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Fünf Frauen singen von der Liebe

Dresdner Salon-Damen Fünf Frauen singen von der Liebe

„Ich würd‘ sie alle heiraten“, flüstert ein Mann im Publikum seiner Sitznachbarin zu. Die kichert leise.

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Karolina Petrova singt voller Elan ins stilechte Mikrofon.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. „Jeder dreht sich nach mir um, und ich weiß genau warum“, singt 
Karolina Petrova. „Weil ich so verliebt bin.“ Im Gegensatz zu den Marburgern. Denn als die Dresdner Salon-Dame die Besucher im Erwin-Piscator-Haus fragt, wer aktuell verliebt ist, melden sich im ausverkauften Konzert nur drei Leute. Trotzdem besingen die fünf Musikerinnen den ganzen Abend die Liebe, die enttäuschte, die glückliche und die hoffnungsvolle.

Seit 19 Jahren treten die Dresdner Salon-Damen gemeinsam auf, nachdem sie sich als Konfirmandinnen kennengelernt hatten und beschlossen, die Bühnen der Welt mit Liedern aus den 20er- bis 40er-Jahren zu erobern. Im Laufe der Zeit haben sie sich gut kennengelernt und mussten feststellen, dass sie eine Gemeinsamkeit haben, erklärt Petrova: „Wir haben denselben Männergeschmack.“

Stierkämpfer fing reihenweise Frauen ein

Das sei ihnen schon öfters zum Verhängnis geworden. Die blonde Sängerin schirmt ihre 
Augen mit den Handflächen ab. „Ich schau mal, ob das heute Abend ein Problem wird – meine Güte!“, ruft sie den Marburger Männern zu.

Deswegen habe sie irgendwann mit den Mädels vereinbart, dass sie sich auf die Männer im Ausland konzentriert. So habe sie Eduardo kennengelernt und mit nach Dresden genommen. Leider seien im roten 
Tuch des ehemaligen Stierkämpfers dann vor allem Frauen gelandet. „Eduardo, pack deine Utensilien, fahr zurück zu dir nach Spanien“, singt sie ihrem Verflossenen hinterher.

Arrangiert hat die Stücke Pianistin Silke Krause. Beim Spielen wippen die schwarzen 
 Federn an ihrem Hutschmuck. Alle Salon-Damen tragen samtrote Kleider bis zum Boden. Im nächsten Lied fragt sich Klarinettistin Cécile Pfeiff, die jetzt am Mikrophon steht, warum die Männer so viel Liebe brauchen, dass sie wie eine Biene von einer Blume zur nächsten fliegen.

Bei „Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt“, spielt sie hingegen Saxophon, langsam, fast lethargisch. Die erste 
Violine Franziska Graefe hat ihr Streichinstrument beiseitegelegt und gegen einen Frosch eingetauscht. Mit einem Holzklöppel streicht sie über seinen gezackten Rücken und haut ihm zweimal auf den Kopf.

Bekannte Lieder mit eigenem Salon-Damen-Charme

„Stellen Sie sich vor, Sie sitzen zu zweit am Strand, die Sonne geht gerade unter, der Rotwein ist schon ausgetrunken“, wendet sich Sängerin Petrova an die Zuschauer. „Was jetzt noch fehlt zur absoluten Vollendung, ist ein Blockflötenchor“, erklärt sie und zückt mit ihren Mitspielerinnen schwarz-weiße Flöten.

Sie spielen ein paar Takte der Melodie von „Wenn in Capri die rote Sonne im Meer versinkt“, bevor jede wieder zu ihrem 
Instrument greift. „Jetzt die Capri-Fischer-Chöre“, ruft Petrova dem Publikum zu. „Bella, Bella, Bella Marie, vergiss mich nie“, erklingt es aus den Zuschauerreihen.

Jedem Lied hauchen die Dresdner Salon-Damen ihren 
Charme ein, malen den Zuhörern die Sterne an den Himmel oder den Wald am Wochenend‘ bei Sonnenschein. Sie 
laden zum Träumen ein und dazu, sich ganz der Romantik hinzugeben. Ihre Instrumente 
wechseln sie beständig, aber 
immer ganz in der Rolle: Während Beate Hofmann ihren Kontrabass mitten im Lied nach hinten bringt, tänzelt sie zum Tangorhythmus zu ihrem Cello.

„Ein jeder Goldfisch im Glas macht es“, singt Petrova mit warmer Stimme und voller Leichtigkeit. „Ein Betriebsausflug im Gras macht es. Spaß macht es! Sei mal verliebt!“

von Freya Altmüller

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