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Eleganter Krimi weitet den Horizont

Krimifestival: Malla Nunn Eleganter Krimi weitet den Horizont

Wer in Swaziland geboren, mit der Apartheid groß geworden und nach Australien emigriert ist, der hat was zu erzählen. Und das tut Malla Nunn, indem sie Politik in Krimis packt.

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Die Südafrikanerin Malla Nunn (rechts) und ihre deutsche Übersetzerin Else Laudan stellten Nunns Roman „Zeit der Finsternis“ beim Marburger Krimifestival vor.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Wow, wow, wow.“ Die Reaktion von Buchhändler Manfred Paulsen auf den ersten Krimi, den er von Malla Nunn gelesen hat, fiel eindeutig aus. Begeisterung.

Und auch die Frau, die Nunns aktuellen Roman „Zeit der Finsternis“ ins Deutsche übertragen hat, schwärmt von der literarischen Finesse der gebürtigen Süd-Afrikanerin. „Es ist eine große Freude, aber auch eine höllische Herausforderung, sie zu übersetzen“, sagt Else Laudan über Malla Nunn.

Die beiden Frauen bestritten die Lesung aus „Zeit der Finsternis“ am Montagabend im TTZ gemeinsam. Dass das Krimifestival die Autorin aus Australien nach Marburg holen konnte, lag daran, dass sie derzeit sowieso auf einer kleinen Lesereise unterwegs ist.

Tatort: Süd-Afrika, in den 1950ern

Ursprünglich hatte ein finanzkräftiges Festival aus Hamburg sie eingeladen, dann aber einen Rückzieher gemacht, erzählte Else Laudan. Weil Malla Nunn aber noch nie in Deutschland gewesen ist und große Lust hatte, zu kommen, kam sie eben trotzdem und machte Station bei mehreren kleineren Events.

Mit Deutschlands Geschichte verbindet die Autorin indes schon einiges. Eine Figur in ihren Krimis ist Dr. Daniel Zweigman, ein deutscher Jude. Ihre Mutter habe für eine jüdische Familie in Süd-Afrika gearbeitet und immer Geschichten erzählt; sie selbst heiratete später einen jüdischen Filmemacher, mit einer Menge Ärzten in der Verwandtschaft, so Nunn. Das, worüber sie schreibt, hat immer auch mit ihrem Leben zu tun.

Nicht umsonst spielen die Handlungen in ihren Krimis im Süd-Afrika der 1950er-Jahre. Als sie mit ihrer Mutter für eine Dokumentation in ihr Geburtsland zurückreiste, aus dem die Familie nach Australien emigriert war, haben all ihre Verwandten immer wieder über diese Zeit gesprochen. „Es war die Zeit, die für meine Familie alles verändert hat“. Eine Zeit, in der sich die Apartheid manifestierte.

Und die Rassentrennung machte auch vor Familien nicht Halt. Indem sie die politische ­Situation und die Lebensumstände der damaligen Zeit thematisiert, versuche sie, ihre Familie und sich selbst besser zu verstehen, sagt Marla Nunn.

„Kurze Sätze benutzen!“

Der (weiße) Detective Sergeant Emmanuel Cooper (der eine heimliche Beziehung zu einer farbigen Frau und eine Tochter mit ihr hat) ermittelt in „Zeit der Finsternis“ zum dritten Mal.

Ein Ehepaar wird ausgeraubt und ermordet und die 15-jährige Tochter beschuldigt einen jungen Zulu, noch dazu den Sohn eines Kollegen von Cooper, der Tat. Nunn sei eine Meisterin darin, „die Unterdrückung noch in der leisesten Körpersprache darzustellen“, heißt es in einer Rezension der „taz“. Übersetzerin Else Laudan sagt, Nunns „elegante Kriminalromane weiten den Horizont und nähren die Vorstellungskraft“. Und das tun sie in der Tat.

Im Anschluss an die Lesung mit Passagen auf Deutsch und aus dem englischen Original beantworteten die beiden die Fragen des Publikums. Fernab der politischen Thematik wollte eine Besucherin wissen, wie es der Autorin gelungen sei, aus der Perspektive eines männlichen Protagonisten zu schreiben. „First: use short sentences!“ (Zu allererst: kurze Sätze benutzen!), scherzte Nunn.

Sie habe nicht wirklich darüber nachgedacht oder sich bewusst bemüht, eine männliche Perspektive einzunehmen, erläuterte sie. Es ging ihr darum, eine Geschichte zu erzählen. Und Emmanuel Cooper sei schon lange in ihrem Kopf gewesen. Mit jedem Krimi lerne sie ihn nun besser kennen.

von Nadja Schwarzwäller

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