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Feinsinn und musikantisches Feuer

Konzert im Audimax Feinsinn und musikantisches Feuer

Vor fünf Jahren hatte das Minguet Quartett im Schloss die 25. Eckelshausener Musiktage gekrönt. Mit seinem ersten Konzertverein-Gastspiel knüpfte es am Samstag im Audimax daran an.

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Der Konzertverein präsentierte im Audimax das Minguet Quartett und Andrea Lucchesini am Klavier.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das preisgekrönte Streichquartett eröffnete den Kammermusik-Abend im Audimax mit zwei Werken, die es auch beim Jubiläum der Eckels­hausener Musiktage gespielt hatte.

Zunächst loteten Ulrich Isfort, Annette Reisinger (Violinen), Aroa Sarin (Viola) und Mathias Diener (Violoncello) in Anton Weberns sechs Bagatellen op. 9 außerordentlich intensiv nicht nur alle auf Streichinstrumenten mögliche Spieltechniken, sondern auch in expressionistisch-freitonalem Stil seelische Grenzsituationen aus - dies alles innerhalb von nur vier Minuten.

Nahtlos schloss das Quartett ein „Lied ohne Worte“ an, in dem es ebenfalls um Abschied und Weltentrückung geht: Annette Reisinger hat Gustav Mahlers Vertonung des Friedrich-Rückert-Gedichtes „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ kongenial bearbeitet.

Und die bewegende, ganz nach innen gerichtete Wiedergabe leitete hin zum ersten Satz von Antonín Dvoráks herrlichem A-Dur-Klavierquintett op. 81. Mathias Diener intonierte mit wundervoll warmem Cello-Ton das strömende, durch harmonische Eintrübungen auch schmerzvolle Gesangsthema, dem sich später Ulrich Isfort mit süßem, aber nie süßlichem Geigenton hingab, getragen vom eindringlich-unaufdringlichen Klavierspiel Andrea Lucchesinis.

500 begeisterte Zuschauer

Vor mehr als zwei Jahrzehnten war der italienische Pianist zuletzt beim Konzertverein zu Gast - als Partner des Cellisten Mario Brunello. Und es war am Samstag, als wäre die Zeit stehengeblieben. Denn der inzwischen 50-jährige Lucchesini ist sich interpretatorisch treu geblieben.

Er ist nach wie vor kein sich selbst in den Vordergrund spielender Tasten-Titan, auch wenn ihm die virtuose Literatur mühelos aus den Fingern fließt, wie er in den zurückliegenden insgesamt vier Marburger Gastspielen bewiesen hatte. Für ihn steht immer der Komponist und sein Werk im Vordergrund. Ideale Voraussetzungen also für Kammermusik. Lucchesinis feinsinnig geformte Anschlagskultur verschmolz ideal mit dem an Zwischentönen reichen Streicherklang des Minguet Quartetts. Jedoch auch dem musikantischen Feuer in Dvoráks melodienseligem Quintett blieben die fünf gleichgestimmten Musiker kein Quäntchen schuldig.

In Robert Schumanns Es-Dur-Klavierquintett op. 44, dem ersten und für alle folgenden Komponisten vorbildhaften Meisterwerk der Gattung, steigerte sich dies zu beglückendem romantischen Überschwang.

Die 500 begeisterten Zuhörer ruhten nicht, bis Lucchesini und das Minguet Quartett den Schluss des Finalsatzes wiederholten.

Am kommenden Sonntag, 24. April, beendet der Konzertverein die Saison: Ab 20 Uhr gastieren im Audimax die Smetana Philharmoniker Prag mit einem Programm zum 100. Todestag von Max Reger. Solist in dessen Violinkonzert ist der schwedische Geiger Ulf Wallin, der das selten zu hörende Werk auch für eine von der Kritik hoch gelobten CD eingespielt hat.

von Michael Arndt

 
Standpunkt

Applaus Willkommen

Am Samstag saßen doch recht viele junge Zuhörer im Audimax. Und das ist gut so. Denn nur so können Veranstalter klassischer Konzerte auf Dauer überleben.
Die altgedienten Konzertgänger sollten sich deshalb zurückhalten mit Kritik am Verhalten der Konzert-Newcomer, die ihre spontane Begeisterung schon nach dem ersten Satz des Dvorák-Quintetts durch Applaus zeigten.
Warum auch nicht, war dies doch zur Zeit der Uraufführung samt Dacapo-Rufen gang und gäbe. Das störte überhaupt nicht – im Gegensatz dazu, dass einige verspätete Zuhörer während des ersten, noch dazu ausgesprochen leise intonierten Stücks in den Saal gelassen wurden, andere offenbar nicht wussten, wie sie ihre Smartphones stumm stellen konnten.

von Michael Arndt

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