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Expressive Klangwelten des Nordens

Marburger Schlosskonzerte: Kammerorchester Expressive Klangwelten des Nordens

Ein skandinavisches Herbstkonzert hat das Marburger Kammerorchester im Rahmen der Marburger Schlosskonzerte geboten.

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Der Fürstensaal bot einen prächtigen Rahmen für das Konzert des Marburger Kammerorchesters.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Mit Werken von Edvard Grieg, Jean Sibelius, Lars-Erik Larsson, Johan Helmich Roman, Niels Wilhelm Gade 
und Einojuhani Rautavaara führte das Orchester das Publikum im Fürstensaal des Landgrafenschlosses in die musikalische Welt des hohen Nordens. Der gebürtige Marburger Stephan Rieckhoff brillierte dabei als Solist am Violoncello.

Eröffnet wurde der Abend mit Jean Sibelius Romanza in C-Dur, die die Landschaft der Heimat des finnischen Komponisten nachzeichnete und musikalisch erlebbar machte. Mit vollen langen Bögen spielte das Orchester die lyrische Romanza, die mit einem sanften Andante beginnt und in einen kraftvolleren Mittelteil übergeht, um sich dann in ein zartes Piano zu wandeln.

Rautavaaras beeindruckende Klangmagie

Treffend waren die beiden finnischen Komponisten gewählt, deren Werke an diesem Abend gespielt wurden: Ihre Lebenswege kreuzten sich im entscheidenden Moment. So trat der 90-jährige Jean Sibelius als Förderer des noch jungen Einojuhani Rautavaara auf, indem er diesem ein Stipendium zukommen ließ.

Das Werk des bedeutenden zeitgenössischen Komponisten Rautavaara, der in diesem Jahr starb, bannte die Zuhörer mit beeindruckender Klangmagie. In dynamischem Fluss begann das Orchester mit dem Divertimento, in dessen Zwischenzeilen surreale Welten aufschienen. Kraftvolle Melodien wurden in einem Zusammenspiel von Rhythmik, Metrik, Spannung und Entspannung gebrochen und vom virtuosen Elan des Orchesters getragen.

Ganz anders bei dem Schweden Lars-Erik Larsson. Mit ausgesprochener Raffinesse spielten die Musiker saubere Pizzicato-Sequenzen und tauchten in ein Wechselspiel mit dem Solo-Cellisten Rieckhoff ein, der mit vollen, satten Tönen spielte.

Orchestergruppen perfekt aufeinander abgestimmt

Ebenfalls beeindruckend war der Vortrag von Niels Wilhelm Gades Novelette Nr. 2 in E-Dur op. 52, die in Gades letzten Lebensjahren entstand. Mit flinker Hand wechselten die Geiger die Tonlagen, ließen melodiöse Bögen auf schnelle Staccati folgen.

Das Publikum erlebte ein Konzert, das mit Vielfältigkeit und Professionalität überzeugte. Ein Vergnügen war es auch, die 
Dirigentin Karin Hendel zu 
beobachten. Mit Empathie und Antizipation leitete sie das 
Orchester, das ihr trefflich folgte, durch den Abend. Dynamik und Expressivität der einzelnen Orchestergruppen wurden perfekt zusammengeführt und abgestimmt. So sprach auch der Applaus für sich.

Karin Hendel ist versierte Violinistin und seit 1984 Mitglied des hr-Sinfonieorchesters. Sie war bereits in zahlreichen Konzerten und Aufnahmen sowohl als Solistin, als auch als Kammermusikerin zu hören. Das Marburger Kammerorchester vereint professionelle Musiker und Laien. Bereits seit mehr als 50 Jahren ist das Orchester über die Region hinaus aktiv.

von Nigar Ghasimi

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