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Flüchtlinge und die heilige Elisabeth

Sabine-Göpfert-Ausstellung: „Refugees welcome“ Flüchtlinge und die heilige Elisabeth

Das Bild mit dem Titel „Junge am Strand“ sticht ins Auge: Es zeigt den kleinen syrischen Jungen, der im vergangenen Jahr tot an die türkische Küste gespült wurde, und dessen Foto um die Welt ging.

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Die Künstlerin Sabine Göpfert (von links), Galerist Bruno Paoletti und die Musikerin Elisa Friedrich.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Das Kunstwerk erinnert wie viele der Arbeiten von Sabine Göpfert an das Leid, das die Flüchtlinge erfahren mussten, bevor sie in Europa Asyl fanden. „Gewehre“ heißt ein anderes Werk von ihr, auf dem die Umrisse eines Kopfes zu erkennen sind. Von allen Seiten sind Gewehrläufe auf diesen Kopf gerichtet.

Die grafisch angelegten Arbeiten von Sabine Göpfert haben eine starke Aussage und lassen niemanden unberührt. Gleichzeitig wirken sie optisch sehr ansprechend.

Sie zeigen nur die Umrisse von Fotos, die innere Fläche ist mit farbigen Motiven ausgemalt, die die heilige Elisabeth darstellen. Die Fotos hat die Künstlerin im Internet gefunden und auf das Papier projiziert, die Heiligenbilder hat sie auf den Glasfenstern in der Marburger Elisabethkirche entdeckt.

Sabine Göpfert selbst gab bei der Eröffnung der Ausstellung eine Einführung in ihre Arbeitsweise. „Ich kam nicht drum 
herum, das Thema Flüchtlinge zu bearbeiten“, erzählte sie. „Vieles hat mich sprachlos gemacht.“

„Meine Kunst ist politisch“

Die Motive auf den Fenstern der Elisabethkirche haben sie sehr angesprochen, erklärte die Künstlerin, die sich selbst als „Nichtchristin“ bezeichnet. „Ich wurde nicht müde, immer wieder die gleiche Szene zu malen: Elisabeth, die den Armen, Kranken und Bedürftigen hilft und dafür dankbare Blicke erhält.“

Elisabeth sei eine gewesen, die teilen konnte, erläuterte Göpfert weiter. Die Aussage der Kirchenbilder passe genau zu dem, was sie sagen wolle. „Meine Kunst ist politisch“, betonte die Künstlerin. „Ich hoffe, dass die Bilder dazu anregen, Fragen zu stellen.“

Neben den Werken von Göpfert sind in der Ausstellung auch Fotos aus dem Flüchtlingslager in Calais zu sehen. Pierre Soth hat das Lager besucht und die bedrückenden Verhältnisse dort mit der Kamera festgehalten.

Sabine Göpfert wurde 1976 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte freie Kunst am Städel in Frankfurt und in Münster. Sie hat auf Biohöfen gearbeitet und eine Ausbildung zur Reittherapeutin absolviert. Jetzt lebt sie mit ihren drei Kindern und vielen Tieren auf einem Hof in Wolferode.

  • Die Schau in der Brüder-Grimm-Stube ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet und dauert noch bis zum 31. Januar (Markt 23).

von Bettina Preussner

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