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Feines Gespür für Stimmungen

Canticum Antiquum Feines Gespür für Stimmungen

Mit zahlreichen Solisten aus den eigenen Reihen und passender musikalischer Begleitung führte das Vokalensemble 
Canticum in der Universitätskirche barocke Abendmusik auf.

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Das Vokalensemble Canticum Antiquum begeisterte das Publikum in der Universitätskirche mit Buxtehudes „Das Jüngste Gericht“.

Quelle: Patricia Kutsch

Marburg. Dietrich Buxtehudes „Das Jüngste Gericht“ ist 
eine abwechslungsreiche Komposition, die alle Gattungen ihrer Zeit aufgreift. Zwar handelt es sich bei der Abendmusik um Kirchenmusik, sie wurde aber außerhalb des Gottesdienstes als traditionelle Veranstaltung in Lübeck aufgeführt.

Das Vokalensemble Canticum Antiquum setzte die oratorienartigen Teile, darunter sind verschiedene Arien mit wunderschönen Verzierungen und kraftvolle Choräle, mit einem hervorragenden Zusammenklang der Stimmen und immer wieder anderen Zusammenstellungen von Solisten zusammen.

Sängerinnen bestechen mit tollen Coloraturen

Dabei musste der Chor nicht auf externe Solisten zurückgreifen, wie es sonst üblich ist. Denn der Chor Canticum Antiquum verfügt über fantastische Sänger und Sängerinnen. 15 von ihnen standen bei dem Konzert am Sonntagabend als Solisten in der Universitätskirche im Zentrum – sie alle sind Gesangsschüler der Chorleiterin Brigitte Krey, wie diese zu Recht stolz im Gespräch bestätigte.

Besonders in den Arien bestachen die Sängerinnen mit tollen Coloraturen, die von Buxtehude stellenweise sehr ausgeprägt gestaltet wurden. So waren gerade die verzierten Tonläufe bei der Arie „Mein Jesu mein Leben und Heil“ entsprechend zum Wort „ewiglich“ ausgedehnt. Solistin Katharina Philipps meisterte mit ihrer hellen und klaren Sopranstimme diese Herausforderung herrlich unaufgeregt.

Wie viele andere Chormitglieder trat sie mehrmals solistisch auf. Außerdem übernahm sie die Arie „Ich liebe die mich lieben“, die eigentlich für einen Tenor komponiert wurde. Durch das Werk, das die Untugenden aufführt und die Verdammnis dramatisch darstellt, führte Klaas Hansen als „Die göttliche Stimme“ mit verschiedenen Rezitativen. Dagegen verkörperten die weiblichen Chormitglieder zu Beginn des Werkes in den solistischen Arien die allegorischen Figuren „Der Geitz“, „Die Leichtfertigkeit“ und „Die Hoffahrt“.

Dabei zeigte Chorleiterin Brigitte Krey ein feines Gespür für ihre Sängerinnen und Sänger und präsentierte immer wieder andere Formationen, die stimmlich traumhaft zusammenpassten. Beim abschließenden Choral „Hertzlich lieb hab ich dich O Herr“ und der Arie „Weg mit allen irdischen Schätzen“ traten Lisa Werthmann-Resch, Aylette Villemain und Peter Geisel solistisch hervor und sorgten so noch einmal für interessante Momente.

Gesang und Instrumente harmonieren

Begleitet wurde das Canticum Antiquum von Sonja Kemnitzer am Cembalo, Yoshio Takajanagi an der Theorbe sowie dem Barockensemble „La Tirata“. Gleich mit der einführenden Sonata gelang es den Musikern, das Publikum mit ihrem geschmeidigen Klang in die passende Stimmung zu versetzen.

Auch als Begleitung waren die Instrumente stets zu hören. Selbst bei kraftvollen Chorälen gelang es dem Chor, sich auf die historischen Instrumente einzustellen, die leiser klingen als moderne Instrumente, wie etwa bei der ersten Arie „Wacht!“, dessen auffordernder Charakter wunderbar interpretiert wurde, 
ohne dass der Gesang die 
 Instrumente übertönt hätte. So gelang dem Chor und den Musikern in der fantastischen Akustik der Universität immer wieder ein harmonisches Miteinander von Gesang und Instrumenten.

Das Publikum bedankte sich am Ende mit langem und kräftigem Applaus, wobei die Chorleiterin Brigitte Krey und die Musiker besonders gefeiert wurden.

von Mareike Bader

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