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Eingeholt von der Vergangenheit

Criminale: Elisabeth Herrmann liest Eingeholt von der Vergangenheit

Ihren neuen Roman ­„Totengebet“ stellt Elisabeth Herrmann bei einer Benefizlesung im Rahmen der Criminale vor. Die ­Geschichte spielt in Berlin und Tel Aviv – zu Israel 
hat die Autorin eine ganz besondere Beziehung.

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Die gebürtige Marburgerin Elisabeth Herrmann stellt in Marburg ihren Krimi „Totengebet“ vor.

Quelle: Boris Breuer, Goldmann-Verlag

Marburg. Die Criminale ist das große Krimifest des Syndikats, einer Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur, das in diesem Jahr in Marburg stattfindet, mit Lesungen, Gesprächsrunden, Signierstunden und Workshops. Ein Höhepunkt ist die Lesung der aus Marburg stammenden Elisabeth Herrmann, die heute in Berlin lebt.

Sie liest am Mittwoch, 20. April, ab 19.30 Uhr in der Lutherischen Pfarrkirche für einen guten Zweck: Die Eintrittsgelder gehen an das Marburger Projekt „Crossover-Cooking“ für unbegleitete Flüchtlinge in Marburg und das musikalisch-pantomimische Theaterprojekt „Fliehkräfte“ für Flüchtlinge, die im Landkreis Marburg-Biedenkopf eine neue Heimat gefunden haben.

Es wird aber nicht nur gelesen: Landrätin Kirsten Fründt und die Marburger Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach werden in einer launigen Talkrunde vom ­Autoren und Ehrenglauser-Preisträger Jürgen Alberts ins Kreuzverhör genommen. Passend dazu liefert Professor Martin Weyer an der Orgel den mörderisch-musikalischen Rahmen.

Elisabeth Herrmann liebt die Criminale: „Ich freue mich unglaublich darauf, die Kollegen und Kolleginnen wiederzusehen. Vier Tage am Stück schaffe ich dieses Mal nicht, aber ich habe so viele Termine hineingepackt wie es nur ging.

Eigene Erfahrungen
im Kibbuz in Israel

Nach den Monaten allein am Schreibtisch tut es so gut, andere zu treffen, denen es genauso geht“, sagt die Autorin, die mit Krimis wie „Das Kindermädchen“ oder „Das Dorf der Mörder“ bekannt geworden ist. Ihr Roman „Totengebet“ dreht sich erneut um den Anwalt Joachim Vernau – er kommt in Berlin im Krankenhaus zu sich und kann sich an nichts mehr erinnern.

Er soll in einer U-Bahnstation mehrere Männer in die Flucht geschlagen haben, die einen älteren Herrn bedrängt haben. Aber wer ist die junge Frau mit dem Davidstern, die seitdem durch seine Erinnerung geistert?

Und was hat sie mit den schrecklichen Morden zu tun, die sich wenig später ereignen? Plötzlich steht Vernau unter Mordverdacht und flieht nach Tel Aviv, wo er nach dem einzigen Menschen sucht, der ihn entlasten kann. Und dann holt ihn ein Verbrechen ein, das sich vor über dreißig Jahren in einem Kibbuz in Israel ereignet hat.

In die Handlung hat Herrmann eigene Erfahrungen einfließen lassen. „Ich war vor dreißig Jahren zum ersten Mal in Israel, habe dort in einem Kibbuz gearbeitet und zwei Wochen in Jerusalem verbracht“, erzählt sie. Mittlerweile habe sie Freunde dort.

Ein bisschen wie Archäologie

Zudem gebe es in Berlin, wo sie heute lebt, die größte deutsch-jüdische Gemeinde, viele junge Israelis kommen in die Stadt. „Das Judentum gehört zu meinem Leben, und das ist kein politischer Spruch, sondern gelebte Freundschaft“, betont sie.

Geschichten zu schreiben, die mit der Vergangenheit und der Geschichte zu tun haben, interessiert sie: „Faszinierend daran ist das fast schon archäologische Herangehen. Schicht für Schicht den Staub abtragen und sehen, welche Schätze oder Abgründe zum Vorschein kommen. Wenn es mir gelingt, diesen Prozess in ­eine Geschichte zu verpacken, die die Leser auch noch fesselt, bin ich glücklich.“

Die Geschichte um Vernau wird auch für das Fernsehen verfilmt, Herrmann selbst schreibt – wie bei früheren Verfilmungen auch – das Drehbuch. Allerdings hat der plötzliche Tod von Carlo Rola, dem Regisseur ­früherer Vernau-Verfilmungen, das Projekt gestoppt. „Im Juni hätten die Dreharbeiten begonnen. Carlo Rola hat als Regisseur die Vernau-Filme geprägt.Wir wissen noch gar nicht, wie es ­weitergeht“, sagt Herrmann.

„Das Fernsehformat verlangt eine ungeheure Verdichtung. Da muss man sich manchmal schweren Herzens von Figuren und Handlungssträngen verabschieden. Grundsätzlich sind meine Drehbücher so nahe am Ursprung wie es nur geht“, erläutert sie.

Karten für die Lesung gibt es in den Lesershops der Oberhessischen Presse. Das komplette Programm der Criminale findet man im Internet unter www.die-criminale.de.

von Heike Döhn

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