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120 Schätze: „Es lebe die Malerei!“

Frankfurter Städel-Museum 120 Schätze: „Es lebe die Malerei!“

Im Frankfurter Städel-­Museum begegnen sich Henri Matisse und 
Pierre Bonnard. Das 
„Ausstellungs-Highlight des Jahres“ ist bis zum 
14. Januar zu sehen.

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Die beiden Kuratoren Felix Krämer (links) und Daniel Zamani betrachten das Bild „Stillleben mit ‚Der Tanz‘“ von Henri Matisse. Es ist eine Leihgabe der Eremitage in Sankt Petersburg.

Quelle: Arne Dedert

Frankfurt. Der Aufwand für diese Ausstellung war enorm: Bilder reisten in Klimakisten unter Geleitschutz um den halben Erdball. Es wurde geschraubt und gebohrt, beschriftet und beleuchtet, um die beiden Maler zu präsentieren.

So unterschiedlich ihre Persönlichkeiten waren, so stabil war ihre Freundschaft: Die Maler Henri Matisse und Pierre Bonnard waren fast gleich alt, Jahrgang 1869 der eine, der andere zwei Jahre älter. Sie wählten oft ähnliche Themen: Interieurs, Stillleben, Landschaften und Akte. Beide kehrten Paris den Rücken und zogen an die Cote d‘Azur. Sie trafen und schrieben sich lebenslang und schätzen die Arbeit des jeweils anderen. Aber der eine war ein Salonlöwe und Selbstdarsteller, der andere lebte bescheiden und zurückgezogen.

Im Frankfurter Städel-Museum treffen sie Jahrzehnte nach ihrem Tod nun wieder aufeinander. „Es lebe die Malerei!“ heißt die Ausstellung, die am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und seit gestern für Besucher geöffnet ist. Der ­Titel stammt von einer Postkarte, die Matisse 1925 seinem Freund schickte.

Bevor der Besucher zu den rund 120 Werken gelangt, die Kurator Felix Krämer auf zwei Etagen zusammengetragen hat, läuft er durch zwei Reihen 
von Schwarz-Weiß-Fotografien: rechts Matisse in einer üppig ausgestatteten Villa, links Bonnard vor stockfleckigen weißen Wänden. Die Aufnahmen stammen von dem berühmten Fotografen Henri Cartier-Bresson, der die beiden 1944 in Nizza und Cannes besucht und bei der Arbeit und im Alltag abgelichtet hatte.

Räumlichkeit verschwindet beinahe

Bonnard sah in Matisse „einen von allen überkommenen ästhetischen Konventionen befreiten Geist“. Matisse schrieb an Bonnard: „Ich müsste jemanden sehen, und Sie sind es, den ich sehen möchte.“ „Der Dialog zwischen den beiden war sehr eng. In der Ausstellung wollen wir diesen Künstlerdialog nachvollziehbar machen“, sagt Kurator Krämer. Die Kunstgeschichte rechne Bonnard (1867-1947) gern dem späten Impressionismus und damit dem 19. Jahrhundert, Matisse (1869-1954) als Vorboten des Expressionismus aber schon dem 20. Jahrhundert zu, sagt Krämer, „aber das ist einfach nicht richtig. Ohne Bonnard kein Matisse und ohne Matisse kein Bonnard.“

In der Woche vor der Eröffnung seiner letzten Frankfurter Ausstellung – Krämer wird neuer Generaldirektor am Museum Kunstpalast in Düsseldorf – beaufsichtigte er die Hängung eines der Hauptwerke, Matisses „Stillleben mit ,Der Tanz‘“ von 1909. Es ist in vielerlei Hinsicht typisch, wie Co-Kurator Daniel Zamani erklärt. Matisse zitiert sich zum Beispiel gern selbst: In der linken oberen Ecke des Bildes, das im Zentrum einen Tisch mit Obst und Blumen zeigt, sieht man die untere Hälfte eines heute sehr bekannten Matisse-Werks, „Der Tanz“, das er kurz zuvor gemalt hatte. Typisch ist auch, „wie die Räumlichkeit fast verschwindet“: das Tischtuch, das Bild im Hintergrund, das Fenster daneben sind fast abstrakte Farbflächen.

Mit weißen Handschuhen und Lupe

Heute gehört das Bild der Eremitage in Sankt Petersburg. Drei Tage war es von Russland nach Deutschland unterwegs. Natalia Sepman, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Eremitage, hat den Transport begleitet: Erst mit dem Lastwagen unter Geleitschutz nach Helsinki, dann mit der Fähre nach Travemünde, zuletzt wieder im Lastwagen nach Frankfurt. Das etwa 120 mal 90 Zentimeter große Bild steckte in einer Klimakiste, die Temperaturschwankungen abfedert und Feuchtigkeit abhält.

Nach dem Ausladen musste die Kiste 24 Stunden stehen, bevor sie geöffnet werden durfte. Mit weißen Handschuhen wurde die wertvolle Fracht auf einen Tisch gebettet. Je ein Restaurator des Leihgebers und des Leihnehmers nahmen das Bild unter die Lupe und bestätigten per Unterschrift die Unversehrtheit.
Welches Werk wohin kommt, wird erst mit Magnettäfelchen in einem Modell simuliert. Dann wird Packpapier im Originalformat an die Wand geheftet. Bis das Bild vom Tisch an der Wand hängt, dauert es eine ganze Weile – und das mal 120. Plus tagelangem Transport. Plus jahrelangem Verhandeln um Leihgaben. „Die Logistik hinter einer Ausstellung ist schon ziemlich komplex“, sagt Krämer.

Doch es lohnt sich. Städel-­Direktor Philipp Demandt ist sicher: Die Matisse-Bonnard-Schau wird „unser diesjähriges Ausstellungs-Highlight“.

  • Mehr zu Eintrittskarten, Führungen und ­Öffnungszeiten finden Sie im Internet unter www.staedelmuseum.de

von Sandra Trauner

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