu beseitigen. Er vergräbt das Geld mitsamt dem literarischen Schatz an einem Bach hinter seinem Haus in der Synca­more Street.

Dummerweise kann er nicht einmal einen Blick in die Notizbücher werfen, weil er für ein anderes Verbrechen ins Gefängnis wandert. Er verge­waltigte nämlich volltrunken eine Frau. Die qualvollen 35 Jahre im Knast übersteht Bellamy nur mit der Vorfreude auf die vergrabenen Geschichten hinter seinem Haus.  Nur wohnt da mittlerweile die Familie Saubers. Der junge Pete findet den versteckten Koffer. Er nutzt das gestohlene Geld, um heimlich seine Not leidende Familie zu unterstützen.

Als Bellamy aus dem Gefängnis kommt, will Pete Saubers gerade die unveröffentlichten Schriftstücke zu Geld machen. Der Psychopath geht auf der Suche nach den Büchern über Leichen. Er kommt dem Schüler auf die Schliche. Auf einmal stecken die Protagonisten in einer rasanten Hetzjagd aus Erpressung, Gewalt und Mord.

Handlung knüpft an Mercedes-Massaker an

Stephen King gilt eigentlich als „Meister des Horrors“. Seine Gruselgeschichten „Es“ und „Friedhof der Kuscheltiere“ verkauften sich millionenfach. Mit „Finderlohn“ bleibt er auf der Krimi-Schiene. Das Buch schließt an den Detektiv-Roman „Mr. Mercedes“ an. Bei der Katz-und-Maus-Jagd mischt auch das Ermittler-Trio aus dem ersten Teil wieder mit: Der pensionierte Cop Bill Hodges, die emotional instabile Holly Gibney und der Student Jerome Robinson.

Zwar muss man „Mr. Mercedes“ nicht unbedingt lesen, um „Finderlohn“ zu verstehen, aber es lohnt sich. Die dichte Handlung knüpft immer wieder an die Geschehnisse rund um das Mercedes-Massaker an. Das Trio machte im ersten Teil Jagd auf Brady Hartsfield, der mit einer Limousine durch eine Menge wartender Arbeitsloser vor einer Jobmesse pflügte und dabei acht Menschen tötete. Nun helfen die Privatermittler im Kampf
gegen den Buch-Besessenen.

King erzählt nicht nur aus der Warte des Cops, sondern denkt sich in rund ein halbes Dutzend vielschichtige Charaktere hinein. Auch ohne Zombie-Haustiere und mörderische Geister ist Gänsehaut bis zum Schluss garantiert. Fazit: „Finderlohn“ ist kein Buch, für dass man töten oder sterben muss. Aber das Lesen lohnt allemal.

  • Stephen King: „Finderlohn“, Heyne-Verlag, 544 Seiten, 22,99 Euro

von Nico Pointner

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