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„Erschütternd umfangreiches Werk“

Kunstverein „Erschütternd umfangreiches Werk“

Groß war am Freitag der Andrang bei der Ausstellungseröffnung im Kunstverein. Bis 16. Oktober sind dort Arbeiten von Eckhard Kremers zu sehen, der bis April Professor am Institut für Bildende Kunst war.

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Eckhard Kremers (links) und der Kunstwissenschaftler Dr. Tobias Wall stehen vor einem Gemälde, dessen Titel auf deutsch „Keine Reformen“ bedeutet.Foto: Marcus Hergenhan

Marburg. „Nur die Geweihten erkennen, was die Kirche zusammenhält.“ Mit diesen Worten erläuterte Eckhard Kremers, was sich hinter dem mit Balken verstärkten Kreuz verbirgt, das auf vielen seiner Bilder zu sehen ist.

Die Vorlage dafür lieferte ein Fresco von Giotto, welches die Rückseite einer Kirchenfront zeigt, auf deren Spitze ein hölzernes Kreuz ragt. Damit das Symbol der Christenheit dort stabil stehen bleibt, ist es mit einem Seil gespannt - es hängt leicht schräg. Zusätzlich ist es von hinten mit dicken Bohlen verstärkt. Diese Konstruktionsdetails sind aber nur für die Kirchenleute einsichtig, für gewöhnliche Gläubige ist nur das scheinbar unverrückbar aufragende Kreuz sichtbar.

Am Freitag startete Kremers Ausstellung „Plastisch“, die dieses und viele weitere Werke des Künstlers präsentiert. Die Eröffnung war dabei so gut besucht, dass es trotz der stolzen Fläche von 525 Quadratmetern zeitweilig durchaus eng wurde in den Räumen des Marburger Kunstvereins.

Das Lebenswerk des ehemaligen Professors für Bildende Kunst zeichnet sich vor allem durch seine Vielseitigkeit aus, denn neben unterschiedlichsten Gemälden in Öl sind auch Plastiken aus Pappe und Bronze zu bewundern. Der Kunstwissenschaftler Dr. Tobias Wall hob in seiner Einführung das reichhaltige „Œuvre“, wie die Fachsprache das Gesamtwerk eines Künstlers bezeichnet, hervor: „Das Werk Kremers ist geradezu erschütternd umfangreich, was im Kontrast steht zu dem bescheidenen Schöpfer, welcher mir einmal sagte, er sei kein fertiger Maler oder Bildhauer, es bleibe alles ein Experiment.“

Die teilweise sehr düsteren Arbeiten mit kopflosen Figuren und dem wiederkehrenden Kirchenthema beeindruckten die Gäste. „Besonders die Bronzearbeiten haben mir sehr gut gefallen“, urteilte etwa Haruka Shibuya, die aus Japan stammt und darüber nachdenkt, in Deutschland Kunst zu studieren.

Kremers verbrachte selbst einige Jahre im Land des Lächelns und ließ sich durch dessen reichhaltige Kultur inspirieren.

Tobias Wall betonte zwar in seiner Rede, dass es dem Künstler oft ganz bewusst nicht darum gehe, eine Botschaft zu übermitteln, dennoch lässt sich in einem seiner jüngeren Werke mit dem Titel „keine Reformen“ durchaus eine Anspielung auf die Unwilligkeit der katholischen Kirche zur Anpassung erkennen.

Die Ausstellung ist bis zum 16. Oktober im Marburger Kunstverein zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei Öffentliche Führungen finden jeden Samstag um 16 Uhr statt. Schulklassen können Führungen nach vorheriger Anmeldung vereinbaren, Telefon 06421/25882.

von Marcus Hergenhan

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