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Fette Beats und schnelle Texte

"Antilopen Gang" Fette Beats und schnelle Texte

Rappen für Gutmenschlichkeit und gegen die Räumung besetzter Häuser, politischer Rüpel-Rap und harte Beats - die ­Antilopen Gang nimmt kein Blatt vor den Mund.

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Lassen sich den Mund nicht verbieten: Die Rapper von der Antilopen Gang.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Draußen Schlange stehen, drinnen Merchandise, ach, und ein Infostand der tapferen Recken wider den gesellschaftlichen Alltagswahnsinn, Die Partei. Vielversprechend! Finden auch alle anderen, sonst wären sie ja nicht hier. Und gekommen sind so viele, dass die Crew vom KFZ schon gar keine Karten mehr verkaufen könnte.

Nach einem kurzen und informativen Gespräch über Gott und die Welt, ja, und die Gesellschaft natürlich, mit den politisch Aktiven im Foyer, muss man sich houdinigleich durch die wippende Menge quetschen. Drinnen groovt das Publikum sich schon ein - bei einem Rap für Gutmenschlichkeit und gegen die Räumung besetzter Häuser in Mainz.

Fulminant geht es gefühlte zehntausend Wörter später genauso weiter. Danger Dan, Koljah und Panik Panzer rollen auf die Bühne und überschwemmen den Saal mit einer Welle Rüpel-Rap par excellence. Die Antilopen Gang sind nicht hitparadenkonform, dafür sind die Texte zu politisch und der Beat zu hart. Sie täuschen aber auch nicht ­Testosteron-geschwängert mit protzigen Goldkettchen und Knarren über mangelnde Inhalte hinweg. „Wir sind die Außenseiter“, so beschreiben sie im Song „Outlaws“ die eigene Ausgrenzung, „Leute, die so sind wie wir, gibt’s da draußen haufenweise. Wir sind die Armee der Kaputten und der Hässlichen“.

Die Antilopen nehmen kein Blatt vor den Mund, schießen eine volle gesellschaftskritische Breitseite und verbreiten dabei Partystimmung. Im Hintergrund legt der DJ fette Beats auf und hämmert auf seine aus verbeulten Kanistern, rostigen Eimern und einem alten Ölfass bestehenden Drums. Die drei Sänger rappen im Wechsel und feuern das begeisterte Publikum zum Tanzen und Nachdenken an. Für ihren Song „Beate Zschäpe hört U2“ über den neuen Rechtsextremismus und die politischen Wirrköpfe aus der gesellschaftlichen Mitte heimsten sie sich eine Klage des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen ein - und viel Applaus vom Marburger Publikum. Die Klage ist vergangene Woche abgelehnt worden.

Die Antilopen heben gern den Zeigefinger, öfter jedoch, ganz in der Tradition des Punk der 80er Jahre, den ausgestreckten Mittelfinger. Sie lassen sich auf den Händen der jubelnden Menge durch den Saal tragen und hoffentlich mit zunehmender Bekanntheit den Mund nicht verbieten.

von Jan Bosch

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