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„Für jeden Film eigene Kamerasprache“

Marburger Kamerapreis „Für jeden Film eigene Kamerasprache“

Festlicher geht es in Marburg kaum: In der sehr gut besuchten Aula der Alten Universität wurde Jürgen Jürges am Samstag mit dem Marburger Kamerapreis 2016 ausgezeichnet.

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Unipräsidentin Professorin Katharina Krause (links) und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach übergaben den Marburger Kamerapreis an Jürgen Jürges. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Mehr als 100 Filme hat der 1940 in Hannover geborene Kameramann Jürgen Jürges in seiner langen Karriere gemacht, zahlreiche Preise hat er dafür erhalten: Am Samstag ist zu seinen Deutschen Filmpreisen und seinen Deutschen Kamerapreisen noch ein recht junger, in der Filmbranche dennoch begehrter Preis hinzugekommen: der mit 5000 Euro dotierte Marburger Kamerapreis, der gemeinsam mit der Philipps-Universität und der Stadt Marburg vergeben wird. Jürgen Jürges ist der mittlerweile 16. Preisträger seit 2001.

Jürges sagte in seiner Dankesrede, der Preis und die damit verbundenen Bild-Kunst-Kameragespräche seien „ein wunderbarer Anlass, sich mit der eigenen filmischen Arbeit auseinanderzusetzen“. Damit hätte er viel zu tun: Zwar sagt der Name Jürgen Jürges nur Cineasten und Branchenkennern etwas, doch hat der Kameramann seit fast 50 Jahren den deutschen Film geprägt wie kaum ein Zweiter. Er hat mit berühmten Regisseuren zusammengearbeitet - mit Rainer Werner Fassbinder, mit Oscar-Preisträger Michael Haneke, mit Wim Wenders, mit Oscarpreisträger Florian Gallenberger, dessen preisgekrönten Kurzfilm „Quiero ser“ Jürges fotografierte. Daneben hat er immer wieder junge Talente unterstützt.

Verleihung Kamerapreis an Jürgen Jürges. Foto: Nadine Weigel

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Bei den Bild-Kunst-Kameragesprächen hat er einen Blick in die eigene Vergangenheit geworfen, etwa beim Betrachten des Schwarz-Weiß-Films „Eisenhans“ oder des Fassbinder-Films „Angst essen Seele auf“. Mit Blick auf die heutige Filmlandschaft stellt Jürges fest: „Ich wünsche mir ein Umdenken, mehr Risikobereitschaft, weniger Einflussnahme von Fernsehredaktionen und Produktionsgesellschaften, weniger vorauseilenden Gehorsam und mehr Freiraum für Kreativität.“

Zuvor hatte der Regisseur Wolfgang Becker („Good Bye, Lenin!“), der mit Jürges zuletzt den Film „Ich und Kaminski“ gedreht hatte, den Kameramann in seiner Laudatio gewürdigt: „Du hast diesen Preis verdient. Bitte sieh es mir nach, dass ich ein wenig neidisch bin auf die Anzahl deiner Filme.“

„Sollte ein Kameramann eine eigene Handschrift haben wie ein unscharfes Bild von Gerhard Richter oder ein Gitarrenriff von Keith Richard?“, fragte Becker, um festzustellen: Jürgen Jürges sei „der Kameramann ohne eigene Handschrift, aber jeder Film trägt seine Handschrift“.

Wie das? Filme machen sei ein „Mannschaftssport“, sagte Becker, und der Gestaltungswille von Jürgen Jürges sei frei von Profilierungssucht. Anders ausgedrückt: Jürges stellt seine filmische Arbeit in den Dienst der Geschichte, findet „für jeden Film eine eigene Kamerasprache“.

Zuvor hatten Unipräsidentin Professorin Katharina Krause und Marburgs Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach das Werk des Preisträgers gewürdigt.

"Beeindruckend breit gefächerte Werke"

„Wir ehren einen herausragenden Kameramann, der in den vergangenen Jahren viele unvergessene Szenen eingefangen hat“, sagte Krause. Die Marburger Kameragespräche machten die Arbeit der Kameraleute sichtbar. Mit Blick auf das Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität sagte sie, Bildungseinrichtungen seien aufgerufen, sich mit der zunehmenden Visualität unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen. Dr. Kerstin Weinbach würdigte das „beeindruckend breit gefächerte Werk“ von Jürgen Jürges: „In Ihrem Werk leuchtet ein halbes Jahrhundert Kinogeschichte auf.“ Weinbach verwies auf ein Positionspapier des Städtetages, in dem Stadtpolitik als Kulturpolitik begriffen werde.Marburgs „besonderer kultureller Raum“ sei auch durch die Kinolandschaft geprägt. Sie hob besonders die Arbeit der beiden Kinofamilien Closmann und Hetsch hervor, die seit vielen Jahren mit Kinopreisen gewürdigt wird.

Gekonnt musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von der Marburger Band Jazzrobots.

Die Marburger Kameragespräche und der Marburger Kamerapreis wurden von dem Medienwissenschaftler Professor Karl Prümm initiiert, der nach wie vor der Preis-Jury angehört. Fortgesetzt wird Prümms Arbeit von seinem Marburger Kollegen Professor Malte Hagener, der die Preisvergabe mit einer Studierendengruppe organisiert.

von Uwe Badouin

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