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Experte für menschliche Schwächen

Regisseur Helmut Dietl stirbt mit 70 Jahren Experte für menschliche Schwächen

Er galt als deutsche Antwort auf Woody Allen – Helmut Dietl gelang es immer wieder, der deutschen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Jetzt ist der Regisseur mit 70 Jahren gestorben.

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Der Regisseur Helmut Dietl ist  im Alter von 70 Jahren in München gestorben. Er war einer der einflussreichsten deutschen Regisseure.

Quelle: Frank Leonhardt

München. Er hat der Münchner Schickeria den Spiegel vorgehalten, sich über die gefälschten Hitler-Tagebücher lustig gemacht und über das „Suchen und Finden der Liebe“ sinniert.

„Die einen kriegen Kinder, die anderen machen Filme. Jeder wehrt sich auf seine Weise gegen den Tod, so gut es geht“, sagte Helmut Dietl, einer der bedeutendsten deutschen Regisseure, einmal in einem Interview. Im Alter von 70 Jahren ist er nun gestorben, im Kreise seiner Familie in seiner Münchner Wohnung.

Im November 2013 hatte er seine schwere Krebserkrankung  öffentlich gemacht. Erst einen Monat zuvor hatte er selbst die erschütternde Diagnose erhalten: Lungenkrebs mit Heilungschancen von höchstens zehn Prozent.

Überrascht war er von der Krankheit nicht, wie er sagte. „Wenn man bedenkt, wie viel ich geraucht habe, dann ist es geradezu ein Wunder, dass es so lange gut gegangen ist.“ Sechs Jahre zuvor hatte er mit dem Rauchen aufgehört und bis dahin nach eigener Berechnung ungefähr eine Million Gitanes geraucht.

Dietl war einer der bedeutendsten Regisseure Deutschlands und wurde in den 80er Jahren berühmt mit den Serien „Monaco Franze“ und „Kir Royal“. Dietls letzter, mit Spannung erwarteter Film „Zettl“, die Fortsetzung seiner Kultserie „Kir Royal“, floppte 2012 zwar grandios, früher aber, zur Zeit seiner ganz großen Erfolge, wurde der Regisseur von Filmkritikern als deutsche Antwort auf Woody Allen gefeiert.

„Nicht den Glauben an die große Liebe verlieren“

Er ist der geistige Vater von Kultfilmen wie „Schtonk“ (1992) und „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ (1997). Ebenso wie Woody Allen deckte der im oberbayerischen Wiessee geborene Dietl mit Vorliebe und Ironie menschliche Schwächen auf und beleuchtete gesellschaftliche Kuriositäten.

Im Jahr 2005 kam mit „Vom Suchen und Finden der Liebe“, einer modernen Adaption des Orpheus und Eurydike-Stoffes, eine sehr persönliche Komödie in die Kinos. Das Drehbuch dazu schrieb „Das Parfum“-Autor Patrick Süskind, der eng mit Dietl befreundet war.

Dietl selbst war viermal verheiratet und hatte drei Kinder mit verschiedenen Frauen. „Man darf nicht den Glauben an die große Liebe verlieren, selbst wenn die Erfahrung das Gegenteil lehrt“, sagte der Regisseur, der zehn Jahre an der Seite von „Superweib“ Veronica Ferres verbrachte, einmal. „Oder man kann sich gleich hinsetzen und auf den Tod warten.“

Zuletzt arbeitete Dietl an einem Film mit dem österreichischen Humoristen Josef Hader. Das Drehbuch thematisiert auch den Schlaganfall, den Dietl im Jahr 2007 erlitt. Im November vergangenen Jahres – ein Jahr, nachdem er seine schwere Erkrankung öffentlich gemacht hatte – nahm Dietl in einem sehr emotionalen Moment den Bambi für sein Lebenswerk entgegen und sagte dabei: „Wenn Sie in zehn Jahren wieder einen Lebenspreis zu vergeben haben - ich bin bereit.“ Dazu wird es nun nicht mehr kommen.

von Britta Schultejans

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