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„Er hat alles in Grund und Boden kritisiert“

Theater Gegenstand: Kurt Tucholsky „Er hat alles in Grund und Boden kritisiert“

Kurt Tucholsky war ein begnadeter Autor, Lyriker und Liedtexter. Doch auch ein Mann voller Widersprüche. Inga Berlin und Simon Rustler vom Theater Gegenstand gaben in der Waggonhalle einen Einblick in das Leben und die Werke des wortgewandten Intellektuellen (1890 bis 1935).

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Simon Rustler und Inga Berlin gaben einen Einblick in Leben und Werk Kurt Tucholskys.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Die szenische Lesung war wie ein Interview aufgebaut, das Rustler nach dem Tod Tucholskys mit seiner zweiten Ehefrau, Mary Gerold, führte.

Kulisse und Kostüme entsprachen dabei dem Stil der späten 1940er- oder 1950er-Jahre. Chronologisch wurde ein Blick auf die Biographie des linken Vorbildes geworfen, immer wieder unterbrochen von Texten, Liedern – 
gesungen von Berlin, begleitet von Rustler am Klavier – und Gedichten aus seiner Feder.

Der berühmte Ausspruch „Soldaten sind Mörder“ durfte dabei natürlich nicht fehlen. Kritik an Nationalismus und Militär war das wohl stärkste Motiv in Tucholskys Karriere als Journalist, Autor und Dichter in der Weimarer Republik.

Fragen zu zwiespältiger Persönlichkeit

Exemplarisch dafür stand unter anderem der Chanson „Der Graben“, in dem er 1926 die Sinnlosigkeit der Krieges anprangerte. Auch den Kapitalismus, mit dessen ungerechter Verteilung, kritisierte Tucholsky.

Dabei habe der Denker aber auch Dinge getan, die seiner Überzeugung eigentlich widersprachen, betonte das Darsteller-Duo. So habe er aufgrund guter Bezahlung auch Artikel „für die deutsche Sache“ geschrieben – diesen „Fehler“ aber später bereut. Zwiespältig war auch sein Verhältnis zu Frauen. Mit vielen Affären demütigte er seine Ehepartnerinnen.

„Er hat alles in Grund und Boden kritisiert“, sagte Rustler. Zunehmend habe er dabei auch Verbitterung über die politischen Verhältnisse verspürt. Ausgerechnet aber, als die Nazis die Macht in Deutschland übernahmen, zog er sich in sein schwedisches Exil zurück und weigerte sich, seine Stimme dagegen zu erheben.

Eindrucksvoll inszenierten die beiden Schauspieler die Persönlichkeit und das Vermächtnis Tucholskys. Rustler warf die Fragen auf, die sich zu den Widersprüchen in Tucholskys Leben stellen. Inga Berlin als Ehefrau versuchte darauf eine Antwort aus der Sicht des Publizisten zu geben.

von Peter Gassner

 
 
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