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Von Sommerregen und Wolkentälern

„Ensemble Santiago“ in der Waggonhalle Von Sommerregen und Wolkentälern

Die Wirkung von Wasser interessiert den Musiker Johannes Treml, Dozent an der Musikschule Marburg, schon seit langer Zeit. Am Samstag brachte er mit dem Ensemble ­Santiago Musik rund ums Wasser auf die Bühne.

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Katharina Fendel (hintere Reihe, von links), Annika Rink, Johannes Treml und Christoph Oppen­heimer wurden bei einem Stück in der Waggonhalle von zwei Frauen unterstützt, die zu den ­„WasserKlangWelten“ Wasser schöpften.

Quelle: Beatrix Achinger

Marburg. Spätestens seit der Begegnung mit den Experimenten des Japaners Masuro Emeto, der die Wirkung von Botschaften oder Musik auf die Kristallisation von Wasser untersucht hatte, fand das Element Eingang in die Musik Tremls. Auch in der zentralasiatischen Musiktherapie nimmt das Schöpfen von Wasser eine tragende Rolle ein.

Am Samstag entführte das Ensemble Santiago die Zuhörer in der nahezu ausverkauften Waggonhalle in „WasserKlangWelten“, so der Name ihres Programms. Nach dem instrumentalen Einstieg, der atmosphärisch einen sanften Sommerregen im bewaldeten Gebirge mit gelegentlichem Bachrauschen nachempfand, folgte eine „Estampie“ aus dem 12. Jahrhundert, ein Tanzlied eines wandernden Sängers oder Troubadours. Mit mittelalterlicher Phrasierung und Harmonik beeindruckte auch „El agua del rio“, ein Lied, bei dem Gitarristin Annika Rink mit ihrer klaren und ganz zart verruchten Mezzosopran-Stimme begeisterte.

Aus gesundheitlichen Gründen mussten die Zuhörer – wie auch die Gruppe – auf Sängerin Agnes Lies-Crone verzichten, was der Musik- und Spanischstudentin Annika Rink eine intensive Woche mit dem Lernen neuer Lieder und Stücke verschaffte. Die Früchte ihrer Arbeit sprachen, auch nach dem Applaus zu urteilen, allerdings für sich.
Den Abend prägte Barock- und Renaissancemusik, die als Liebeserklärung an das Wasser verstanden werden kann. Stücke und Lieder aus Kanada, Irland, Spanien, den USA, Westafrika, Brasilien und Peru waren in detailverliebten Arrangements zu hören.

Überragendes und authentisches Flair

Dabei erhielt das Element Wasser verschiedenartige Rollen. Teilweise ließ das Ensemble ethnische Rituale durch Musik und Inszenierung nachempfinden, etwa in Máximo Diego Pujols „Buenos Aires“. Während der Darbietung gesellten sich zwei Frauen auf die Bühne, die aus großen Schalen Wasser schöpften, was mit den Klängen für ein überragendes und authentisches Flair im Raum sorgte. Auch ethnische Instrumente setzte das Ensemble ein. So griff Annika Rink zwischenzeitlich zum Charango, einem Zupfinstrument der südamerikanischen Andenregion.

Christoph Oppenheimer spielte Batás, afrikanische Trommeln, die auch in karibischen Regionen Einsatz finden. Für sein Solo – nur wenige Mitteleuropäer sind dieses Instruments mächtig – erntete er fulminanten Applaus. Den Abschluss fand das Konzert in der eigenen Bearbeitung eines Popsongs der Band „Hillsong United“. „Oceans“ war mit beeindruckender rhythmischer Spielerei zu hören und zu sehen.

Johannes Treml gründete gemeinsam mit der Marburger Musikschuldozentin Katharina Fendel 2008 das „Duo Santiago“, dass sich wenig später durch Christoph Oppenheimer, ebenfalls Musikschuldozent, zu einem Trio erweiterte. Schon seit diesen Tagen standen barocke Musik und Stücke aus verschiedenen Kulturen auf dem Programm. Seit dem letzten Jahr komplettieren die beiden Sängerinnen Annika Rink und Agnes Lies-Crone die Gruppe.

von Uwe Badouin

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