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Forscher auf den Spuren des Bösen

Lesung Forscher auf den Spuren des Bösen

Eigentlich ist Torkil Damhaug Psychiater. Nun schreibt er Krimis. Eigentlich sollte es dieses Mal ein kurzes Buch werden. Herausgekommen sind 600 Seiten.

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Drei Männer und ein Buch: (von links) Moderator Günter Keil, Autor Torkil Damhaug und Gregor Weber, der das Buch auf Deutsch las.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „A crime novel is nothing but a novel“, sagt Torkil Damhaug - ein Krimi ist nichts anderes als ein Roman. Es geht darum, Personen und ihre Beziehungen zu erforschen. Und in einem Krimi: das Böse. Ob es sich dabei um eine Kraft handelt, die auch außerhalb des Menschen existiert oder ob es ein Teil jedes Menschen ist - darüber diskutiert Damhaug gern. Und beim Schreiben versucht er nachzuvollziehen, was einen Menschen dazu treibt, die natürliche Grenze, einen anderen Menschen zu töten, zu überschreiten.

Das ist harte Arbeit, stellt der Autor bei seiner Lesung im Rahmen des Marburger Krimifestivals klar. Er müsse in den Kopf seiner Figuren hinein und die Welt durch ihre Augen sehen. „The mental part“, also der geistige Teil seines Jobs, der sei der schwierige. Auch wenn der quasi einen direkten Bezug zu seinem früheren Beruf hat. Torkil Damhaug hat als Psychiater gearbeitet und vor acht Jahren beschlossen, nur noch Schriftsteller sein zu wollen. Das sei schon als Jugendlicher sein Traum gewesen. Als er 15 war, wurde ein Gedicht von ihm in einer Anthologie veröffentlicht und später jobbte er unter anderem in einer Brauerei und ging nach Paris, um seinen Traum zu verwirklichen, studierte dann aber doch Medizin.

In seinem Krimi „Feuermann“ geht es nicht - wie so häufig in Thrillern - um einen Serienmörder, sondern um einen Serienbrandstifter. Zum Teil ist die Geschichte, die 2003 nördlich von Oslo beginnt, aus dessen Perspektive geschrieben. Acht Jahre nach dem ersten Handlungsstrang macht sich die Schwester eines jungen Mannes, der damals verschwand, auf die Suche nach ihm. Eine rechtsradikale Gruppe ist der Berührungspunkt zwischen dem verschwundenen Karsten und dem „Feuermann“. Nicht nur die Thematik des „Bösen“, auch gesellschaftliche Fragen können für Torkil Damhaug in einem Kriminalroman erkundet werden.

Bei seiner Lesung im Historischen Saal des Marburger Rathauses wurde der Norweger von Gregor Weber begleitet - selbst Krimiautor und vielen als ehemaliger Tatort-Kommissar aus dem Saarland bekannt. Gerade weil er selbst ebenfalls schreibt und dadurch noch eine andere Perspektive hat, sei für ihn die Freude am Lesen verstärkt, erklärte Weber. Beim Lesen könne er sich außerdem tiefer in den Text fallenlassen als bei der Schauspielerei. Nach seinem Krimi „Feindberührung“, den er 2011 auch schon beim Marburger Krimifestival vorgestellt hat, veröffentlichte Gregor Weber ein Sachbuch, derzeit arbeitet er an einem Roman, bevor der nächste Krimi folgen soll.

Natürlich bekamen die rund 80 Gäste der Lesung auch eine Kostprobe, wie das Buch im Original auf Norwegisch klingt. Torkil Damhaug verstehe aber sehr gut Deutsch, warnte der Moderator des Abends, Günter Keil. Das Publikum müsse vorsichtig sein mit dem, was es sagt. Das Gespräch mit dem Autor wurde dennoch auf Englisch geführt und dann übersetzt. Neben Damhaugs Büchern war auch seine frühere Tätigkeit als Psychiater Thema. Ob er sie vermisse? Die Arbeit mit den Menschen und das gute Gefühl, jemandem helfen zu können - ja, das vermisse er. Die Bürokratie und alles „drumherum“, was der Beruf zunehmend mit sich gebracht habe, hingegen nicht. Aber falls es mit dem Schreiben mal doch nicht mehr klappt, sei es nicht zu spät zurückzukehren, sagte Damhaug.

von Nadja Schwarzwäller

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