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Filmische Reise in die sechziger Jahre

Dreharbeiten Filmische Reise in die sechziger Jahre

Michael Wulfes dreht wieder in Marburg. Nach seiner erfolgreichen Dokumentation „Der Tag, an dem die Beatles (beinahe) nach Marburg kamen“ geht der Filmemacher wieder auf Spurensuche in seiner Heimatstadt.

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Regisseur Michael Wulfes (links) und sein Kameramann Volker Tittel beim Dreh am Marburger Hauptbahnhof.ausch.

Quelle: Ben Wangler

Marburg. Auch diesmal führt er den Zuschauer zurück in die 1960er Jahre und nimmt ihn mit auf eine Erinnerungsreise. Anlass dafür ist das 50-jährige Jubiläum des Deutsch-Französischen Elysée-Vertrags, der die Freundschaft der beiden Länder bekräftigte.

Mitte der 1960er Jahre fällt der Startschuss für ein regelmäßiges Austauschprogramm, in dessen Rahmen zahlreiche französische Jugendliche für drei Sommerwochen die Stadt besuchen. Umgekehrt besuchen auch Marburger Jugendliche die Partnerstadt Poitiers. „Das waren ja nicht nur die Franzosen, sondern es kamen zuerst Schweden, dann kamen Finnen - Marburg war einfach ein Biotop für den Schüleraustausch in dieser Zeit“, sagt Wulfes.

Der Film stellt Zeitzeugen der ersten zehn Jahre nach dem Freundschaftsvertrag vor, die den Austausch damals mitgemacht haben und begleitet sie an Orte, die für die gemeinsamen Erlebnisse prägend waren. Ein solcher Ort ist der Hauptbahnhof, wo vor etwa 44 Jahren der Marburger Wolfgang Budde die Ankunft seines französischen Austauschpartners Denis erwartete. Budde ist heute 62 Jahre und lebte 1969 in Dagobertshausen. Jetzt wohnt er in Kirchhain. Damals war er DJ im Beatkeller „Club E“ und konnte den jungen Franzosen mit in das Marburger Nachtleben nehmen.

Für den 15-jährigen Denis war das etwas Besonderes; zu Hause in Frankreich wären Clubbesuche unmöglich gewesen. Wulfes erzählt, dass die französischen Kinder deutlich strenger erzogen wurden und werden. Die Zeit in Marburg sei eine Art Befreiung gewesen. „Es war die Zeit der Beatmusik, es gab die Miniröcke und die Jugend war irgendwie in Aufbruchsstimmung. Marburg war wie ein großer Spielplatz für Teenager.“

Marburg vor 50 Jahren: Fünf bis sieben Musik-Keller mit Musik aus jeder Richtung und die Franzosen waren begeistert, so Budde. Er selbst habe am liebsten die Beatles aufgelegt und sorgte in seiner Zeit als DJ auch dafür, dass die Marburger mit dem Neuesten aus der amerikanischen Musikszene vertraut wurden. Mit Denis hat er immer noch Kontakt, ihre Freundschaft hält bis heute. „Wir waren selbst schon bei ihm zu Besuch in Cannes, er hat uns in den 1980ern besucht, dann gab es in den 1990ern einen Gegenbesuch. Es gab nie einen Stillstand“, erzählt Wolfgang.

Anlässlich des fünfzigsten Geburtstags der deutsch-französischen Freundschaft geht Wulfes mit seinem Film der Frage nach, was geblieben ist von einem Austausch, der „früher manchmal so mit leichter Hand eine Liebelei und Begegnung war.“ Ob er fruchtbar war oder nur eine kurze Episode - es geht ihm darum, Bilanz zu ziehen. Mit Wolfgang Budde hat er einen Zeitzeugen gefunden, der viele Anekdoten seiner seit damals kontinuierlich gewachsenen Freundschaft mit Denis zu erzählen weiß.

In Marburg wird Wulfes noch bis Anfang der nächsten Woche drehen und dann nach Paris weiterziehen. Weitere Drehorte des Films sind unter anderem Kiel, Karlsruhe und Avignon. Das Filmprojekt wird vom Hessischen Rundfunk im Zusammenarbeit mit Arte produziert und voraussichtlich im Juli dieses Jahres ausgestrahlt.

von Ben Wangler

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