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Einfach mal mit dem Knie denken

39. Marburger Sommerakademie Einfach mal mit dem Knie denken

Bühnenkampf und Körperstudien, Improvisation und Bildhauerei – bereits zum 39. Mal bietet die Marburger Sommerakademie künstlerische Erfahrungs- und Spielräume.

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Noch sind die Staffeleien leer und die Säle warten auf die Teilnehmer.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Ich denke sowieso mit dem Knie“. Über diesem Zitat des Künstlers Joseph ­Beuys grübelte Annemone Poland schon geraume Zeit.

Wenn man es aber auf den Bereich der darstellenden Kunst überträgt, für den die Schauspielerin und Regisseurin bei der Marburger Sommerakademie die künstlerische Leitung innehat, dann macht es Sinn: „Wenn wir anfangen, etwas zu erfinden, ist es nicht hilfreich, mit unserem normalem Blick und unserem verschulten Verstand zu arbeiten, sondern vielleicht mit dem Knie, der Schulter oder der Nasenspitze“, so Poland.

Der Körper ist das Ausdrucksmaterial in der darstellenden Kunst und vor diesem Hintergrund ermunterte Annemone Poland die Teilnehmer bei der Eröffnung der Sommerakademie am Sonntag, sich zu trauen, auch mal mit dem Knie zu denken. Sozusagen.

In diesem Sinne wünschte auch Martin Seidemann, künstlerischer Leiter für den Bereich bildende Kunst, eine konzentrierte und schöne Zeit in Marburg. „Ich hoffe, es passiert viel mit Ihnen“, sagte der Maler und Grafiker. Der Kunstprozess sei nur bedingt planbar und Seidemann rief die Teilnehmer auf, sich überraschen zu lassen.

Mit Engagement, Ausdauer, Geduld, Lust und auch ein wenig Leidensfähigkeit bei der Sache zu sein und eigene Erfahrungen zu machen – das sei viel wichtiger als ein ergebnisorientiertes Herangehen. Ergebnisse werden aber in diesem Jahr natürlich auch wieder präsentiert: Am Freitag, 5. August, laden Lehrende und Lernende ab 13 Uhr zur „Sommerakademie transparent“, dem Blick hinter die Kulissen, ein. Dann sind zwei der drei Akademiewochen vorbei und einzelne Kurse präsentieren sich und ihre Werkstätten.

Lehrende und Lernende sind gleichberechtigt

Insgesamt 24 Kurse, ein-, zwei- oder dreiwöchig, gehören zum Angebot. Am Eröffnungstag standen 271 Teilnehmer auf den Listen, wobei aktuell immer noch Anmeldungen eingehen. Zum zwölften Mal sind in Kooperation mit Marburgs Partnerstadt Poitiers zwei Teilnehmer aus Frankreich als Stipendiaten zu Gast: Loyse Landoas und Stéphane Triandé heißen sie in diesem Jahr. Zum sechsten Mal gehen auch Stipendien nach Sibiu. Monica Sipos und Stefana Minculete sind aus Rumänien nach Marburg gereist.

Das Team, das sich während der Zeit um die Teilnehmer kümmert, wurde bei der Eröffnung von Akademieleiterin Britta Sprengel vorgestellt. Sie und Karin Stichnothe-Botschafter vom städtischen Fachdienst Kultur sind inzwischen ein eingespieltes Team in Sachen Sommerakademie.

Dass der Begriff „Akademie“ aber bis in die griechische Mythologie zurückreicht, erklärte Stadträtin Ursula Schulze-Stampe bei der Begrüßung der Dozenten und Teilnehmer im Gymnasium Philippinum. Nach Platon ist eine Akademie eine Bildungsgemeinschaft von Lehrenden und Lernenden – „gleich und gleichberechtigt“. Die Grenzen zwischen Generationen und Regionen, sogar Herkunftsländern, zwischen Berufs- und Lebenszusammenhängen werden dabei verwischt.

Zum Rahmenprogramm der Sommerakademie gehören wieder zahlreiche Veranstaltungen wie das „Bergfest“ am 3. August im Gymnasium Philippinum, eine Führung durch die Ausstellung „Hörwelten“ im Marburger Kunstverein mit der Künstlerin Mirja Wellmann am 30. Juli ab 14 Uhr, eine Kurzkrimi-Lesung im Lomonossov-Keller am 1. August ab 20 Uhr und eine Dachstuhl-Führung in der Elisabethkirche am 27. Juli ab 17 Uhr.

Diesen Dienstagabend um 20 Uhr findet die Vernissage der Begleitausstellung in der Brüder-Grimm-Stube statt. Dort stellt in diesem Jahr Henry Ruck aus, Dozent des Kurses „Die lebendige Linie und strukturierte Flächen“.

von Nadja Schwarzwäller

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