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Eine ungewöhnliche Freundschaft

OP-Filmtest: „Frühstück bei Monsieur Henri“ Eine ungewöhnliche Freundschaft

Was können zwei Menschen, unterschiedlich 
wie Tag und Nacht, voneinander lernen? Courage, Vertrauen und Liebe, wie „Frühstück bei Monsieur Henri“ mit viel Herz und Humor zeigt.

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Claude Brasseur spielt den verbitterten Henri.

Quelle: Neue Visionen Filmverleih

Marburg. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Und liefern Stoff für herzerwärmendes Kino. Darum hat wohl die Geschichte einer ungleichen Freundschaft immer wieder Erfolg: Zwei Menschen lernen einander kennen, einer jung, aber im Leben verloren, der andere älter und verbittert, vom Leben enttäuscht. Zwei Welten, eine privilegiert, die andere nicht, prallen aufeinander.

„Der kleine Lord“ hat es bereits in Verfilmungen der 30er- und 80er-Jahre vorgemacht. Im Kino-Hit „Ziemlich beste Freunde“ fanden sich der im Rollstuhl gefesselte Philippe und der Ex-Häftling und Pfleger Driss. Nun liefert die ungewöhnliche Freundschaft in der französischen Komödie „Frühstück bei Monsieur Henri“ Humor, Drama und Stoff zum Nachdenken.

Flucht vor dem herrischen Vater

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Constance und Henri. Die junge Studentin will ihre trostlose Kleinstadt verlassen und ihrem herrischen Vater entkommen. Sie ist frech und charmant, hat aber tiefe Selbstzweifel. Paris scheint für sie die Erlösung zu sein.

Also mietet sie sich ein Zimmer in der Wohnung von Henri, der seit dem Tod seiner Frau alleine wohnt. Dort erwarten sie knarzende Holzböden, ein verstaubtes Klavier und ein verbitterter alter Mann, der nur widerwillig seine Einsamkeit aufgibt. Zwei Personen unter einem Dach, „für mich ist das schon viel“, faucht er.

Schnell stellt sich heraus: Constance kann die Miete nicht bezahlen. Also lässt sie sich auf einen Deal ein. Im Gegenzug für mietfreies Wohnen soll sie Henris Sohn Paul verführen, damit er seine liebevolle aber dusselige Frau Valérie verlässt.

Somit beginnt ein humorvolles und zugleich trauriges Täuschungsspiel. Der Charme der jungen Frau hat große Wirkung: Paul versucht, sich für die Studentin vom steifen Steuerberater zum coolen Typen in Leder­jacke zu wandeln. Zugleich wachsen Constances Gewissensbisse und Selbstzweifel. Ihr Charme und ihre Verletzlichkeit wirken aber auch auf Henri – seine eiskalte Fassade schmilzt langsam dahin. Während sie ihm mit ihrem Klavierspielen wieder Freude bereitet, spricht er ihr im Leben Mut zu.

Beide sind enttäuscht vom Leben und sich selbst

Regisseur und Drehbuchautor Ivan Calbérac, der auch das gleichnamige, in Paris erfolgreiche Theaterstück verfasste, spielt zunächst mit Kontrasten: Die dynamische Constance fällt mit ihrem bunten Gepäck und ihrer scheinbaren Sorglosigkeit bei Henri ein. Oft liefern sie sich einen verbalen Schlagabtausch, sie keck, er zynisch. „Sind Sie Soldat im Ruhestand?“, fragt sie, nachdem er ihr die zwanzigseitigen Hausregeln überreicht. „Sicher nicht, ich war Steuerberater.“

Was als Komödie beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einem nachdenklichen Drama über Verlust und Enttäuschungen. Die zwei so unterschiedlichen Protagonisten haben doch mehr gemeinsam als gedacht: Beide sind verletzlich, beide enttäuscht vom Leben und von sich selbst.

Erfolgreich bringt das Jungtalent Noémie Schmidt, zum ersten Mal in einem Spielfilm, die komplexe Gefühlswelt der Constance rüber. Auch Claude Brasseur, der einst mit Stars wie Jean Gabin vor der Kamera stand, überzeugt als Henri. Dennoch geht seine Rolle nicht weit über das Klischee des verbitterten, einsamen Mannes hinaus. Auch wird dem Zuschauer nur selten ein Einblick in seinen tiefsitzenden Schmerz gewährt, eine bewegende Diskussion zwischen ihm und seinem Sohn Paul gegen Ende des Films ist eher die Ausnahme.

„Frühstück bei Monsieur Henri“ mag wenig Überraschungen bieten, auch ist die Moral der Geschichte schon früh klar. Dennoch erzählt der französische Film eine herzerwärmende Geschichte von einer ungewöhnlichen Freundschaft und der Suche nach dem Platz im Leben.

von Gioia Forster

 

Frühstück bei Monsieur Henri erhielt von den Besuchern der OP-Schnupper-Premiere im Cineplex das Prädikat: sehenswert mit der Note 2,96 (Bestnote ist 4,0)

Zuschauermeinungen :

„Ein sehr schöner Film – richtig französisch, lustig und mit Tiefgang.“
Charlotte Kästel aus Gießen

„Ein perfekter Sommerfilm, voller leichter Momente, poetischer Bilder und auch ein wenig Tiefgang.“
Anjuli Spieker (25) aus Marburg

„Höre nicht auf deinen Vater!“
Lea-Marie Pech aus Marburg

„Sehr toller Film, gefühlvoll gespielt, regt zum Nachdenken an.“
Torsten Vonicec (50) aus Marburg

„Sehr schöner Film, welcher einen inspiriert, sein Leben zu überdenken und den Sinn des Lebens in der Freude zu suchen. Sehr gute Musik.“
Franziska Stahl (27) aus Marburg

Die Gewinner :
Je zwei Freikarten gehen an: Gabriele Stahl, Annette Ashoff, Ingrid Auletta, Rabea Schwittala und Lena Rosenstengel. Die Karten werden zugeschickt.

 
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