Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Freundschaft statt Hass

Doku von Michael Wulfes Freundschaft statt Hass

Den Dokumentarfilmer Michael Wulfes zieht es aus München immer wieder mal in seine Heimatstadt Marburg. Am Dienstagabend stellte er im Cineplex seine Doku „Je t‘aime heißt: Ich liebe dich“ vor.

Voriger Artikel
Ermitteln bis die Fetzen fliegen
Nächster Artikel
Weltherrschaft der Dreikäsehochs?

Thomas und Michael Wulfes (von links), Dorothee Thielmann, Petra Barth, Gernot und Marie-France Schumann freuen sich im Cineplex auf den Dokumentarfilm.Foto: Uwe Badouin

Marburg. Das Interesse war groß: 160 Besucher kamen ins Cineplex, um sich eine im Grunde ganz normale TV-Doku über die Anfänge des deutsch-französischen Jugendwerks anzusehen.

Das Besondere aus Marburger Sicht: Der 64-jährige Filmemacher Michael Wulfes ist ein alter Marburger und hat der Stadt mit seiner liebenswerten angereicherten Doku „Der Tag, an dem die Beatles (beinah) nach Marburg kamen“ ein werbewirksames und sympathisches Denkmal gesetzt.

Auch diesmal hat sich Wulfes an seine Heimatstadt erinnert, als er die Idee zu der vom Hessischen Rundfunk und Arte finanzierten Dokumentation „Je t‘aime heißt: Ich liebe dich“ entwickelte. Vor 50 Jahren wurde der deutsch-französische Freundschaftsvertrag, bekannt als Elysee-Vertrag, geschlossen. Die beiden Nachbarländer wollten nach den vielen Kriegen mit Millionen Toten weitere kriegerische Auseinandersetzungen verhindern. Ein Mittel dazu war der Jugendaustausch, der am 5. Juli 1963 vertraglich geregelt wurde. Die Jugend sollte die andere Kultur kennen lernen.

Wulfes war in dieser Zeit ein Teenager und er hat sich an die vielen Franzosen erinnert, die plötzlich Marburg besuchten. So hat er sich - auch mit etwas Hilfe der OP - auf die Suche gemacht nach Menschen, die sich an diese Zeit erinnerten, die in den 1960er und frühen 1970er Jahren französische Schüler zu Gast hatten und Frankreich besucht haben.

Wulfes erzählt die Austausch-Geschichten von Menschen aus dem Landkreis und ihren französischen Freunden - etwa von Wolfgang Budde aus Kirchhain, der für den Film eigens seinen französischen Freund in Paris besucht hat, von Henry Höbener und Elke Kahler aus Amönau, von der Marburger Französischlehrerin Inge Rein-Sprengenberg und von Gernot Schumann, der im damals legendären Marburger Club E Marie-France kennen gelernt hat, mit der er jetzt seit 41 Jahren verheiratet ist. Wulfes hat die Spuren dieser Jugendkontakte auch nach Frankreich verfolgt, hat in Avignon, in Paris und in Thouars gedreht, die Bilder aus der Gegenwart angereichert mit schönen, wackeligen Privatfilmen aus den 60ern.

Herausgekommen ist ein Film über eine Jugend, die in den Wirtschaftswunderjahren Neues kennen lernen, den Krieg hinter sich lassen wollte. So sind die Annäherungen der Jugendlichen in den Erinnerungen der heutigen Erwachsenen geprägt von Neugier und einer sympathischen Naivität.

Doch weist Wulfes in den 52-minütigen Film auch immer wieder geschickt auf die politische Dimension dieses Austausches hin, der vor dem Hintergrund der nur eine Generation zurückliegenden Tragödie des Zweiten Weltkriegs mit dem Schrecken des Nazi-Terrors einer der Pfeiler für die heutige deutsch-französische Freundschaft werden sollte.

Wulfes selbst freute sich vor allem auf das „Biotop“ Marburg: „Ich bin einfach hingerissen von der Stadt“, sagte er nach einem Bummel durch sein „altes“ Südviertel. „Die Menschen liegen am Friedrichsplatz auf dem Rasen oder spielen Federball. Meine Mutter hätte in den 60ern bestimmt das Fenster geöffnet und die Leute vom Rasen gescheucht.“

Der Film läuft am Freitag, 5. Juli, um 18.15 Uhr auf Arte.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr