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Einmal Komparse sein beim Film

„Conni & Co 2“ Einmal Komparse sein beim Film

Peter Ziegenspeck aus Schwarzenborn war einer von fast 80 Komparsen, die bei Til Schweigers Film „Conni & Co“ mitwirkten.  Er hat gefroren und geschwitzt, viel gewartet und ist viel gelaufen.

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Das Foto zeigt Komparsen, die am Dienstag am Set des Films „Conni & Co 2“ auf dem Marktplatz auf ihren Einsatz warten.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. „Ich wollte mal wissen, wie das ist beim Film“, erzählt Peter Ziegenspeck der OP. Kaum war der Aufruf in der OP erschienen, dass Til Schweiger für seinen neuen Film „Conni & Co 2“ in Marburg Komparsen sucht, hat er sich sofort beworben. Und er wurde eingeladen. Komparsen sorgen für belebte Stimmung im Hintergrund. Sie sind namenlose Bevölkerung, ohne die ein Film nicht auskommt.

Der rüstige 75-Jährige wurde für Dienstag eingeladen: Drehtag auf dem Marktplatz. Vorab gab es bereits jede Menge Informationen vom Filmteam: „Es wäre toll, wenn du dir den ganzen Tag freihalten könntest“, wurde ihm per E-Mail mitgeteilt. Gage gab es nicht, nicht einmal Parkgebühren wurden ihm aus dem Fünf-Millionen-Euro-Etat des Films erstattet – aber für Verpflegung am Set sei gesorgt. Andere bekamen eine Aufwandsentschädigung – die Kriterien sind ihm nicht klar. Aber er habe es ohnehin nicht wegen des Geldes gemacht, sagt er: „Ich hab‘ Zeit und es hat mich interessiert.“

Kostüme: Sommerliche Kleidung, aber nicht zu chic

Die Komparsen wurden gebeten, auch ihre „Kostüme“ mitzubringen: zwei bis drei Wechselsachen, „kleinstädtische, sommerliche, ländlichere Kleidung, nicht zu chic“. Die Farben? Gedämpft – sommerlich freundlich, aber keine schrillen, knalligen Farbtöne“. Auf keinen Fall Lila, kein starkes Blau, kein Knallrot, kein Schwarz, kein Weiß. Keine Drucke, keine Aufnäher, keine Logos – also keine Werbung.

„Wir sollten morgens um 6.30 Uhr in der Aulgasse sein“, sagt Ziegenspeck  (Foto: Uwe Badouin), der in Cölbe seit vielen Jahren im Gemeindeparlament sitzt, Ortsgerichtsvorsteher und Schiedsmannvorsteher ist. In der Aulgasse war der Umkleideraum. Dort seien ihnen noch einmal die Regeln erklärt worden: Keine Fotos, kein Alkohol und kein Essen am Drehort.

Um 8.30 Uhr sollte es losgehen. Manche hatten kurze Hosen, Frauen kurze Sommerkleider an – aber es war bitterkalt. „Wir haben Decken bekommen und uns eingemummelt“, erzählt er. Und dann hieß es: warten.

Til Schweiger sei so gegen 10 Uhr gekommen. „Er hatte ein Kapuzensweatshirt an. Er hat das Ding den ganzen Tag nicht ausgezogen, selbst als es Mittags heiß wurde“, wundert sich Ziegenspeck. Danach begann die Arbeit: Sie wurden über den Platz verteilt, allein, zu Paaren oder zu dritt angeordnet.

Die Befehle der Aufnahmeleitung hört er noch Tage später im Kopf: „Und . . .  Bitte!“ Das bedeutete loslaufen. Und wieder zurück auf Anfang. Und wieder loslaufen. Und zurück auf Anfang. „Und bitte merkt euch, wo ihr gestanden habt und wie ihr gelaufen seid“, hätten die Anweisungen gelautet.

Ein anstrengender, aber aufregender Tag

Wie viele Kilometer er gelaufen ist? „Oh Mann“, sagt er nur. „Immer wieder über den Marktplatz hin und her.“ Und Mittags wurde es richtig heiß. In einer weiteren Szene musste er in einem Café Platz nehmen: „Wir waren froh, weil wir mal im Schatten saßen. Dann haben sie aber die Sonnenschirme weggeklappt. Sie bräuchten das Licht.“ Bei einer weiteren Szene habe man ihn nicht mehr eingesetzt.  „Den können wir nicht noch einmal nehmen, der ist so oft im Bild“, hätten die Filmemacher gesagt.

Bis 17 Uhr war er eingespannt. Es sei anstrengend gewesen, aber: „Es hat Spaß gemacht, selbst die viele Warterei“, sagt Peter Ziegenspeck, zumal die Komparsenbetreuer sehr nett gewesen seien. Was er bedauert: „Nicht ein Mal hat der Regisseur Til Schweiger bei uns vorbeigeschaut, guten Tag, vielen Dank oder auf Wiedersehen gesagt.“ Selbst ein zugesichertes Komparsenfoto – für viele das einzige Andenken an den anstrengenden Tag – habe es nicht gegeben. „Ich habe hier zehn Stunden gestanden und bin viele Kilometer gelaufen und habe kein Erinnerungsfoto und nicht einmal ein Autogramm. Das hätte man aber ruhig machen können, da hätten sich bestimmt alle gefreut.“

Zudem sollte er Til Schweiger von seiner Frau grüßen. Die habe früher in einer Zahnarztpraxis gearbeitet und den Star „als kleinen Steppke von 6, 7 oder 8 Jahren gekannt“. „Aber dazu kam es ja gar nicht.“

von Uwe Badouin

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