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Frechheit siegt

Jan Böhmermann Frechheit siegt

Jan Böhmermann ist als Komiker, Satiriker, Moderator, Journalist und Autor deutschlandweit bekannt. Seit Wochen war sein Auftritt im KFZ ausverkauft. Auch die Warteschlange vor dem Einlass wuchs schnell bis zur Straße Am Grün zusammen. Es hatte sich gelohnt.

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„Marburg ist Gießen für Anspruchsvolle“ – Jan Böhmermann unterhielt mit seinem Humor als „Tanz auf der Rassierklinge“. Stefan (kleines Bild) aus dem Publikum freute sich über eine Dose „Glump“.Foto: Mareike Bader

Marburg. „Ich hab 15 Minuten vorbereitet, der Rest liegt an Euch“, kündigte Jan Böhmermann gleich zu Beginn an. Am Ende ging Böhmermann nach zweieinhalb Stunden und einem „Glump“ weniger von der Bühne. Obwohl im Einspieler zu Beginn des Abends William Cohn, Böhmermanns Sidekick beim „Neo Magazin“, das Publikum aufforderte spontan ins Programm zu rufen, wurde das von keinem genutzt.

Nur Stefan rief plötzlich „Glump“ und fragte, ob er eine Dose dieser von Böhmermann erfundenen Energy-Drink-Persiflage bekomme. Obwohl Böhmermann zuerst ablehnte, sprang er am Ende doch von der Bühne und übergab eine Dose an den Jubelnden. Die verbliebene Bühnendeko wurde vorsorglich in Sicherheit gebracht - zu Recht, denn auch andere Besucher aus dem Publikum hatten Interesse an den rosa Dosen.

Frechheit siegt - diesem Motto folgte auch Jan Böhmermann im KFZ. Hemmungslos schimpfte er wie üblich über den Veranstaltungsort des Vorabends, in diesem Fall Fulda, und auch sein Besuch in Erlangen schien ihm schlecht in Erinnerung geblieben zu sein.

Dafür schmeichelte der gebürtige Bremer dem KFZ-Publikum. Die Leute in Marburg seien einfach toll, auch die 60000, die nicht an der Uni beschäftigt seien. Am Ende lautete sein Fazit zur Universitätsstadt allerdings: „Marburg ist naja, aber die Uni ist alt.“

Jan Böhmermann hatte sich vorbereitet und wusste sich auf sein Publikum einzulassen. „Ich hab das Gefühl heute kann was gehen“, schmunzelte der 33-Jährige ein Zuschauer aus der ersten Reihe sein Bier auf dem Bühnenrand abstellte.

Die auch aus seiner satirischen Late-Night-Show „Neo Magazin“ bekannte Rubrik „Prism is a Dancer“, bei dem er über soziale Netzwerke sein Publikum ausspioniert, zündete in Marburg allerdings wegen mangelnder Ergebnisse nicht wie gewünscht. Sowieso wirkte die Rubrik, ebenso wie die Einspieler, die viele bereits durch seine TV-Sendungen kannten, wie Unterbrechungen.

Videos von Olli Schulz per „Chat-Roulette“ oder der Rückblick auf die 90er Jahre bei der Zugabe waren zwar an sich witzig, aber es war viel schöner Jan Böhmermann live in Aktion zu sehen, wie zu Beginn mit einem Stand-Up à la Harald Schmidt, für dessen Late-Night-Show Böhmermann drei Jahre lang gearbeitet hatte.

Wie in seinen Sendungen saß Jan Böhmermann an einem Tisch und berichtete oder las aus seiner Zeit als Autor und Rundfunkjournalist. Für den hessischen Einschlag des Abends stand neben ihm ein Geripptes, aus dem er seinen Energy-Drink trank.

Immer wieder schweifte Böhmermann vom Thema ab, stichelte gegen Markus Lanz oder Sebastian Edathy, äffte Dieter Nuhr oder Joko Winterscheidt nach, um mit einem „Vvviel Glück“, als Anspielung auf Monica Lierhaus‘ Moderation bei der ARD-Fernsehlotterie, wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen.

Dabei bezog sich Böhmermann immer wieder auf seine Tätigkeit bei der hr3-Morgenshow, auch wenn er damals nur 35 Mal an der Seite der Moderatorin Natalie Putsche zu hören war.

Die Zeit verging wie im Flug. Leider hatten die meisten Zuschauer das KFZ längst verlassen als Jan Böhmermann dann noch zum Büchertisch kam und für Autogramme und Fotos zur Verfügung stand.

von Mareike Bader

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