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Chor erinnert an alten Meister

Ensemble Saltarello Chor erinnert an alten Meister

Eine interessante Einführung in das Wirken von Heinrich Schütz (1585 – 1672) mit einer Gegenüberstellung zu Lehrern und Weggefährten gab das Ensemble Saltarello 
in der Pauluskirche.

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Das Ensemble Saltarello faszinierte das Publikum in der Pauluskirche mit einem sorgfältig ausgewählten Programm.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Wenn es um Alte Musik geht kommt man in Marburg dieses Jahr um zwei Personen nicht herum. Martin Luther, der mit seinen deutschsprachigen Chorälen die Kirchenmusik nachhaltig beeinflusste – und Heinrich Schütz. Der sächsische Komponist gilt als der bedeutendste deutsche Komponist des Frühbarocks. Ihm zu Ehren wird im September das 48. Internationale Heinrich-Schütz-Fest in Marburg gefeiert. Schütz, der 1608 bis 1609 in Marburg ­Jura studierte, brachte von seinen Reisen nach Italien etwa die neue Generalbass-Technik mit und verband diese mit deutschen Bibeltexten.

Wie wunderschön Heinrich Schütz ausgewählte Bibelstellen mit Musik verband, zeigte das Ensemble Saltarello bei seinem Konzert. Immer wieder stellten sich die zwölf Sängerinnen und Sänger zu anderen Formationen auf. Das sorgte für Abwechslung und griff gleichzeitig die Aufführungspraxis der damaligen Zeit auf. So sangen immer wieder Solisten aus jeder Stimmlage in kunstvoller Mehrstimmigkeit miteinander und mit dem kräftigen Chor. Die Laiensänger überzeugten dabei mit sicherem Auftreten – sowohl bei solistischen als auch bei virtuosen Choreinsätzen, wie etwa bei der Kanzone „Nun lob, mein Seel den Herren“, aus den „Psalmen Davids“.

Meisterhafte Mehrchörigkeit

Diese Psalmvertonung stand ebenso wie der etwas einfachere „Beckersche Psalter“ exemplarisch für das Schaffen von Schütz. Immer wieder stellte der Chor auch Psalm in unterschiedlichen Kompositionen vor. Gleich drei Mal erklang der „Beckersche Psalter“. Neben zwei Versionen von Schütz sangen die Laiensänger den Psalm als Doppelmotette von Georg Weber, die Dirigent Tobias Irmscher aus alten, für jede Stimmlage einzelnen Büchern in aktueller Notation aufbereitet hatte.

Weitere wichtige Lehrer des Komponisten waren etwa Giovanni Gabrieli, dessen letzter Schüler Heinrich Schütz war. Aus der Gegenüberstellung wurde deutlich, wie Schütz die meisterhafte Mehrchörigkeit Gabrielis auf seine Kompositionen anwendete. Wie Gabrieli setzte Schütz etwa bei der „Cantate Domino canticum novum“ auf imitatorische Einsätze und kunstvolle Verzierungen, die jedoch nicht so ausgeprägt waren, wie beim Italiener. Dazu kamen Kompositionen von Georg Otto oder auch vom Landgrafen Moritz dem Gelehrten, der den 14-jährigen Schütz bei ­einem Aufenthalt im Gasthof seiner ­Eltern entdeckt hatte.

Das Ensemble Saltarello hatte sich intensiv mit der Aufführungspraxis der Werke auseinandergesetzt. So übernahmen bisweilen Musiker mit den historisierenden Instrumenten einzelne Stimmen. Ein Mittel, das Schütz vorsah, als er während des Dreißigjährigen Krieges mit Sparmaßnahmen am Hof zu kämpfen hatte. Die gut 100 Besucher bedankten sich mit kräftigem Applaus und teilweise stehenden Ovationen für ein gelungenes Konzert, das die Bedeutung von Heinrich Schütz etwas verständlicher machte.

von Mareike Bader

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