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Ensemblegeist und feurige Intensität

Abschlusskonzert der Eckelshausener Musiktage 2013 Ensemblegeist und feurige Intensität

Ein Streichsextett der renommierten Kronberg Academy bot am Pfingstmontag im Fürstensaal vor knapp 200 Zuhörern eine kammermusikalische Sternstunde mit Werken von Dvorák und Tschaikowksi.

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Friedemann Eichhorn (von links), Niklas Liepe, Eri Sugita, Georgy Kovalev, Istvàn Várdai und Anastasia Kobekina musizierten beim Abschlusskonzert der 27. Eckelhausener Musiktage im Fürstensaal des Marburger Landgrafenschlosses.Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Werke für Streichsextett spielen in der Musikgeschichte keine herausragende Rolle. Gleichwohl existieren einige bedeutende Kompositionen, die jedoch selten im Konzertsaal zu erleben sind, weil es nur wenige ständige Ensembles dafür gibt. Und aufeinander eingespielte Streichquartett-Formationen tun sich oft schwer, zwei gleichwertige Partner als Ergänzung zu finden.

Schon deshalb besaß das Abschlusskonzert der 27. Eckels-hausener Musiktage Ausnahmerang, zumal dort gleich zwei romantische Meisterwerke der Streichsextett-Literatur erklangen. Die jungen Solisten der Kronberg Academy hatten sie eigens dafür einstudiert. Und sie boten mit dem A-Dur-Sextett op. 48 von Antonín Dvorák sogar eine Marburg-Premiere, während das d-Moll-Sextett op. 70 von Peter Tschaikowski beim Konzertverein zuletzt vor vier Jahrzehnten zu hören war, wobei der damalige OP-Berichterstatter das „Souvenir de Florence“ als „gehobene Unterhaltungsmusik“ herabsetzte.

Über Dvoráks Sextett hat Johannes Brahms, der selbst zwei hochbedeutende Werke dieser Gattung komponiert hat, geurteilt, es sei „unendlich schön“. Und dasselbe lässt sich auch über Tschaikowskis „Erinnerungen an Florenz“ sagen, die er auf seine vorletzte und düsterste Oper „Pique Dame“ folgen ließ. Beide Komponisten gießen ein wahres Füllhorn an eingängigen Melodien über den Zuhörern aus, verströmen ihr Herzblut und geben dem Ganzen gleichzeitig eine kunstvoll-ausgewogene kammermusikalische Form.

Das ist nicht einfach zu spielen. Aber die fünf jungen Musiker, die entweder noch an der Kronberg Academy studieren oder diese bereits absolviert haben, zeigten vorbildlichen, fein aufeinander abgestimmten Ensemblegeist und musizierten mit einer derart feurigen, jugendfrischen Intensität, dass die knapp 200 Zuhörer sich am Ende zum Applaudieren geschlossen von den Sitzen erhoben.

Am ersten Pult spielte der 42-jährige Friedemann Eichhorn als Primus inter pares mit seinen zwischen 19 und 27 Jahren jungen Kollegen. In Weimar ist Eichhorn Professor, in Kronberg leitet er das Fachgebiet Ausbildung. Und er ist ein Meistergeiger, wie er mit seinen Soli voller gesanglicher Süße bewies, etwa im Adagio cantabile des Tschaikowski-Sextett, wo sich auch der Yuri-Bashmet-Schüler Georgy Kovalev mit sinnlich-sonorem Viola-Ton hervortat und István Várdai eindringliches Cello-Belcanto bot - dies alles eingebettet in den bei aller orchestralen Fülle stets transparent aufgefächerten Ensembleklang, an dem auch der Geiger Niklas Liepe, die Bratschistin Eri Sugita und die Cellistin Anastasia Kobekina entscheidenden Anteil hatten.

Bilanz und Ausblick

Die Kooperation mit der Kronberg Academy ist „der Beginn einer Partnerschaft“, sagte gestern auf Nachfrage der OP Mareile Zürcher, die in Eckelshausen Schatzmeisterin sowie für die Festivalkoordination zuständig ist und in Kronberg das Fachgebiet Veranstaltungen leitet. Das heißt, es wird auch bei den 28. Eckelshausener Musiktagen wieder einen Auftritt junger Solisten der Kronberg Academy geben.

Mit der künstlerischen Bilanz und dem Publikumszuspruch des am Montag nach zehn Konzerten zu Ende gegangenen 27. Festivals ist Zürcher außerordentlich zufrieden. „Wir hatten insgesamt 1600 Besucher“, sagt sie. Damit sei auch die Finanzierung der mit 112000 Euro kalkulierten Veranstaltungsreihe gesichert, die zu 75 Prozent über die Eintrittskarten bezahlt werde.

Bewährt habe sich auch, bei der Auswahl der Werke und Interpreten auf Vielfalt zu setzen. „Mit ElbtonalPercussion haben wir neue Zuhörerkreise erreicht“, berichtet Zürcher.

von Michael Arndt

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