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Forscher trifft gefährlichen „Reuber“

Landestheater: „Reise zum Mittelpunkt des Waldes“ Forscher trifft gefährlichen „Reuber“

Ein gefährlicher „Reuber“ steht im Zentrum des 
Kinder-Stücks von Finn-Ole Heinrich. Am Sonntag war Premiere im Theater am Schwanhof.

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Erschöpft liegt der Forscher Michalik (Stefan Piskorz) auf dem Waldboden. Im Theater berichtet er von seiner Begegnung mit dem gefährlichen „Reuber“.

Quelle: Killa Schuetze

Marburg. Der Duft der frisch gezimmerten Sitzbänke liegt in der Luft, als die zahlreich erschienenen kleinen und großen Zuschauer am Sonntagnachmittag im großen angerichteten Oval in der Black Box des Hessischen Landestheaters ihre Plätze einnehmen.

„Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“ aus der Feder von Finn-Ole Heinrich lädt ein zur Spurensuche und zum Erforschen einer ganz anderen Welt: Bereits seit neun Jahren befindet sich der waghalsige Forscher Michalik (Stefan Piskorz) nun auf Entdeckungsreise zum Mittelpunkt des Waldes. Er ist auf der Suche nach dem berüchtigten Reuber, über den allerhand Schreckensgeschichten kursieren. Man sagt, wenn Kinder Angst vor Monstern haben, haben 
Monster Angst vor dem Reuber.

Helles Kindergelächter beim Thema Reuber-Kot

Ganz aufgeregt und mit glänzenden Augen berichtet der Forscher von seinen Erlebnissen auf der Reise. Mutterseelenallein tapst Michalik in der Nacht durch den Wald. Von großem Hunger getrieben, möchte 
er in einen gigantisch großen blauen Pilz beißen, der ihn anlacht. Doch wer hätte es gedacht – der Reuber bewahrt ihn vor diesem großen Fehler, der Giftwulzling hätte ihn das Leben kosten können. Imponiert von der Kühnheit und dem Mut, mit der Michalik ihm gegenüber zu stehen wagt, erlaubt der Reuber ihm, einen Monat lang an seiner Seite zu bleiben.

Schweißgebadet erzählt Michalik von den Abenteuern neben dem gesetzlosen Waldbewohner. Von den stundenlangen Touren durch das wilde Gestrüpp, die ihn mehr Kondition kosten, als er zu bieten hat, von Nachtlagern und dem Feuermachen und von dem Mücken vertreibenden Schnarchen des Reubers. Dabei verfasst der Forscher akribisch Notizen und macht bei seinen Entdeckungen keine Ausnahmen: So erforscht er auch mit Leib und Seele den feinen Reuber-Kot, den dieser sich mit Passion „aus dem Rücken gepresst hat“. Helles Kindergelächter ist ihm bei all seinen Ausführungen sicher.

Überaus gelungene Inszenierung

Die Geschichte des Reubers ist die eines weggesperrten kleinen Jungen mit phänomenalen Kräften, der zu einem Menschen heranwächst, der sich gegen ein Leben entschieden hat, in dem Gefühle einen Platz 
haben. Für den Abenteurer und Forscher Michalik endet die Zeit mit dem Reuber, als er aus einem Fieberwahn erwacht und begreift, was für ihn im Leben Bedeutung hat.

Die überaus gelungene Inszenierung des Regisseurs Marc Wortel wird von einem einfallsreichen Bühnenbild unterstützt. Taue hängen miteinander verknüpft wie grobmaschige Blütenkelche von der Decke und suggerieren Lianen und Gestrüpp. Viele Meter Stoff und Lichtquellen sind geschickt eingesetzt. Die akustische Elemente, von der Musik bis hin zum Getöse und Pfeifen des Waldes, sind perfekt abgestimmt und erlauben es der Fantasie der Zuschauer, ihren ganz eigenen Lauf 
zu nehmen.

Der bei Hamburg geborene Autor Finn-Ole Heinrich studierte bildende Kunst und Film in Hannover und veröffentlichte nach einigen Erzählungen 2007 seinen Debütroman „Räuberhände“, der nicht nur Abiturprüfungsstoff wurde, sondern ebenso am Hamburger Thalia Theater zur Aufführung kam. Es folgten weitere Theaterstücke als auch rein literarische Arbeiten und Kurzfilme.

  • „Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“ ist am Donnerstag, 18. Mai, um 9 und 11 Uhr wieder zu sehen.

von Nigar Ghasimi

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