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Erst Internet, dann Buch und bald im Kino

OP-Buchtipp: Anna Todd: „After passion“ Erst Internet, dann Buch und bald im Kino

Wenn Menschen im Internet Geschichten zu ihren Lieblingsbüchern oder ihren Idolen erfinden, nennt sich das Fanfiction. Inspiriert vom Sänger einer Boyband schrieb eine junge Autorin im Netz einen Liebesroman – der nun als Buch veröffentlicht wird.

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Inspiriert vom Sänger einer Boyband schrieb Anna Todd im Internet häppchenweise einen Teenie-Liebesroman. Jetzt erscheint er als Buch, auch ein Film ist geplant.

Quelle: Heyne-Verlag

Ohne das Internet, da ist sich Anna Todd sicher, wäre ihr Buch niemals so erfolgreich geworden. „Ich hoffe, dass die Leute es trotzdem geliebt hätten, aber es wäre niemals so eine große Sache geworden, das steht fest.“  Die 25-Jährige ist keine gewöhnliche Autorin: Statt über einen Verlag veröffentlichte sie die einzelnen Kapitel ihres Romans zuerst häppchenweise auf der amerikanischen Online-Plattform Wattpad – und baute sich so Schritt für Schritt eine Fangemeinde auf. Die wurde so groß, dass Verlage auf die junge Frau aufmerksam wurden: Nun ist mit „After passion“ Teil 1 ihrer Buchreihe hierzulande erschienen, weitere sind im Lauf des Jahres geplant.

Mittlerweile sind die Rechte nach Angaben des Heyne- Verlags, der Todds Roman veröffentlicht, in 25 Länder verkauft. Die Handlung ist schnell erzählt: Das etwas biedere College-Mädchen Tessa trifft den tätowierten Studenten Hardin, der unfähig ist, Beziehungen einzugehen. Da sich beide jedoch zueinander hingezogen fühlen, entsteht ein Katz-und-Maus-Spiel aus Zurückweisungen und Liebesbekundungen.

Todd beschreibt dabei auch die ersten erotischen Erfahrungen der Studentin. Das Besondere: Der Sänger Harvey Styles von der Boyband „One Direction“ inspirierte Todd zu der Hauptfigur, die für das Buch in Hardin umbenannt wurde. Bei Todds Werk handelt es sich damit um sogenannte Fanfiction – also fiktionale Literatur eines Fans über seine Idole etwa aus Büchern, Filmen – oder eben Musikgruppen.

Das ist dem Verlag zufolge auch ein Grund für den bisherigen Erfolg der „After“-Reihe: „In der Fanfiction gibt es die Möglichkeit, eine große Geschichte neu zu erzählen oder ein bekanntes Idol in die Geschichte einzubeziehen“, erklärt Heyne-Lektorin Anke Göbel. „Wir werden auf jeden Fall immer wieder solchen Geschichten begegnen.“

Die Sex-Trilogie „Shades of Grey“ etwa entstand in Anlehnung an die Vampir-Saga „Twilight“. Ihren Sado-Maso-Bestseller hatte die britische Autorin E.L. James, die eigentlich Erika Leonhard heißt, ursprünglich für eine Fan-Seite im Internet konzipiert.

Klinger: Fanfiction erkennt der Laie nicht so einfach

Experten zufolge ist das nichts Ungewöhnliches mehr: „Es gibt vor allem im Fantasy-Bereich eine ganze Reihe von professionellen Autoren, die auch Fanfiction geschrieben haben“, sagt Literaturwissenschaftlerin Judith Klinger von der Universität Potsdam „Die Verlage haben das allerdings nicht kommuniziert.“

Bei „After“ sei das nun offensichtlich sogar Teil der Vermarktung. Denn von selbst würden Leser außerhalb der Fangemeinde wohl keinen Unterschied zu anderen Büchern feststellen. „Fanfiction erkennt man nicht, wenn der Verlag es nicht dazu schreibt.“

Für die Autoren gibt es allerdings Unterschiede: Das Schreiben auf einer Internet-Plattform sei wesentlich angenehmer, sagt Anna Todd. „Es ist großartig, sofort Feedback zu bekommen und mit den Lesern in Kontakt zu sein.“ Bei wichtigen Teilen der Handlung habe sie genau auf die Reaktionen und Kommentare der Netzgemeinde geschaut.

Die gedruckte Version der Geschichte dürften nach Einschätzung von Germanistin Klinger daher nicht nur neue Leser kaufen, sondern auch bereits vorhandene Fans – aus Solidarität und dem Gefühl, selbst Teil des Werks zu sein.

Kapitel enden mit Cliffhängern

Aber lohnt sich der Kauf? Nüchtern betrachtet ist „After passion“ ein Teenie-Roman wie viele andere. Die Handlung dreht sich immer wieder im Kreis: Kaum haben die Verliebten zusammengefunden, kommt der nächste große Knall – auf den natürlich die Versöhnung folgt.

Das kann zum Teil durchaus ermüdend sein. Das Buch legt man trotzdem nicht aus der Hand: Die einzelnen Kapitel sind kurz und haben stets einen „Cliffhanger“ – also ein derart geschriebenes Ende, dass der Leser unbedingt erfahren will, wie es weitergeht.

„Ich kann nicht sagen, ob ich ,After‘ liebe oder hasse“, schreibt etwa eine Leserin auf Twitter. „Aber alles, was ich weiß, ist, dass ich unbedingt herausfinden muss, was als Nächstes passiert.“ Wie es für die „After“-Serie weitergeht, steht hingegen schon fest: Das US-Filmstudio Paramount will die Geschichte demnächst auf die Kinoleinwand bringen. Ob One-Direction-Mitglied Harvey Styles dann auch vor der Kamera steht, wurde allerdings noch nicht verraten.

  • Anna Todd: „After passion“, Heyne-Verlag,704 Seiten, 12,99 Euro.

von Antonia Lange

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