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Einfach himmlisch: Wenn Engel singen

Eckelshausener Musiktage Einfach himmlisch: Wenn Engel singen

Schlicht „Geistliches Konzert“ hieß der Abend, der im Rahmen der Eckelshausener Musiktage stand. Aber es war ein geistliches Konzert der Extraklasse, das die Augsburger Domsingknaben am Freitagabend in der Stiftskirche Wetter boten.

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Überirdisch schön: Der Kammerchor der Augsburger Domsingknaben trat bei den Eckelshausener Musiktagen auf und sorgte für Begeisterung. Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Wetter. Der Knabenchor sang mit großer Klarheit und Frische, mit Hingabe und Einfühlungsvermögen, mit Ausdruck und Präzision. Glockenhell und rein die Stimmen, rund und harmonisch der Chorklang. Kurzum: Es war ein fast überirdisch schönes Hörerlebnis.

Bewundernswert war schon allein, dass die jungen Sänger den ganzen Abend hindurch a cappella sangen. Dennoch war kein falscher Ton zu hören, kein Zittern, keine Unsicherheit. Los ging es mit dem „Salve Regina“ von Johannes Mangon (geboren 1578). Wunderschön der Beginn des Stückes mit einem Cantus Gregorianus, der in seiner schlichten Schönheit sehr anrührend wirkte. Bereits hier erwies sich die Stiftskirche Wetter als idealer Klangraum, die Töne schwebten frei und klar durch das Kirchenschiff.

Sehr beeindruckend auch das „Plaudite omnis terra“ von Giovanni Gabriele (1557 - 1612). Für dieses zwölfstimmige Stück teilte sich der Chor in drei einzelne Chöre auf, die auch von der Seite und der Empore aus sangen. So entstand ein wunderbares, schwebendes Klanggebilde, das die ganze Kirche erfüllte. Eine etwas andere Wirkung hatte das „Ave Maria“ von Jakob Arcadelt (1500-1568). Das ruhige und friedliche Stück für vier Männerstimmen wurde von den wenigen älteren Sängern gesungen, die mit ihren vollen und zugleich sanften Stimmen überzeugten. Brillant gelang auch das fröhliche „Laudate coeli“ von Oration Benevoli (1605-1672). Hier kamen die unglaublich hellen Sopranstimmen der jüngsten Sänger, die etwa zehn Jahre alt waren, besonders gut zur Geltung kamen.

Der Kammerchor der Augsburger Domsingknaben wagte sich auch an moderne Stücke. Sehr ausdrucksvoll und innig sangen sie das „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Hugo Distler (1908 - 1942) und das folgende „Salve Regina“ von Max Baumann (1917 - 1999). Mit letzterem Stück verabschiedete sich der Chor von den Zuhörern, die wie verzaubert wirkten. Nach einigen Minuten der Stille brach ein Riesenapplaus los, und erst nach drei Zugaben entließen die Zuhörer den Chor.

Die Augsburger Domsingknaben unter der Leitung von Domkapellmeister Reinhard Kammler treten nicht nur bei geistlichen Konzerten im Augsburger Dom auf, sie wirken auch sehr erfolgreich im professionellen internationalen Musikbetrieb mit. So sangen sie schon unter Weltstars wie Sir Colin Davis, Sir Neville Marriner und Kent Nagano und traten bei renommierten Musikfestivals auf. Darüber hinaus haben sie schon in Rom für den Papst gesungen und bei offiziellen Anlässen vor politischer Prominenz in Berlin.

von Bettina Preussner

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