Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
„Ihr seids a bisserl schüchtern“

Falco-Double „Ihr seids a bisserl schüchtern“

Es kann bekanntlich nur einen geben. Im Falle von Falco, 1998 tödlich verunglückt, gibt es aber ­Michael Patrick Simoner, der die Hits des „Falken“ wieder aufleben lässt. Am Freitag war er zu Gast in Marburg.

Voriger Artikel
Eine Verneigung vor den Beatles
Nächster Artikel
Böse Satire aus der Zeit der Sowjetunion

„Er war so exaltiert, because er hatte Flair“: Michael Patrick Simoner gibt den „Falken“.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Bald jährt sich der Todestag von Falco zum 20. Mal. Wenige Tage vor seinem 41. Geburtstag war der Popstar aus Österreich 1998 tödlich verunglückt. Seine Musik ist bis heute unvergessen. Einer, der dafür sorgen möchte, dass das auch so bleibt, ist ­Michael Patrick Simoner – der einzige von Falcos Mutter ­autorisierte ­Falco-Darsteller, der von ihr sogar die Original-Kostüme des Superstars bekam. Der Falke ist tot, es lebe die Show.

Knapp 350 Besucher lockte „Falco – The Show“ am Freitagabend ins Erwin-Piscator-Haus, auch wenn Michael Patrick Simoner überzeugt war: „Marburg – 40 000 Leute!“. Er ­wollte immer wieder Hände sehen, Begeisterung hören. „Ihr seids a bisserl schüchtern“, stellte er zwischendurch fest. Aber: „Des geht doch net, Kinder.“ Hat da jemand gedacht, er ist in ­einem Musical, könne zwei Stunden sitzen und zwischendurch ein paar Chips mampfen? Im zweiten Teil fordert Simoner unmissverständlich das Aufstehen ein und die als eher stoisch geltenden Hessen leisten Folge.

So wie es in den 80ern war, so solle es in der Show ­wieder werden, kündigte er zu Beginn an, „net mehr, net weniger“. Um Falco beziehungs­weise seine Musik zu neuem Leben zu erwecken, hatten Simoner und seine Band die großen Hits mit dabei: von „Vienna Calling“ über „Egoist“ und „Out of the Dark“ bis hin zu, natürlich: „Rock me Amadeus“.

Ein Superstar wie Mozart selbst

„Er war Superstar, er war ­populär, er war so exaltiert, ­because er hatte Flair“ – was Falco in diesem Lied mit Bezug auf Wolfgang Amadeus Mozart getextet hatte, das traf auch auf ihn selbst zu. „Rock me Amadeus“ machte Falco – der mit bürgerlichem Namen Johann „Hans“ Hölzel hieß – zum „Rock­idol“ und stand als erster und bislang einziger deutschsprachiger Titel an der ­Spitze der US-amerikanischen Billboard-Charts. Man könne ­Falco nicht doubeln, sagt Michael Patrick Simoner während der Show, „mer kann ihn nur holbwegs dorstelln“. Den Segen dafür hat ihm Mutter Hölzel erteilt, nachdem er bereits zu Falcos Lebzeiten als Darsteller unterwegs gewesen ist. Kein Wunder: In Habitus und Gestik ist er frappierend nah dran am Original.

 Ein paar „G’schichten“, zum Beispiel von der Mutter im Nerzmantel, wie sie Simoner bat, sie auf seine Konzerte mitzunehmen, die erzählt er zwischendurch auch. Die ­Akustik und dass die Stimme immer wieder übersteuert in den Saal drang, trübte das Vergnügen des Abends vor allem für jene, die bei den Songs nicht textsicher waren. Überhaupt nichts auszusetzen gab es hingegen an der großartigen Band, von der Simoner selbst sagte, sie sei die beste Band, international, „wo Falco spieln konn“. Band­leader Axel Steinbiss am Keyboard, ­Freddi Lubitz am Bass, Jens Golücke am Schlagzeug und Chris Vega an der Gitarre lieferten Sound vom Allerfeinsten.

An der Seite des „Falken“ war außerdem Sängerin Steffi Barth, die nach ihrem Part in „Emotional“ vom Publikum bejubelt wurde. Am Ende brandeten sofort „Zugabe“-Rufe durch die Halle und die Frage „Holen wir sie gemeinsam aus dem Wald?“ war eine rhetorische. Die Zuschauer hatten „Jeanny“ eingefordert und sie bekamen „Jeanny“, als Medley mit der Fortsetzung „Coming Home“. Zu „Rock me Amadeus“ holte Simoner dann noch eine Zuschauerin zum Singen auf die Bühne. Und wer sich mit dem Falco-Darsteller in dessen Zirkusdirektoren-Jacke noch fotografieren lassen wollte, der hatte nach dem Konzert reichlich Gelegenheit dazu.„Ihr dürfts euch zu Tode selfien mit mir“, hatte Michael Patrick Simoner versprochen und hielt gut gelaunt Wort.

von Nadja Schwarzwäller

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr