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Experte erklärt die Welt der Teenies

Paul Bühre Experte erklärt die Welt der Teenies

Der 16-jährige Paul Bühre hat ein Buch über seinen Alltag geschrieben. Darin erklärt er Erwachsenen, wie Jugendliche denken. Die OP druckt sein Buch "Teenie Leaks" von heute an als Fortsetzungsgeschichte ab.

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Der Teenager Paul Bühre schreibt über die Sorgen, Nöte und Hoffnungen seiner Altersgenossen. „Teenie Leaks“, wie der Ullstein-Verlag seinen Blick hinter die „Kulissen“ betitelt.

Quelle: Ullstein-Verlag

Marburg. Schenkt man Paul Bühre Glauben, ist jeder Schultag ein Kampf um Prestige und Anerkennung. Alles drehe sich in der zehnten Klasse darum, ob man zu der Gruppe der „Spätpubertierer, Weicheier, Nerds“ und zu denen, „die nach einer schlechten Note in Tränen ausbrechen“, gehöre. Oder ob man stolz Teil der „oberhammer-geilsten-krassesten Gangster-Antischul-Gruppe“ sei, in die alle reinwollen. So wie Paul selbst. Dabei wirkt er in seinem Pullover und unauffälligen Turnschuhen eher harmlos und freundlich als gangster-mäßig. Er lacht und lächelt viel und bietet höflich Wasser und Kaffee an.

Der inzwischen 16-jährige Berliner hat bei einem Schülerpraktikum in der Redaktion vom „Zeit Magazin“ einen Text über sich und seinen Alltag geschrieben, durch den ein Literaturagent auf ihn aufmerksam wurde. So ist sein Buch „Teenie Leaks - Was wir wirklich denken (wenn wir nichts sagen)“ entstanden, das die OP von heute an als tägliche Fortsetzungsgeschichte auf der Kulturseite abdruckt. Die Illustrationen für das Buch hat Paul Bühre selbst angefertigt. Passend zu seinem Berufswunsch: Er könnte sich gut vorstellen, später Comiczeichner zu werden, sagt er.

"Menschen nicht in Schubladen stecken"

Der Titel des Buchs klingt nach einem Generationenporträt. Aber genau so will er sein Werk nicht verstanden wissen: „Menschen kann man nicht in Schubladen sortieren, dazu sind sie viel zu kompliziert und komplex und interessant“, sagt er.

Und trotzdem scheint Paul Bühre nun dafür auserwählt zu sein, der Welt zu erklären, wie Teenager im Allgemeinen ticken. Kaum war sein Buch erschienen, wurde er in Talkshows eingeladen. Dort erzählt er zumeist interessiert dreinblickenden Erwachsenen von Gruppendynamiken auf Schulhöfen, dem Flirten via Facebook, jugendlichem Pornokonsum und dem Schwarmverhalten bei der Kleiderwahl - kurz: Alles darüber, was Teenies interessiert (und Eltern nicht wissen). Und alles, was noch mehr all diejenigen jenseits der 20 interessiert, die sich von ihm einen Einblick in eine unbekannte und rätselhafte Welt unbekannter und rätselhafter Wesen erhoffen, zu denen die eigenen kleinen Kinder irgendwann mutiert sind.

Das öffentliche Interesse an seiner Person nimmt er gelassen und erzählt einfach, wie sein Alltag aussieht. Wer bei Teenagern an „Generation Porno“, pausenlos auf ihre Smartphones starrende oder sich im Dauerrausch befindende junge Menschen denkt - der wird von Paul Bühre entweder enttäuscht oder erleichtert sein. Er sagt, dass er sein Telefon gerne mal zu Hause vergisst. Sein Wissen übers Kiffen, also das Rauchen von Marihuana, bezieht Paul Bühre aus zweiter Hand und seinen ersten Kater hatte er nach einem Barbesuch mit seiner Mutter.

Exkurs in die Welt der Pornographie im Netz

Bliebe die Sache mit den Pornos: „Ab der siebten und spätestens bis zur zehnten haben alle Jungen einen Porno gesehen“, erfährt man in seinem Buch. Und es folgt ein Exkurs darüber, was das Internet in dieser Hinsicht alles zu bieten hat. Aber Paul wäre nicht Paul, wenn er nicht damit abschließen würde, dass er mit seinem Traummädchen gerne einfach nur einen Tee trinken würde.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ nannte ihn einen „Bilderbuchjugendlichen ohne Rebellionspotenzial“. Nach Rebellion sucht man bei Paul Bühre tatsächlich vergeblich. Dafür hat er die Gabe, sich und seine Umgebung genau zu beobachten - mit dem gebotenen Abstand: Sein Buch sei nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Gleichaltrige interessant, sagt er. Dazu ist aber eine Portion Selbstironie und Humor notwendig. 

Und Eltern und Großeltern bekommen hier aus erster Hand einen professionellen, oft erhellenden, bisweilen ernüchternden und meist witzig-coolen Einblick in die komplizierte Welt ihrer Kinder und Enkelkinder ab 15 oder 16 Jahren. Auch über Dinge, die sie vielleicht gar nicht wissen wollen.

von Charlotte Gerling

und Uwe Badouin

Das Buch
Paul Bühre: „Teenie Leaks - Was wir wirklich denken (wenn wir nichts sagen)“, Ullstein Verlag, Berlin; 192 Seiten, broschiert, 16,99 Euro
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