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„Eine lebendige und weltoffene Stadt“

Marburger Krimifestival „Eine lebendige und weltoffene Stadt“

„Nackter Mann, der brennt“: So heißt das Buch, mit dem Bestsellerautor Friedrich Ani das Krimifestival eröffnete. Im sonnigen ­Marburg wurde der Schirmherr des Festivals mit einem Schirm empfangen.

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Friedrich Ani ist Schirmherr des Marburger Krimifestivals. Mitorganisatorin Mariella Terzo stellte den Bestsellerautor bei der Eröffnung des Festivals vor.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Seit 14 Jahren ist Marburg im Herbst ein El Dorado für Krimifans. Das Krimifestival 2016 bietet insgesamt 15 Veranstaltungen, randvoll mit Mord und Totschlag und vielen hochkarätigen Autoren.

Einer war am Mittwoch aus München zur Eröffnungsveranstaltung angereist – schon voller Vorfreude auf Marburg. Es sei sein liebstes Krimifestival, wie er verriet, auch wegen der „good vibrations“ hier. Kein Wunder, dass man Friedrich Ani zum Schirmherren des Festivals auserkoren hatte.

Er sei ein wenig in Sorge gewesen, was er da machen müsse, aber: „Alles okay. Hauptsache, ich komme“, stellte er fest. Mariella Terzo von Terzo PR und Manfred Paulsen vom Verein „Strömungen“, die das Festival gemeinsam betreuen, hatten pflichtschuldigst sogar den zum Schirmherren gehörenden Schirm für Friedrich Ani vorbereitet. Das hätte es gar nicht mehr gebraucht. Schon lange ist der nämlich ein Fan der Stadt wie auch des Krimifestivals. Was ihm denn konkret gefalle, kam die Nachfrage aus dem Publikum. „Sind Sie die Bürgermeisterin oder wie?“, parierte Ani lachend.

Die Antwort: Er habe Marburg schon immer als eine unglaublich lebendige und weltoffene Stadt empfunden. Das Lebensgefühl in der Stadt sei ungewöhnlich: „Hier können sehr unterschiedliche Menschen nebeneinander leben und sich nicht ausgrenzen“. Und das Festival schätzt er als eines „ohne Eitelkeit und Rankwerk“, bei dem es den Veranstaltern um Hingabe geht – „dass man Krimis ernst nimmt und den Autoren zuhört“, so Ani. Es sei „so eine Art Familientreffen, nur mit Leuten, die man nicht kennt, aber es ist, als käme man in ein Wohnzimmer“.

Nichts für schwache Nerven

Die Besonderheiten von Orten spielen auch in seinen Romanen eine Rolle. In seinem neuen Krimi „Nackter Mann, der brennt“ verlegt Friedrich Ani die Haupthandlung erstmals aufs Land, nachdem er zuvor immer Großstadtgeschichten geschrieben hatte. Die Geschichte um einen Mann im „Schuldzustand“, der von den Dämonen seiner Vergangenheit getrieben in die Heimat zurückkehrt, und vom Opfer zum Täter wird, hat der Autor lange Jahre mit sich herumgetragen, wie er erzählte. Erst im letzten Jahr, als alle – auch sein Lektor – die Fortsetzung des vorherigen Buchs mit dem Ex-Kommissar Jakob Franck erwartet hatten, hatte er das Gefühl, „vielleicht geht’s ja jetzt“.

Der Name des Protagonisten Ludwig Dragomir und der Titel des Buches beruhen beide auf jeweils einer früheren Kurzgeschichte von Ani. Die Sprache ist gewohnt virtuos, die Geschichte nichts für schwache Nerven und zartbesaitete Gemüter.

Die Geschichte um seinen „Schmerzensmann“ aus der Ich-Perspektive zu schreiben, sei eine besondere Herausforderung gewesen: Man müsse aufpassen, sich als Autor nicht „gehenzulassen“ und alles zu erzählen, sondern nur aus der Figur heraus zu schreiben.

Ani schreibt indes längst nicht nur Krimis sondern auch Kinder- und Jugendbücher, Drehbücher und Lyrik. Er ist jahrelang Polizeireporter gewesen und wurde mit dem Krimi „German Angst“ bekannt. In Marburg war er 2004 zum ersten Mal zu Gast. Für das nächste Krimifestival steht er gern wieder als Schirmherr parat, bestätigte er. Jetzt warten aber erst einmal die restlichen Veranstaltungen 2016 auf die Krimifans.

Am Montag stellt Melanie Rabe ( Foto: Faustus) ab 20 Uhr in der Waggonhalle ihren Thriller „Die Wahrheit“ vor. Seit sieben Jahren ist der reiche und zurückgezogen lebende Geschäftsmann Philipp Petersen während einer Südamerikareise spurlos verschwunden.

Seither zieht seine Frau Sarah (37) den gemeinsamen Sohn alleine groß. Doch dann erhält Sarah aus heiterem Himmel die Nachricht, dass Philipp am Leben ist. Doch der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist ein Fremder – und er droht Sarah: Wenn sie ihn jetzt bloßstelle, werde sie alles verlieren: ihren Mann, ihr Kind, ihr ganzes scheinbar so perfekte Leben.

„Die Wahrheit“ ist der zweite Roman der jungen Autorin, die in einem 400-Seelen-Dorf in Thüringen aufgewachsen ist. Bekannt wurde sie durch ihr Debüt „Die Falle“.

von Nadja Schwarzwäller

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