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Fans stehen Schlange für „Poetry in Echtzeit“

Ausverkaufte Show Fans stehen Schlange für „Poetry in Echtzeit“

Marburg ist eine Poetry-Slam-Hochburg. In nur 30 Minuten gingen im Vorverkauf 300 Karten für die Show „Poetry in Echtzeit“ im Knubbel weg.

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Kaum ein Durchkommen gab es im „Knubbel“. Dennoch herrschte gute Laune im Publikum, das jede Wertung der Publikums-Jury aufmerksam verfolgt.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Freitagabend, 19.45 Uhr: Eine 30 Meter lange Menschenschlange steht vor dem Marburger „Knubbel“. Es ist kalt. Doch die jungen Leute harren aus. Viele hoffen vergeblich noch eine Karte für „Poetry in Echtzeit“ mit anschließender Technoparty an der Abendkasse zu ergattern. Mehr als 100 Hoffnungsvolle müssen unverrichteter Dinge wieder abziehen. Diejenigen, die das „Knubbel“ von innen sehen durften, erleben eine tolle Show.

Die vier Slammer sind national bekannte Hochkaräter und national: Der Gießener Christian Offe und der Marburger Bo Wimmer, der „die Slammer-Szene in Marburg seit Jahren zusammenhält“, wie Moderator Felix Lobrecht erklärt. Des Weiteren waren Zoe Hagen, die Zweitplatzierte des U20-Poetry Slams 2014 und Wahl-Marburger Lars Ruppel, frischgebackener Deutscher Meister 2014, mit von der Partie (die OP berichtete).

Das Knubbel ist mit 350 Besuchern bis zum Anschlag gefüllt. Wer während der Show den Raum kurz verlassen muss, hat eine schwierige Aufgabe im Balancieren über Menschen, Jacken, Handtaschen und Biergläser zu bewältigen.

Zur Freude des Publikums fliegen zwischen den Beiträgen der Slammer kleine Schnaps-Flaschen durch den Saal. Doch die Moderatoren Marvin Ruppert und Felix Lobrecht aus der Marburger Slam-Szene werfen das Hochprozentige nicht wie Süßigkeiten an Fasching aufs Geratewohl in die Menge. Man muss sich den Alkohol schon verdienen. Beispielsweise dadurch, dass man Geburtstag hat, oder als „Mitleid-Schnaps“ wenn man aus Ostfriesland kommt.

Die Jury besteht aus fünf Zuschauern, die zu Beginn der Veranstaltung von den Moderatoren ausgewählt werden. Jeder Beitrag der Slammer strapaziert die Lachmuskulatur. Offes Satire über das Leben in seiner Studenten-WG sowie Hagens Text „Der Bioladen“ begeistern Publikum und Jury. Bo Wimmer fordert für seine Geschlechtsgenossen das Recht ein, ihr „bestes Stück“ auch in der Öffentlichkeit zeigen zu dürfen. „Männer, macht den ‚Helikopter‘!“, fordert Wimmer. Im Finale setzt sich Zoe Hagen mit einem sehr emotionalen Text über das Erwachsenwerden einer jungen Frau gegen den Deutschen Slam-Meister Lars Ruppel durch.

„Wir wollten mit der Veranstaltung Leute zusammenführen, die normalerweise entweder zu Poetry Slams oder Technoparties gehen. Es sollte eine gegenseitige Befruchtung sein“, sagt Ruppert. Die Rechnung geht auf. Knapp 100 Leute haben auch Karten für die anschließende Party gekauft, bei der der Berliner DJ „Foolik“ auflegt. Sein Fazit: „Es war große Klasse. Ich war noch nie bei so einer Veranstaltung. Ich denke, Poetry Slam ist eines der Mitteilungsmedien unserer Generation.“

von Benjamin Kaiser

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