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Entführung in eine Zauberwelt

Marionettentheater Schartenhof Entführung in eine Zauberwelt

Von Zeit zu Zeit verwandelt sich der Schartenhof in das vermutlich kleinste Opernhaus der Welt.

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Annemarie Gottfried hat die Marionetten mit viel Liebe zum Detail entworfen: Eremit (von links), Fürst Ottokar, „Bösewicht“ Kaspar, Agathe, Max, Ännchen und Erbförster Kuno.

Quelle: Michael Arndt

Eckelshausen. Was 1997 ganz klein mit Mozarts einaktigem Singspiel „Bastien und Bastienne“ anfing, ist nun bei der großen romantischen Oper angekommen: „Der Freischütz“, das 1821 uraufgeführte Meisterwerk Carl Maria von Webers, gelangte jetzt im Marionettentheater Schartenhof zur langanhaltend gefeierten Premiere.

Vom treuen Publikum mit Nachdruck gefordert, hat sich Regisseur Max Wichtl, ein ausgewiesener Opernkenner, lange dagegen gesperrt, die Geschichte über den an Versagensängsten leidenden Jägersburschen Max zu inszenieren, da dort, wie er vor der Premiere sagte, der Chor nicht nur eine kommentierende Rolle spielt, sondern zum Protagonisten wird. Das sei mit „nur“ sechs Marionettenspielern, die ja auch insgesamt neun Solisten zu führen haben, nicht zu stemmen.

Gut, dass Wichtl seinen Widerstand aufgegeben hat. Denn „Der Freischütz“, den der vor kurzem 90 Jahre alt gewordene Gast aus Wien gemeinsam mit seiner Frau Waltraud Wichtl-Bleier für die Marionettenbühne eingerichtet und inszeniert hat, ist ein Ereignis, das sich kein Opernliebhaber entgehen lassen sollte – auch wenn der Chor nur aus dem Off erklingt. Es vermisst ihn niemand wirklich in dieser Zauberwelt, die so auf keiner großen Opernbühne mehr zu erleben ist.

Marionettenspieler reisen von weit her an

Da sind die fantastischen gemalten Prospekte, die stimmungsvolle Beleuchtung, mit denen Heinz Zürcher Schauerromantik widerspiegelt. Und da sind die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Marionetten aus der Werkstatt der 91-jährigen Annemarie Gottfried, die insgesamt für das Eckelshäuser Opernhaus in 19 Jahren 160 Figuren gefertigt hat – eine weltweit vermutlich einzigartige Leistung, wie Wichtl betonte.

Zum Leben erweckt werden sie von den Marionettenspielern, die zum Teil schon von Anfang an dabei sind, damals noch als Schüler, inzwischen aus alter Verbundenheit von weit her anreisen, zum Beispiel aus Österreich und der Schweiz: Susanne Brunner, Mareile Zürcher, Jule Bernshausen, Andreas Schubert, Samuel Kempkes und Evelyn Bamberger.

Gesungen und gesprochen wird aus dem Jenseits: Die Sänger der 1968 in München entstandenen Aufnahme sind nicht mehr am Leben, die Stimmen von Birgit Nilsson (Agathe), Erika Köth (Ännchen), Nicolai Gedda (Max), Walter Berry (Kaspar) und Franz Crass (Eremit) aber unsterblich geworden.

Eine Marionette unterscheidet sich deutlich von den anderen: der weise Eremit, der mit seinem Erscheinen als „Deus ex Machina“ alles zu einem guten Ende führt. Sein Gesicht besitzt eine Lebendigkeit, die phänomenal ist. Vielleicht findet seine Schöpferin sich in ihm wieder – mit seiner so nur im hohen Alter vorhandenen Lebensweisheit und menschenfreundlichen Güte.

  • Karten gibt es nur noch für die Zusatzvorstellung am kommenden Samstag ab 11 Uhr sowie für die Termine im kommenden Jahr am 6., 7., 13. und 14. Februar. Infos von 14 bis 18 Uhr unter Telefon 06461/2710.

von Michael Arndt

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