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Fränkischer „Dreggsagg“ will Hessen erobern

Stadtallendorfer Kulturtage Fränkischer „Dreggsagg“ will Hessen erobern

In Bayern ist der fränkische Komiker und Kabarettist Michl Müller längst ein Star der Szene. Nun hat er im östlichen Teil des Landkreises begeistert.

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neuem Fantasy-Gewand

Der Komiker Michl Müller gastierte mit dem Programm „Letzte Ausfahrt“ bei den Stadtallendorfer Kulturtagen.

Quelle: Freya Altmüller

Stadtallendorf. Seit 1997 steht Michl Müller mit Programmen wie „So ­isses halt!“ oder „jetzt erst recht“ und aktuell mit „Ausfahrt freihalten!“ auf der Bühne. Rund 160 Auftritte hat er pro Jahr – darunter sind immer mehr TV-Shows wie „Drei.Zwo.Eins.Michl Müller“ in der ARD.

Inzwischen schickt sich der gelernte Werkzeugmacher an, die Regionen nördlich des Weißwurstäquators zu erobern – mit frechen, bisweilen derben Witzen über alles und jeden: „Am 1. Mai verreckt das Unkraut am besten“, erklärt er am Samstag dem Publikum in der sehr gut gefüllten Stadtallendorfer Stadthalle: Wohl deshalb seien die Nebenerwerbslandwirte auch am Tag der Arbeit unterwegs gewesen. Auch ein mit vier Frauen im Pagenschnitt besetztes Auto habe er gesichtet. Sein Fazit: „Die Religionslehrerinnen sind wieder unterwegs, im Einklang mit der Natur.“

Apropos Natur: Das gute Wetter locke vermehrt „Stockenten“ in den Wald. Gemeint sind Nordic Walker. Die Sportart wirkt sich laut Müller offenbar auf das Sehvermögen aus, denn: „Alles, was in den Weg kommt, wird umgemäht.“ Das könne zum Beispiel Männer über 40 auf dem Rennrad treffen. „Auf dem Rennrad hast du ein Stängle“, erklärt Müller die Vorteile des Sportgeräts. „Da schmiegt sich der Ranzen ums Stängle herum und der Nabel saugt sich fest.“ Treffe so einer unversehens auf eine Gruppe von „Stockenten“, müsse das Rennrad operativ entfernt werden.

Erziehung wie in der Steinzeit

Mit solchen Witzen über Gott und die Welt, Fußball und Vegetarier erobert der selbsternannte „Dreggsagg“ auch das Publikum in Stadtallendorf. Auf dem Weg nach Stadtallendorf sei er fast zu spät gekommen, erklärt er. Ein „dreggstiefergelegter BMW“ habe in seiner Einfahrt geparkt – und das, obwohl er erst vor zwei Wochen ein neues Verbotsschild aufgehängt habe.

„Wozu stellt man die Schilder überhaupt auf, frag ich mich auch jedes Mal, wenn ich mich ins Parkverbot stelle?!“ Egal, wen Müller imitiert, stets schlüpft er gekonnt mit neuer Körperhaltung und anderer Stimme in die Rolle. Er näselt, wenn er von der Kreuzfahrt erzählt, oder von Müttern, die verkünden: „Wir erziehen unser Kind wie in der Steinzeit.“ Da habe es aber weder Kinderwagen noch Windeln gegeben, dafür rieche man den kleinen Attila auf fünf Kilometer gegen den Wind.

Auch als Sänger kommt Michl Müller in der knapp dreistündigen Show verblüffend gut an – im „Protestlied“. „Ich werde nie ein Schmetterling, bin eine Raupe, bin ein Engerling“ oder einem Protest-Reggae über Zwiebelplootz und Federweißer, Grundnahrungsmittel seiner fränkischen Heimat: „Ja, es brodelt ein Vulkan in mir, aber es ist nicht wegen dir.“

von Freya Altmüller

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