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Eine neue Methode, Fehler zu korrigieren

OP-Buchtipp: Kate Atkinson - "Die Unvollendete" Eine neue Methode, Fehler zu korrigieren

Stell dir vor, du darfst jeden Fehler deines Lebens in einem weiteren Leben korrigieren. Wohin würde das wohl führen? Ursula Todd, Heldin aus der Feder von Kate Atkinson, darf das und macht das auch.

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Die sogenannten „Trümmerfrauen“ arbeiten im Mai 1945 in Berlin an der Beseitigung der Trümmer von im 2. Weltkrieg zerstörten Häusern. Kate Atkinson schickt ihre Romanheldin auch in das zerstörte Berlin und lässt sie dort sogar sterben. Doch Ursula hat Glück und bekommt immer wieder einen neue Chance, ihr Leben zu meistern.

Quelle: Ursula Röhnert

Du wirst geboren und stirbst sofort, weil sich die Nabelschnur um deinen Hals gelegt hat. Du wirst wieder geboren, lebst ein bisschen und stirbst wieder. Du wirst erneut geboren, lebst länger als zuvor und stirbst wieder. Ursula Todd erblickt am 11. Februar 1910 das Licht der Welt. Und das wieder und wieder und wieder.

So tastet sie sich durch ihr Leben, kann über Eingebungen, die einem Déjà-vu ähneln, Fehler eines vorangegangenen Lebens vermeiden, beheben und verändern. Mit jedem neuen Leben wird sie ein bisschen älter, bevor sie wieder aus irgendeinem Grund stirbt. Die Gründe sind vielfältig und reichen von Krankheit über Unfall bis zum Selbstmord. Doch Ursula kommt immer wieder zur Welt, ist immer wieder die gleiche Person, das dritte Kind einer Landadelsfamilie in England.

Neues Leben, neuer Lernprozess

So erlebt sie schließlich als kleines Kind den Ersten und als junge Frau den Zweiten Weltkrieg. Sie wird mehrfach Kriegsopfer – bis sie weiß, was sie zu tun hat, um das Schicksal der ganzen Welt zu verändern. Sie freundet sich mit Eva Braun an und erschießt Hitler. Ursula strebt also nicht nur nach dem eigenen Glück, sondern auch nach dem der Menschheit. Doch kann sie die Welt wirklich lenken, Menschen vor Kummer, Schmerz, Leid und Tod bewahren?

Mit jedem neuen Leben setzt bei Ursula auch ein neuer Lernprozess ein. Und so übersteht sie auch mit einem Leben den Krieg, den sie nicht mehr verändert. Doch was passiert zum Schluss? Kreiert Ursula eine Parallelwelt mit neuen Herausforderungen oder gibt es eine andere Lösung? Bis dahin sollte man sich unbedingt Seite für Seite von vorne durch das Buch lesen. Bloß nicht die Spannung nehmen und mal kurz am Ende gucken!

Die Zeitsprünge werden indessen größer und man muss ganz schön viel im Hinterkopf behalten, was Ursula wohl in der Zwischenzeit anders in ihrem Leben gemacht hat. Das ist in der Tat eine echte Herausforderung und ganz sicher von der britischen Erfolgsautorin Kate Atkinson auch so gewollt worden. Verschiedene Ereignisse, etwa der Zweite Weltkrieg, werden über diese Methode aus verschie­denen Blickwinkeln dargestellt.

Einmal stirbt Ursula bei einem Bombenangriff der Nazis auf London, ein weiteres Mal in den Trümmern von Berlin in den letzten Kriegstagen. Das, was Ursula dabei zuvor erlebt, ist letztendlich jedes Mal das, was wir als Leser als unsere reale Weltgeschichte wahrnehmen. Und damit reift die Erkenntnis, dass wohl niemals das perfekte Leben möglich wird, egal, ob wir nur einmal leben oder mehrere Chancen dazu bekommen würden. Oder zeigt uns Ursula zum Ende hin eine andere Welt auf? Der schon preisgekrönte Roman von Atkinson ist definitiv lesenswert.

  • Kate Atkinson: „Die Unvollendete“, Droemer-Verlag, 592 Seiten, gebundene Ausgabe 19,99 Euro, Taschenbuch 9,99 Euro.

von Götz Schaub

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