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„Fülle des Wohllauts“ im Vordergrund

Kammermusik „Fülle des Wohllauts“ im Vordergrund

Mit einem Wohlfühlprogramm hat der Marburger Konzertverein am Samstag Abschied genommen von der Stadthalle. Während des Umbaus wird er zwei Spielzeiten im Audimax zu Gast sein.

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Konzertmeister Gunnar Harms (links) spielte mit seinem Mendelssohn Kammerorchester Leipzig in der Stadthalle in Marburg.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Das im Jahre 2000 gegründete Mendelssohn Kammerorchester Leipzig bot den 600 Zuhörern bei seinem ersten Konzertverein-Gastspiel ein Programm, das ganz bestimmt war von der „Fülle des Wohllauts“, wie Thomas Mann ein Kapitel seines Romans „Der Zauberberg“ überschrieben hat.

Die 13 Streicher eröffneten die beiden Programmhälften mit Werken ihres Namensgebers, die dieser mit zwölf Jahren komponiert hat. So eindringlich und liebevoll ausgeleuchtet, wie das Ensemble die Nummern 2 und 6 der zwölf Streichersinfonien musizierte, wurde deutlich: Da kündigt sich mit Macht ein Genie an.

Auf welchen Vorbildern Felix Mendelssohn Bartholdy in seinen Jugendsinfonien aufgebaut und sich gleichzeitig von ihnen emanzipiert hat, zeigte das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig an Meisterwerken des Barock, die es so musizierte, wie sie seinerzeit auch unter der Leitung Mendelssohns, des bedeutendsten aller Gewandhauskapellmeister, erklungen sein könnten: ohne die manchmal harschen Klänge der heutzutage vorherrschenden Originalklangbewegung, sondern vorausblickend auf die Romantik.

Betörende, ja opulente Klangschönheit bei gleichzeitig schlanker Tongebung - das bestimmte die Wiedergabe von Georg Friedrich Händels letztem der zwölf Concerti grossi op. 6, in dem Konzertmeister Gunnar Harms, der Stimmführer der zweiten Geigen Tristan Thery und Cellist Gregor Nowak als solistisches Concertino brillierten.

In vollkommenem Einklang musizierte das um eine Cembalistin gruppierte Streichorchester auch mit Pavel Kondakov, der mit müheloser Virtuosität und warmem Gesangston die Soloparts im d-Moll-Oboenkonzert von Georg Philipp Telemann und im A-Dur-Konzert für Oboe d‘amore („Liebesoboe“) und Orchester von Johann Sebastian Bach spielte.

Höhepunkt im Saisonabschlusskonzert des Konzertvereins war jedoch das letzte Werk: Bachs d-Moll-Doppelkonzert für zwei Violinen und Orchester. Harms und Thery harmonierten ideal nicht nur im abgeklärten, weitausschwingenden Kanon des Largo-Mittelsatzes, der zwischen ruhiger Gelassenheit und geradezu hymnischer Verdichtung pendelt, sondern auch im stürmisch dahinjagenden Final-Allegro.

Konzertverein-Vorsitzender:„Halten Sie uns die Treue“

Das letzte Wort hatte der Vorsitzende des Konzertvereins. Er wies das Publikum auf den Umzug ins Audimax hin, der wegen des voraussichtlich zwei Jahre dauernden Umbaus der Stadthalle notwendig wird. „Halten Sie uns die Treue“ bat Dr. Friedemann Nassauer.

Argumente, dem Konzertverein treu zu bleiben, gibt es mehrere: Zuallererst das außerordentlich attraktive Programm der kommenden Saison, die am Sonntag, 20. Oktober, von der Rheinischen Philharmonie Koblenz und dem Meistergeiger Kolja Blacher mit einem Brahms-Schumann-Programm eröffnet wird.

Dann die hervorragende Konzertsaalakustik im Audimax, die mindestens genauso gut ist wie in der jetzigen Stadthalle. Und nicht zuletzt brauchen auch gehbehinderte Besucher die Ausweichstätte nicht zu scheuen, denn im Hörsaalgebäude gibt es, anders als in der Stadthalle, einen Aufzug.

von Michael Arndt

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