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Festival startet mit Uraufführung

Kinder- und Jugendtheaterwoche Festival startet mit Uraufführung

Vor der Uraufführung gab es noch einen Einblick in die aktive Theaterarbeit in den Festival-Workshops und einen wahren Begrüßungsmarathon.

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Annette Müller (hinten) und Oda Zuschneid in einer Szene von „Elephant Boy“.

Quelle: Landwehr

Eröffnet wurde das Festival, in dessen Rahmen bis zum Samstag 20 Veranstaltungen mit 18 Theatergruppen stattfinden werden, im Saal des Theaters am Schwanhof. Und zwar erstmals mit einer Präsentation einer Workshopgruppe – etwa 100 Workshops an Schulen in Marburg und im Landkreis werden für etwa 1700 Schüler angeboten.

Einer ist extra schon in der Woche vor der Eröffnung abgehalten worden, damit das Publikum bei der Eröffnung einen Eindruck gewinnen konnte, wie viel die Kinder in kurzer Zeit erreichen können. Die Klasse 3a der Waldschule Wehrda zeigte ein gelungenes kleines Theaterstück um ein Gespenst und ließ es quer durch die Fernsehprogramme zappen – und jede Sendung wurde von den Kindern mit viel Humor kurz dargestellt.

„Elephant Boy“ behandelt ernstes Thema ganz leicht

Dann ging es ans Begrüßen, und weil das Festival viele Mütter und Väter hat, dauerte das länger, als es die Aufmerksamkeitsspanne der jüngeren Besucher zuließ – Vertreter von Stadt und Staatlichem Schulamt, Landkreis und Land, dem Verband Hessischer Kinder- und Jugendtheater, des Freundeskreises Hessisches Landestheater und der Festivalleitung – sie alle waren sich einig, dass das Festival sich seit 20 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und einen wichtigen Beitrag dazu leistet, die Bedeutung von Theater für Kinder und Jugendliche herauszustellen. Der hohe Stellenwert dieser Angebote stehe auch dank dieser Arbeit heute nicht mehr in Frage.

Doch dann ging es hinüber in die kleinere und intimere Black Box des Theaters, wo das von Oda Zuschneid und Eva Bormann geschriebene Stück „Elephant Boy“ zum ersten Mal zu erleben war. Die Uraufführung, inszeniert von Zuschneid und Annette Müller, behandelt ein Thema, das gut nach Marburg passt, wo viele blinde Menschen leben.

Denn Lucia (Oda Zuschneid) ist blind, und sie erzählt dem Publikum ganz viel darüber, wie das so ist mit dem Blindsein. Dass sie sich eigentlich ganz normal fühlt und auch meistens gut klarkommt. Dass in ihrem Kopf ja alles stimmt, bloß mit ihren Augen halt nicht. Und um das zu demonstrieren, beamt sie sich wie ein Astronaut in ihren eigenen Kopf, genau zwischen die beiden Gehörgänge.

Im Clinch mit Stimme der Vernunft

Aber sie macht das auch, weil ihr Kopf ihr Rückzugsort ist, wenn wieder mal jemand was Blödes zu ihr gesagt hat, wie grade eben im Schwimmbad. Denn es geht nicht nur um das Blindsein, es geht auch darum, wie man klarkommen kann, wenn man anders ist. So wie Lucias Freund Oskar, der so merkwürdig aussieht, dass sich alle erschrecken. So wie der legendäre „Elefantenmensch“, der einst eine Jahrmarktattraktion war. Ist Oskar deshalb ein „Elephant Boy“?

Trotz der ernsten Thematik ist „Elephant Boy“ das Gegenteil von ernst. Oda Zuschneid spielt Lucia mit bestechender Kindlichkeit und Direktheit, macht die Geschichte witzig, rasant und lebensnah. Dass Lucia ganz normal ist, das glaubt man ihr sofort, auch wenn sie immer mal wieder mit ihrer „Stimme der Vernunft“ (Annette Müller) im Clinch liegt, wenn sie unangenehmen Situationen ausweichen möchte. Meistens aber sprudelt sie nur so vor Leben, und für sich und ihren Freund Oskar malt sie sich den knalligsten Bühnenauftritt aus, mit Elefantenmasken und bunten Gitarren. Denn Farben, die kann sie zwar nicht sehen, aber sich vorstellen.

„Elephant Boy“ behandelt Normalität und Ausgrenzung, das Leben als blinder Mensch und ganz normales Mädchen – immer mit großer Leichtigkeit, ganz nah dran am jungen Publikum. Gedacht ist das Stück für Kinder ab acht Jahren, und in deren Lebenswirklichkeit fühlt es sich auch wunderbar ein. Weitere Aufführungen von „Elephant Boy“ gibt es an 22. März sowie am 5.und 19. April.

Am Freitag präsentieren sich die Schul-Workshops

„KUSS – Kuck! Schau! Spiel!“ lautet der Titel der Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche. Neben dem Besuch von Theateraufführungen ist daher von Beginn an das Theaterspielen als zweites Standbein fest im Festivalprogramm verankert. Am Freitag, 13. März, findet um 16 Uhr unter dem Motto „Licht-Blick“ im Theater am Schwanhof die Präsentation der Schul-Workshops statt. Der Eintritt ist frei. 25 professionelle Theaterpädagogen, Schauspieler, Regisseure, Musiker und Artisten aus ganz Deutschland arbeiten derzeit im gesamten Landkreis. Organisiert werden die Workshops vom Staatlichen Schulamt und dem Verein SchulKultur.

von Heike Döhn

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