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Flüchtlings-Schicksal auf Augenhöhe

„Zuhause ist Krieg“ Flüchtlings-Schicksal auf Augenhöhe

Im kleinen, bekannten Raum des Klassenzimmers erzählt Annette Müller in „Zuhause ist Krieg“ ein Flüchtlingsdrama. Das große Thema wird Schülern ab 8 Jahren ganz nah gebracht.

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Karlheinz Schmitt (links) und Thomas Huth spielen Vater und Sohn, die vor dem Krieg in ihrer Heimat nach Deutschland fliehen.

Quelle: Merit Engelke

Marburg. Mit einem Mal ändert sich die Welt und mit ihr die Menschen. Was tausende Flüchtlinge durchmachen müssen, erzählt das Klassenzimmerstück „Zuhause ist Krieg“. Das Hessische Landestheater bringt Kindern ab acht Jahren die fiktive Geschichte des zehnjährigen Said, gespielt von Thomas Huth, nahe. Premiere hatte das Stück am Freitagmorgen vor den 5. Klassen der Otto-Ubbelohde-Schule in Marburg.

Regisseurin Annette Müller, selbst Schauspielerin und zusammen mit Oda Zuschneid Leiterin des Jungen Theaters am Hessischen Landestheater, begegnet dem Schicksal der Flüchtlinge aus Sicht der Kinder. Sie lässt den Zuschauern Zeit und Raum, erst den jungen Said und seine Welt im fiktiven Kareschi kennenzulernen, bevor er mit seinem Vater auf die gefährliche Flucht nach Europa geht.

Flüchtlingsproblematik beschäftigt Kinder

Wie sehr die Flüchtlingsproblematik Kinder beschäftigt, zeigte sich bei der Uraufführung in der Otto-Ubbelohde-Schule. Mit bildhaften Beschreibungen wurden die Schüler schnell in die Fantasiewelt hineingezogen und hätten gerne am Ende gewusst, wie es mit den Flüchtlingen weitergeht. Doch Annette Müller lässt deren Schicksal bewusst offen. „Es verliert sich manchmal die Spur“, sagt die Regisseurin.

Dabei ist „Zuhause ist Krieg“ keineswegs düster und traurig. Saids Welt scheint ganz normal. Er spielt gerne Ball mit seiner Freundin Lia und geht zur Schule. Und mit dem Radio Kareschi wird die Stimmung von Anfang an aufgelockert. Doch mit dem Krieg wird alles anders.

Thomas Huth und Karlheinz Schmitt fesseln ihr junges Publikum mit ihrer lockeren Art und mit ihrem Einfühlungsvermögen. Immer wieder binden sie die Schüler in die Handlung mit ein. So wird über ein Dosentelefon beim Radio angerufen oder Thomas Huth wirft als Said seinen Ball den Kindern zu. Wenn er vor den Kindern in die Hocke geht und von seinen Gefühlen spricht, wird die Angst des jungen Saids spürbar. Schnell waren die Fünftklässler mit dabei, auch wenn sich einige anfangs wunderten, wenn sie mit Murrat oder Aische angesprochen wurden.

Idee schon vor zwei Jahren entstanden

Michael Lohmann zeichnet für die Geräusche und die Musik verantwortlich. Hinzu kommen eingespielte Stimmen von Mitarbeitern des Hessischen Landestheaters, wie Ogün Derendeli, Lisa-Marie Gerl oder der frischgebackenen Otto-Ubbelohde-Preisträgerin Elisabeth Sabo, die die Atmosphäre verstärken.

Entstanden sei die Idee bereits vor zwei Jahren, berichtete Annette Müller den Schülern der Otto-Ubbelohde-Schule, die zu den Schulen gehört, die Intensivklassen für Kinder von Flüchtlingen und Zuwanderern anbietet. „Dass das heute schon in eurem Schulalltag verankert ist, konnten wir nicht absehen“, sagte die Regisseurin. Die erfundene Stadt Kareschi sei von ihr im arabischen Raum gedacht, erläuterte Annette Müller, die aber auch eigene Erlebnisse in ihrem Stück verarbeitet hat.

  • Das Theaterstück kann von Schulen beim Hessischen Landestheater gebucht werden und wird für Schüler ab der dritten Grundschulklasse empfohlen.
  • Ansprechpartner ist Jürgen Sachs. Kontakt: j.sachs@theater-marburg.de

von Mareike Bader

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