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Europäischer Jazz im Bigband-Gewand

„marburgjazzorchestra“ Europäischer Jazz im Bigband-Gewand

Moment! Ein Orchester, das Jazz spielt? Müsste das nicht eine Bigband sein? Eigentlich schon, doch anstatt sich am typischen Kanon der amerikanischen Bigband-Ära zu orientieren, präsentierte das „marburgjazzorchestra“ am Samstag in der Waggonhalle vorzugsweise ein originelles Programm europäischer Jazzkomponisten in konzertanter Form.

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Der kanadische Posaunist Allen Jacobsen leitete das „marburgjazzorchestra“.

Quelle: Johanna Wenzel

Marburg. Das Orchester stand unter Leitung des kanadischen Posaunisten Allen Jacobsen, der schon 2010 mit den Marburger Jazzern arbeitete und sein Programm unter anderem auf den renommierten Jazztagen in Mainz vorstellte. Als Zusammenschluss aufstrebender Nachwuchstalente und etablierter Jazzer präsentiert das „marburgjazzorchestra“  ungewöhnliche Bigband-Sounds.

Das mit jeweils fünf Saxophonen, vier Posaunen und vier Trompeten besetzte Ensemble wurde durch Piano, Schlagzeug, Bass und Gitarre komplettiert, wodurch sich ein dichter, raumfüllender Sound ergab, der niemanden im Publikum still sitzen ließ.

Allen Jacobsen wechselte virtuos an diesem Abend zwischen seiner Rolle als Dirigent und Posaunist. Mit seinen humorvollen Ansagen brachte er Musizierende wie Publikum oftmals zum Lachen und schuf so eine intim-familiäre Konzertatmosphäre.

Auch die verloren geglaubten Notenblätter des Gitarristen Daniel Scholz trugen dazu bei. Bei anderen Konzerten vielleicht ein Fauxpas, ist es in diesem Fall  nur ein weiteres Ereignis, das die vermeintliche Distanz zwischen Orchester und Zuhörern aufhob.

Schlagzeuger ragt heraus

Auf die im Jazz üblichen Soli wurde trotz der Größe des Ensembles nicht verzichtet und so zeigte sich die musikalische Raffinesse nicht nur im dynamischen Zusammenspiel, sondern auch in den hervorragenden Einzeldarbietungen der Orchestermitglieder.

Einmalig war auch die Leistung des Schlagzeugers Stefan Tuntkes, der ungeachtet der Vielzahl an Klangfarben und Rhythmen, stets den Takt hielt. Aufgrund einer unerwarteten Erkrankung von Joy Rosenows entfiel ihre Stimme als weitere Klangfarbe, die den ohnehin schon fulminanten Abend nur noch bereichert hätte.

Die Werke „Default Value“ des deutschen Komponisten David Grottschreiber und „Manumoka“ des Finnen Kari Komma überzeugten durch ihre groovige Bassline und pointierten Unisono-Einsätze und markierten den musikalischen Höhepunkt des Abends.

von Johanna Wenzel

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