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"Eine ganz besondere Location"

"Zauberflöte" auf der Schlossparkbühne "Eine ganz besondere Location"

Opern werden in Marburg nur selten aufgeführt. Am Donnerstag kamen 350 Zuhörer in diesen Genuss und das auch noch unter freiem Himmel und mit klassischer Inszenierung.

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Fernando Araujo als bunter Papageno und Bernadette Schäfer als Pamina begeisterten bei der Freiluft-Aufführung von Mozarts „Zauberflöte“ auf der Schlossparkbühne.Foto: Florian Gaertner

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Die Zuschauer waren von der klassischen Oper vor atmosphärischer Kulisse begeistert. „Wir würden glatt noch einmal reingehen“, meinten Andrea und Bernd Thomanek. Auch die 27-jährige Lina Groos war zufrieden: „Tolle Kostüme, wunderschön gesungen und natürlich einfach eine ganz besondere Location.“ Doch beim Open-Air-Erlebnis mussten auch leichte Abstriche in der Akustik hingenommen werden, obwohl die Sänger durch Mikrophone unterstützt wurden und das Orchester gut zu hören war. Kurzzeitig wurde der Oper die Show gestohlen: Hund Mimi wuselte über die Bretter auf der verzweifelten Suche nach Frauchen Romana Vaccaro, der Gattin des Regisseurs.

Dieser war sehr zufrieden mit der Resonanz und dem Ablauf der Vorführung, schließlich hatten die Hauptrollen nur drei Probetage Zeit, um sich einzuarbeiten, „das Orchester und die Nebenfiguren haben zwar bereits am 16. Juni begonnen, aber auch das ist insgesamt wenig, wenn Sie bedenken, dass am klassischen Regietheater eher volle sechs Wochen eingeplant werden.“

Martin Constantin, der den bösen Handlanger Monostatos im Tenor spielte, gab dabei allerdings zu bedenken: „In den großen Opernhäusern ist es mittlerweile üblich, die Stücke dermaßen zu verändern, dass solche langen Probezeiten unumgänglich sind, wenn wir aber als Profis in den Genuss kommen, die Klassiker auch einmal so spielen zu dürfen wie sie geschrieben wurden, dann reichen ein paar Tage aus.“ „Was wir an mitunter absurden Veränderungen erleben, empfinde ich teilweise als pseudointellektuelle Selbstbefriedigung,“ pflichtete ihm Fernando Araujo bei.

Klassische Inszenierung als Einstieg in die Oper

Einig waren sich beide Darsteller und auch der Regisseur vor allem darin, dass die originalgetreuen Darstellungen, wie sie für die „Opera Classica“ typisch sind, vor allem jungen Menschen den Einstieg in die Oper erleichtern. In der Tat hielten auch Kiara-Larissa (8) und Leonardo (10) wacker bis zum Ende durch. „Die Arien sind für sie noch nicht ganz zu erfassen, aber gerade durch den bunten Papageno und die schönen Kostüme sind sie trotz der späten Stunde richtig konzentriert gewesen“, fand Mutter Iris Koch.

Der Marburger Tenor Hubert Schmid sang bei der Open-Air-Aufführung auf der Schlossbühne den Prinzen Tamino, der es gemeinsam mit dem gebürtigen Brasilianer Fernando Araujo als Papageno (Bariton) mit dem vermeintlich bösen Sarastro, dessen Bass von der tiefen kräftigen Stimme von Karl Huml ausgefüllt wurde, aufnehmen musste, um seine angebetete Pamina zu gewinnen. Deren Sopran wurde von Bernadette Schäfer gesungen, die mit ihren 29 Jahren eigentlich gut zwei Jahre älter ist als Bühnenmutter Hanna Czarnecka, die als zwielichtige Königin der Nacht die besonders anspruchsvolle Arie zu singen hatte.

„Findest du, dass diese Züge dir nicht gleichgültig sind, dann ist Glück Ehr‘ und Ruhm dein Los.“ Mit diesen Worten richtete der Verfasser des Textbuches zur Oper „Die Zauberflöte“, Emanuel Schikaneder, an seinen Bühnenhelden Tamino die Frage, ob er die ihm zugedachte Pamina überhaupt anziehend fände. Heute würden wir eine solche Frage sicher direkter formulieren, doch im 18. Jahrhundert, als Schikaneder das Libretto zu der von Mozart komponierten Musik schrieb, waren diese sachten Formulierungen gefragt. Auch über zweihundert Jahre nach der Uraufführung sind die verspielten Sätze von Mozarts Oper immer noch beliebt. Gut drei Stunden lang lauschten die Besucherinnen und Besucher bei zunehmender Kühle, wie Prinz Tamino, mit Hilfe einer Zauberflöte und seinem mal lustigen, mal eher feigen Begleiter, dem bunten Vogelfänger Papageno, es letztlich schafft „standhaft, duldsam und verschwiegen,“ am Ende „männlich zu obsiegen“.

von Marcus Hergenhan

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