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Fünf Preise für fünf Autoren

Syndikat verleiht Krimipreise Fünf Preise für fünf Autoren

Zum Abschluss der Criminale in Marburg hat die Autorengruppe „Syndi­kat“ am Samstagabend im Cineplex ihre begehrten Krimipreise verliehen.

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Die Preisträger: Jeannette Hammerschmidt (von links) nahm den Hansjörg-Martin-Preis für Ursula Poznanski entgegen. Den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Roman erhielt Michael Böhm, Benjamin Cors wurde für sein Debüt ausgezeichnet, Jürgen Kehrer erhielt den Ehrenglauser und Iris Leister den Preis für die beste Kurzgeschichte.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Bei der Preisverleihungsgala wurden Michael Böhm (Roman), Benjamin Cors (Debüt), Iris Leister (Kurzgeschichte) sowie Ursula Poznanski (Kinder- und Jugend­krimi) ausgezeichnet. Jürgen Kehrer stand als Träger des
Ehrenpreises bereits fest.

In der Königsdisziplin ging der mit 5 000 Euro dotierte Friedrich-Glauser-Preis an den Schriftsteller Michael Böhm und seinen Roman „Herr Petermann und das Triptychon des Todes“. Er ist neben dem Deutschen Krimipreis eine der wichtigsten und höchstdotierten Auszeichnungen für deutschsprachige Kriminal-Literatur. Für die Autoren ist er noch wichtiger, denn er wird von Kolleginnen und Kollegen vergeben. Böhm verwies in seiner kurzen Dankesrede auf den Welttag des Buches, der am Samstag begangen wurde: „Das Buch ist eine bedrohte Art“, sagte er. „Stirbt das Buch, stirbt unsere Kultur. Lasst uns das Buch retten.“

Ehrenglauser würdigt Regionalkrimi

Benjamin Cors erhielt die Auszeichnung für das beste Debüt „Strandgut“. In der Kategorie „Bester Kurzkrimi“ konnte die Autorin Iris Leister die Jury mit ihrer Story „Der Hias“ überzeugen (erschienen in der Anthologie „Boandlkramer und andere Kriminalgeschichten aus dem Bayerischen Wald“). Der beste Kinder- und Jugendkrimi wird alljährlich mit dem Hansjörg-Martin-Preis geehrt – er ging diesmal an Ursula Poznanski, die für ihren Roman „Layers“ ausgezeichnet wurde. Da Ursula Poznanski verhindert war, wurde der Preis von Jeannette Hammerschmidt vom Loewe-Verlag entgegengenommen.

Der Ehrenglauser geht an Jürgen Kehrer. Der Preis würdigt sein Engagement für die deutschsprachige Kriminalliteratur und sein bisheriges literarisches Gesamtwerk im Bereich der Kriminalliteratur. Gleich mit seinem 1990 erschienenen ersten Kriminalroman, „Und die Toten lässt man ruhen“ sei es Jürgen Kehrer gelungen, den Regionalkrimi neu zu definieren. Mit Georg Wilsberg habe er einen Protagonisten geschaffen, der die üblichen Unbilden der menschlichen Existenz und des Verbrechens zu bewältigen hat, dies jedoch auf eine Weise tue, wie sie so wohl nur in Münster möglich sei, heißt es in der Begründung der Jury.

„Ich danke der Jury, ihr habt die richtige Wahl getroffen“, witzelte Kehrer (Foto: Uwe Badouin) und ließ in seiner Dankesrede seinen Helden Wilsberg sprechen, der ihm „die Miete zahlt“. Das „Weichei“ Kehrer solle nicht dauernd so weinerlich sein, schließlich sei der Ehrenglauser ein Preis von Kollegen, was könne ihm schon Besseres passieren.

Preisverleihung vor 250 Gästen

Vergeben wurden die Preise in festlichem Rahmen vor mehr als 250 Gästen im Cineplex. Mit viel Witz führte Verleger und Autor Ralf Kramp durch das Programm. Wie viele andere Autoren war er voll des Lobes über den Landkreis Marburg-Biedenkopf, in dem auch die in seinem KBV-Verlag erschienene Criminale-Anthologie „SoKo Marburg Biedenkopf“ spielt. Es sei eine „wunderschöne Region“ mit „Fachwerk, wo man geht und steht“. Er habe noch nie so viele Treppen, Fahrstühle und Stolperfallen erlebt wie in Marburg.

Vorbeugend betonte er, die Krimiautoren hätten mit dem Diebstahl der blauen Kugel am Haus der Romantik „nichts zu tun“. „Stimmt doch, oder?“, fragte er in die Runde. Die Kugel ist in der Nacht zum Freitag gestohlen worden.
Alle Nominierten und ihre Krimis wurden in der zweieinhalbstündigen Veranstaltung in Bild und Ton auf der großen Kinoleinwand vorgestellt. „Tatort“-Star Joe Bausch – er ist der Pathologe im Kölner „Tatort“ – las eindrucksvoll Passagen aus den preisgekrönten Texten.

Musikalisch umrahmt wurde die Gala von dem Dudelsackspieler „Quest“ aus Amönau und der Saxofonistin Kathi Monta.

Syndikat zieht positive Bilanz der Criminale

Angela Eßer und Elke Pistor, die Organisatorinnen der Jubiläums-Criminale in Marburg, strahlten am Samstagabend im Cineplex um die Wette. Die Mitglieder des Syndikats, der vor 30 Jahren gegründeten Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur, waren äußerst angetan von ihren Gastgebern im Landkreis Marburg-Biedenkopf und in der Stadt Marburg.

„Die Criminale ist super gelaufen, es war perfekt“, freute sich Angela Eßer. Rund 2 000 Besucherinnen und Besucher zählen die Organisatoren bei den Veranstaltungen. „Fast alle Lesungen waren ausverkauft“, sagte Angela Eßer. Selbst die Fachvorträge, die es in dieser Form zum zweiten Mal bei einer Criminale gegeben 
habe und die eigentlich für die Autoren gedacht seien, seien zu 50 Prozent von interessierten Zuhörern aus der Region besucht worden. Der Besuch sei deutlich besser gewesen als bei der vorhergehenden Criminale in Büsum. Auch Elke Pistor zeigte sich sehr zufrieden. „Wir hatten einen sehr guten Zuspruch, eine tolle Resonanz.“ Auch die Berichterstattung über das Festival sei hervorragend gewesen. 

An der 30. Jubiläums-Criminale nahmen mehr als 200 Autoren teil. Hinzu kamen rund 50 „Amigos“ – das sind Verleger, Krimi-Blogger und andere Unterstützer des Syndikats. Dem Syndikat gehören 750 deutschsprachige Krimi-Autorinnen und Autoren an.

Die 31. Crimi­nale findet 2017 im österreichi­schen Graz statt.

von Uwe Badouin

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