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FDP ist in Merkel-Raute verschwunden

Kunst- und Kulturtagen: „Ganz im Glück“ FDP ist in Merkel-Raute verschwunden

Ganz im Glück war der Kabarettist Arnulf Rating in Stadtallendorf. Sein neues Programm kam sehr gut an, allerdings waren nur wenige Zuschauer in der Stadthalle.

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Wirres Haar, weißer Kittel: Arnulf Rating schlüpft in die Rolle von Dr. Mabuse.

Quelle: Yanik Schick

Stadtallendorf. Arnulf Ratings Stärke ist es, auf der Bühne er selbst zu sein. Und doch, das ist seine Kunst, spielt der Kabarettist mit einer ganz bestimmten Rolle. Knallrote Schuhe, ein hochgekrempeltes Hemd und wirres Haar sind seine Markenzeichen.

Die ersten Momente seines Auftritts erwecken den Eindruck, Rating sei unvorbereitet auf die Bühne geschubst worden. Er spricht schnell, manche Sätze nicht einmal zu Ende und wechselt nach wenigen Sekunden das Thema. Aber genau das ist Arnulf Rating. Der scheinbar zerstreute Mann kommt in der Sache einfach auf den Punkt. Anders als so mancher Politiker, auf den Rating schimpft. Dieser entscheidende Unterschied begeistert die Zuschauer.

Sonderlich viele sind nicht gekommen, etwa 35 sitzen im kleinen Saal der Stadthalle. Der Kabarettist geht locker damit um. Natürlich, sagt er zum Abschluss, hätte er an diesem Abend auch in Berlin vor größerem Publikum auftreten können. „Aber wenn man die Einwohnerzahl beider Städte in Verhältnis setzt, dann könnte man Stadtallendorf durchaus als die Kulturhauptstadt Europas bezeichnen.“

Während seiner Show tut Rating zunächst einmal das, was man von einem Satiriker erwartet. Er veralbert die hohe Politik, deren Vertreter und einige prominente Ereignisse der jüngeren Vergangenheit nach allen Regeln der Kunst. Dabei ist er meist sarkastisch. Wie etwa bei seiner Beschreibung von Merkels besonderer Handhaltung, der Raute.

„Er sagt eben die Wahrheit“

„Von diesem Symbol geht eine ungeheure Kraft aus“, trägt Rating enthusiastisch vor, „die ganze FDP ist in diesem Loch verschwunden.“ Auch zum ehemaligen Papst Benedikt hat der Kabarettist etwas zu sagen: Sein Rücktritt sei eben ein typisch deutsches Verhalten. Erst ein paar Jahre arbeiten, dann Rente.

„Es ist erfrischend böse und real. Außerdem durchaus unterhaltsam“, urteilte der Stadtallendorfer Heinz-Jürgen Schmitt, einer der Zuhörer. „Meine Erwartungen hat er erfüllt“, meint derweil Roswitha Damaschke, die Rating aus dem Fernsehen kennt und ihn deshalb unbedingt live hören wollte. „Er sagt eben die Wahrheit, es ist kein dummes Geschwätz.“ Und noch dazu, betonte Roswitha Damaschke, sei der Satiriker ein ausgezeichneter Verwandlungskünstler.

Denn Arnulf Rating schlüpft auf der Bühne nach und nach in verschiedene Rollen. Er tritt als aufgedrehter Wirtschaftsunternehmer Fred Ferkelmann auf, als bodenständige und ehrliche Krankenschwester Hedwig sowie zu guter Letzt als verbitterter Arzt Dr. Mabuse, der die Euro-Krise im Jargon eines Mediziners analysiert.

Am Ende, als Rating wieder einmal ganz er selbst ist, kommentiert er die aktuelle Situation im deutschen Gesundheitswesen. Mit ernstem Ton sagt er: „So wie es heute ist, kann es auf keinen Fall weitergehen.“ Selbst die Medizin sei mehr an der Wirtschaft als am Wohl des Patienten orientiert, lautet sein Credo. Worte, die zum Nachdenken anregen.

von Yanik Schick

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