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Figurenwelten voller Widersprüche

Ausstellung Figurenwelten voller Widersprüche

Zerstörung, Düsternis, Verzweiflung: Daran wird der Betrachter in den großformatigen Gemälden von Frank Schult im Kunstverein erinnert, auch wenn sie sich der plakativen Zuordnung verweigern.

marburg. Erst allmählich und nur aus einigen Metern Entfernung schält sich für das Auge aus einer nahezu schwarzen Fläche ein Bergdorf heraus. Neben diesem Gemälde steht ein verrosteter „Streitwagen“, geschoben von einer Metallfigur, gesteuert mit filigraner Stange von einer weiteren, stehenden Figur, behängt mit verkohlten Puppen und einem zerzausten Raubvogel.

Diese „Schöne“ ist eine der wenigen Skulpturen in der Ausstellung Schults im Marburger Kunstverein. Der Marburger Galerist Dr. Michael Herrmann, der zuvor bereits zwei Schult-Schauen in seiner Galerie organisiert hatte, zeigte sich in seiner Einführungsrede begeistert davon, wie gut insbesondere die großformatigen Bilder von Frank Schult in den hohen Räumen des Kunstvereins zur Geltung kommen.

Schult ringt mit der Welt

Die Malweise Schults sei betont unfertig, betonte Herrmann außerdem. Erst allmählich fänden sich die Linien und unterschiedlichen Formen in den Gemälden zu einem Ganzen zusammen. Immer neue Motive ließen sich dann beim näheren Hinsehen erkennen, und auch die für Schult typischen symbolischen Bezüge träten immer klarer zu Tage.

„Mit voller Absicht baut der Maler in seine Figurenwelten Unstimmigkeiten ein“, so Herrmann, denn: „Schult ringt mit der Welt und versucht, seine Gedanken und Überlegungen in seinen Werken mitzuteilen“.

So sehen die Betrachter in einem Bild einen U-Boot-Kommandanten mit seinem Gefährt, der in einem blutroten Ambiente buchstäblich auf dem Trockenen sitzt. Gleich mehrere Protagonisten sind in einem weiteren Gemälde zu erkennen. Doch wer hat dort die Kontrolle über das Geschehen, fragt sich zumindest Herrmann. Ein Jahrmarkt-Schreier oder doch ein Roboter-Mensch?

Aus Sicht des Galeristen spiegelt sich das bewegte Leben Schults, das nach der Ausreise aus der DDR im Jahr 1988 über verschiedene Stationen im ehemaligen Westen bis nach Celle und 2012 nach Hamburg führte, auch in seinen Bildern wider. Die meisten der in Marburg ausgestellten Werke stammen aus der jüngeren Vergangenheit, insbesondere aus der „Hamburger Periode“ des Künstlers. Und darin hat Herrmann bei Schult „weniger Angst vor klassischen Figuren“ diagnostiziert, und dafür mehr Mut zur Gestaltung, zum Ausleben des malerischen Talentes und zur Verwendung kräftiger Farben.

Auch Kunstvereins-Vorsitzender Dr. Gerhard Pätzold freute sich, wieder einmal eine Ausstellung mit eher gegenständlicher Malerei präsentieren und bei der Vernissage mehr als 80 Gäste sowie den Künstler begrüßen zu können. Die Ausstellung läuft noch bis zum 7. Februar 2013 und ist dienstags bis sonntags 11 bis 17 Uhr (mittwochs bis 20 Uhr) geöffnet.

Von Kristina Lieschke

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