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Expedition in die Todeszone des Himalaya

Thomas Glavinic Expedition in die Todeszone des Himalaya

„Das größere Wunder“ ist Abenteuer- und Liebesgeschichte zugleich. Der Autor Thomas Glavinic hat den spannenden Roman im Hessischen Landestheater vorgestellt.

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Beides grausam, die Liebe und der Tod: Thomas Glavinic las im Hessischen Landestheater aus seinem jüngsten Roman „Das größere Wunder“.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. „Thomas Glavinic ist ein Star der österreichischen Literaturszene“, sagte Friederike Wonschik vom Marburger Literaturforum bei der Begrüßung. „Manche sagen auch, er sei das Enfant terrible.“  Thomas Glavinic wirkte aber gar nicht rebellisch, sondern eher etwas verloren, wie er da im Scheinwerferlicht auf der Bühne saß. Während der Lesung hielt er den Blick meist auf sein Buch geheftet, nur selten hob er den Kopf und schaute ins Publikum. Doch im Laufe des Abends taute er merklich auf. Im Gespräch nach der Lesung gab er sich locker, offen und humorvoll.

Im Zentrum seines Romans „Das größere Wunder“ steht Jonas, ein Mann, der hoch hinaus will. Sein Ziel: Die Besteigung des Mount Everest. Dafür muss er durch die Todeszone, wo die Leichen seit Jahren am Wegesrand sitzen, weil es zu gefährlich ist, sie zu bergen.

Während Jonas sich durch diese menschenfeindliche Gegend hinauf quält, lässt er in Gedanken sein Leben vorüberziehen: die schwere Kindheit, das Schicksal des behinderten Bruders, die ziellosen Reisen durch die ganze Welt und schließlich die Begegnung mit Marie, seiner großen Liebe.

Als Kind schon vom Extremen fasziniert

„Das größere Wunder“ ist packend und anschaulich geschrieben, die Figuren werden durch die äußerst präzise Sprache sehr lebendig. Sehr eindringlich wirkt auch die Schilderung der verkorksten Kindheit von Jonas, beeindruckend auch die Beschreibung der Martern beim Aufstieg auf den Mount Everest. „So fern von den Menschen wie nie zuvor“ fühlt sich der Protagonist während des langen Marsches zum Gipfel.

In der anschließenden Gesprächsrunde wurde der Autor gefragt, wie er auf das Thema Expedition gekommen sei. Schon als Kind sei er von Extrembergsteigern wie Reinhold Messner fasziniert gewesen, erzählte Glavinic. Er selbst interessiere sich aber nur in der Theorie für das Höhenbergsteigen.

Mit Blick auf das Buch ergänzte er: „Für die Liebe muss es schon der Mount Everest sein, da reicht nicht die Eiger-Nordwand.“ Auf die Frage, ob er ein Spezialist für Grausamkeiten geworden sei, erklärte der Schriftsteller: „Das bin ich schon. In der Literatur geht es immer um die Liebe und den Tod. In beiden gibt es Grausamkeiten.“

  • Thomas Glavinic: „Das größere Wunder“, Hanser-Verlag, 528 Seiten, 22,90 Euro.

von Bettina Preussner

 
Zur Person
Thomas Glavinic wurde 1972 in Graz geboren. 1998 erschien sein erstes Buch „Carl Haffners Liebe zum Unentschieden“. Es folgten unter anderem „Die Arbeit der Nacht“ (2006) und „Das Leben der Wünsche“ (2009). Zwei seiner Romane wurden für das Kino verfilmt. Thomas Glavinic bekam zahlreiche Preise und Auszeichnungen, zuletzt den Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Seine Romane wurden in 18 Sprachen übersetzt. Der Autor lebt mit seiner Familie in Wien.
 
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