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Feinsinnig-furioses Festival-Finale

Eckelshausener Musiktage Feinsinnig-furioses Festival-Finale

Im ausverkauften Fürstensaal des Marburger ­Schlosses bejubelten die 200 Zuhörer am Pfingstmontag Musiker der Kronberg Academy, eine der weltweit angesehensten „Streicherschmieden“.

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Das Publikum freute sich über die Leistungen von Wenting Kang (von links), Lászlo Fenyö und Kirill Troussov.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Mit dem Abschlusskonzert setzten die Eckelshausener Musiktage das Sahnehäubchen auf das 29. Kammermusikfestival zum Thema „Zeitwege“. Diese führten am Pfingstmontag nach Ungarn. Und schlugen gleichzeitig den Bogen zurück zum Finale der 28. Musiktage.

Dort hatte der Geiger Kirill Troussov mit einer phänomenalen Wiedergabe von Pablo de Sarasates teuflisch schweren „Zigeunerweisen“ das Publikum in Ekstase versetzt. Diesmal bewies er auf seiner betörend süß klingenden Stradivari, mit der Adolph Brodsky 1881 Tschaikowskys Violinkonzert uraufgeführt hatte, dass er nicht nur ein mit allen Wassern gewaschener Virtuose, sondern ein ebenso feinsinniger Kammermusiker ist.

Gemeinsam mit László Fenyö, der seit dem Gewinn des Internationalen Pablo-Casals-Wettbewerbs 2004 in Kronberg zur Weltelite der Cellisten zählt, und dem Pianisten José Gallardo widmete sich Troussov zum Auftakt Joseph Haydns „Trio all‘ Ongarese“ („Zigeunertrio“). Mit einfachsten und dennoch höchst kunstvoll komponierten Mitteln versetzt Haydn, wie nur er es konnte, das Publikum in gute Laune – vor allem, wenn diese durchweg freundliche, im „ungarischen“ Finale ausgelassene Musik derart meisterhaft interpretiert wird wie von den beiden Kronberger Absolventen und ihrem Klavierpartner.

Chinesische Bratschistin spielt Ungarischen Volksmusiker

Wie der große Pablo Casals, das Vorbild aller nachfolgenden Cellisten, spielt auch Fenyö ein Instrument des aus Südtirol stammenden venezianischen Geigenbauers Matteo Goffriller. All seine Violoncelli verströmen einen besonders sonoren und warmen Klang, so auch das 1695 gebaute Instrument, auf dem Fenyö mit stupender Virtuosität die Rhapsodie Nr. 1 seines Landsmannes Béla Bartók musizierte – sechs eng miteinander verknüpfte, rhythmisch vertrackte Tänze aus Ungarn und Rumänien, in denen der von Gallardo kraftvoll attackierte Flügel zeitweise klingt wie ein Schlaginstrument.

Zuvor hatte sich die chinesische Bratschistin Wenting Kang, die seit zwei Jahren an der Kronberg Academy studiert, mit intensiv-voluminösen Ton für den anderen großen Volksmusiksammler Ungarns, Zoltán Kodály, eingesetzt. Anklänge an ungarische Folklore enthält sein Adagio allerdings nur im schnelleren Mittelteil und in der teils wie ein Cymbal klingenden Klavierbegleitung, die romantischen Ecksätze stehen stark unter dem Einfluss von Johannes Brahms. Dessen g-Moll-Klavierquartett op. 25 krönte das Abschlusskonzert der 29. Eckelshausener Musiktage.

Die drei Streicher ließen ihre Instrumente mit geradezu verzehrender Intensität singen, trafen wundervoll den wienerischen Tonfall in den beiden Mittelsätzen und behaupteten sich dank Gallardos sensibler Anschlagskunst mühelos gegen das von Brahms über weite Strecken dominierend eingesetzte Klavier. Nach dem furios zugespitzten „Rondo alla zingarese“ erhoben sich die 200 Zuhörer wie ein Mann und feierten die vier Weltklasse-Musiker mit Bravo-Rufen. Der Hessische Rundfunk hat diese Kammermusik-Sternstunde mitgeschnitten – ein Sendetermin steht noch nicht fest.

von Michael Arndt

 
 Das Publikum feierte vier Weltklasse-Solisten zum Abschluss der 29. Eckelshausener Musiktage. Foto: Florian Gaertner
 
Fazit und Vorschau
Das Team der Eckelshausener Musiktage zieht eine „außerordentlich positive Bilanz“ des 100.000 Euro teuren 29. Festivals, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Katharina Zürcher: „Fünf Konzerte, waren ausverkauft, für das Abschlusskonzert hätten wir sogar 100 Karten mehr verkaufen können.“ Zudem habe sich das Einzugsgebiet, aus dem das Publikum anreist, weiter vergrößert, und auch die neue Mitgliederwerbung zeige Erfolge. So laufen bereits die Planungen für das 30. Festival, das unter dem Motto „Humanität“ stehen soll. Die Organisatoren stehen bereits in Verhandlungen mit renommierten Künstlern, darunter eines der weltweit besten Kammerorchester.
 
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