Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Eintauchen in eine dunkle Bilderwelt

Andreas Steinhöfel aus Biedenkopf Eintauchen in eine dunkle Bilderwelt

Bücher wie „Die Kinder im Wind“ des Biedenkopfers Dirk Steinhöfel sind extrem selten. Der in Bildern erzählte Roman ist aufwändig zu produzieren und teuer. Der Thienemann-Verlag hat das Liebhaber-Projekt gewagt.

Voriger Artikel
Papa Stromberg kommt nach Marburg
Nächster Artikel
Erinnerung an Weltstars

Puppen führen den misshandelten Jungen Wagner zu einem Zug. In aufwändig modellierten Bildern erzählt Dirk Steinhöfel aus Biedenkopf eine traurige und zugleich hoffnungsvolle Geschichte.Fotos: Thienemann-Verlag

Biedenkopf. Die Steinhöfels sind eine ungewöhnlich kreatives Brüderpaar: Andreas ist heute einer der erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren, sein jüngerer Bruder Dirk ein zunehmend erfolgreicher Illustrator. Beide leben in Biedenkopf.

Dirk Steinhöfel ist über den Umweg einer Ausbildung zum Porzellanmaler zu Buchillustrationen gekommen, hat Buchcover gestaltet für seinen Bruder Andreas, für Isabel Abedi, für Kai Meyers erfolgreiche „Wellenläufer“-Trilogie.

2011 kam dann der Durchbruch: Dirk Steinhöfel illustrierte das von seinem Bruder Andreas übersetzte Buch „Die Wolke“ von P.B. Shelley. Ein Jahr später kam sein erstes eigenes Kinderbuch auf den Markt: „Jakob und der große Wagen“, wieder mit fantastisch-fantasievollen Illustrationen, die Dirk Steinhöfel am Computer kreiert.

Jetzt liegt sein erster „Roman“ vor. „Die Kinder im Wind“ erzählt mit eindrucksvollen Illustrationen und wenig Text ganz im Stil einer Grafic Novel die Geschichte eines kleinen Jungen namens Wagner, der eine lieblose Kindheit verarbeiten muss. Seit 2007 hat Dirk Steinhöfel an diesem Buch gearbeitet. Dieser Wagner ist ein ungeliebtes Kind. Puppen retten ihn aus seiner trostlosen Welt, nehmen ihn mit in einen Zug, in dem er auf andere Kinder trifft, denen es ähnlich geht.

Die am Computer aufwändig modellierten Bilder sind berückend - traurig, oft düster, metaphorisch. Steinhöfel zeigt eindringlich die seelischen Verletzungen von Kindern, verarbeitet damit auch seine eigene Kindheit mit einem gewalttätigen Vater, wie er in einem Interview erklärte: „Erlebnisse aus der Vergangenheit prägen die eigene Zukunft.“ Er will, dass die Menschen hinsehen. Und doch will Steinhöfel mit seinem „Entwicklungsroman“ auch Hoffnung verbreiten. Die Hoffnung, dass man seine Ketten sprengen kann.

Dirk Steinhöfel: „Die Kinder im Wind“, Thienemann-Verlag, 224 Seiten, 39,99 Euro

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr